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OTS0192   4. Nov. 2011, 15:33

Oesterreichs Energie Trendforum diskutierte Zukunftsthemen im Parlament

EU-Energiekommissar Günther Oettinger: Ausbau der Netze entscheidend für Nutzung erneuerbarer Energien


Der Ausbau der Energienetze, insbesondere der
Verteilnetze und Übertragungsnetze für Strom wird in den kommenden
Jahren über den Aufbau einer Energieversorgung auf Basis erneuerbarer
Energien entscheiden. Zusätzlich brauchen die Unternehmen noch
Rahmenbedingungen, die ihnen Sicherheit für die enormen Investitionen
bieten, erklärte EU-Energiekommissar Günther Oettinger beim
Oesterreichs Energie Trendforum im Parlament. Gleichzeitig gelte es,
die Effizienz des Endenergieeinsatzes zu steigern und das Bewusstsein
der Konsumenten für den Energieverbrauch zu stärken. Das erklärte
Oettinger in seinem Impulsreferat anlässlich des Oesterreichs Energie
Trendforums und einer Podiumsdiskussion der Energiesprecher der im
Parlament vertretenen Parteien vor 150 Gästen aus Politik, Verwaltung
und Wirtschaft. Die Veranstaltung erfolgte auf Einladung der
Präsidentin des Nationalrates Mag.a Barbara Prammer und des Zweiten
Präsidenten des Nationalrates Fritz Neugebauer.

Die Forderung nach einem raschen Ausbau der Infrastruktur unterstrich
DI Dr. Peter Layr, Präsident von Oesterreichs Energie. Er hält eine
Vorreiterrolle Österreichs beim Umstieg auf erneuerbare Energien für
möglich. Vorausgesetzt, dass die Rahmenbedingungen entsprechend
angepasst werden: "Wir brauchen weiterhin den massiven Ausbau
erneuerbarer Energien und müssen auf der anderen Seite das
Bewusstsein für Energie-Effizienz steigern. Außerdem muss das
eingesetzte Kapital entsprechend verzinst werden", so Layr. Die
Stromkunden seien bereit, eine Energiewende zu unterstützen, wie auch
die E-Wirtschaft bereit sei, ihren Beitrag für die Energiezukunft
unseres Landes zu leisten. Es gelte aber die richtigen Signale auf
grün zu stellen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger verwies auf die Dringlichkeit,
den europäischen Energie-Binnenmarkt wie geplant bis 2014 zu
vollenden und die Infrastruktur rasch auszubauen: "Wenn wir nichts
tun, fallen wir zurück. Nur wer das Ruder in die Hand nimmt, kommt in
der richtigen Richtung voran." Er nannte drei vorrangige Ziele für
Europas Energiezukunft: Die Versorgungssicherheit der Menschen mit
Energie zu gewährleisten, nachhaltig mit Ressourcen umzugehen und die
internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas als größter Energiemarkt
der Welt zu stärken. Um diese Ziele umzusetzen, sei vor allem eines
notwendig - eine neue, paneuropäische Infrastruktur, so Oettinger.

Stromnetze und Speicher ausbauen, Effizienz steigern

Dem Ausbau der Stromnetze kommt dabei eine tragende Rolle zu. "Wenn
Strom im Norden künftig aus Wind kommen soll, im Süden aus Sonne oder
in Ländern mit natürlichen Holzvorräten aus Biomasse, benötigen wir
dafür eine arbeitsteilige und dezentrale Struktur", betonte
Oettinger. Parallel dazu müssten die Pumpspeicher-Kraftwerke
ausgebaut und die Energieeffizienz weiter erhöht werden. Nur so könne
Europa gemeinsam eine Energiestruktur aufbauen, die die Vorteile
aller Regionen inkludiere.

Energie-Trendwende erfordert massive Investitionen

In einem waren sich alle Podiumsteilnehmer - auch die Energiesprecher
der Parteien - einig: Um die Energie-Trendwende umzusetzen, sind
massive Investitionen erforderlich. Dies zeigt sich deutlich am
Beispiel Deutschlands. Die angestrebte Verdoppelung des Anteils
Erneuerbarer Energien erfordert in den kommenden zehn Jahren knapp
200 Milliarden Euro an Investitionen sowie noch einmal denselben
Betrag für laufende Kosten. Diese Zahlen präsentierte die
Energieexpertin Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung.

Sie sieht im deutschen Energie-Umstieg mehr Chancen als Risiken,
nennt aber drei entscheidende Faktoren für das Gelingen: den Ausbau
der europäischen Stromnetze, angepasste rechtliche Rahmenbedingungen
sowie ein zielgerichtetes Change Management. "Ein schnelles Reagieren
ist möglich, Trägheit kann sich rächen. Aber es sind unbestritten
große Investitionen erforderlich - und es bleibt zu hoffen, dass die
Finanzkrise sich nicht hemmend auswirken wird."

Österreich: Schulterschluss aller Beteiligten gefragt

Die Energiesprecher der Parteien betonten in ihren
Diskussionsbeiträgen die Bedeutung des richtige Mix von
Energieträgern. Mit 71 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen ist
Österreich in Europa bereits heute mit Abstand führend, dieser
Bereich soll noch weiter ausgebaut werden. Dennoch sind fossile
Energieträger - allen voran Gas - als Brückentechnologie notwendig.
Mit der Umsetzung des dritten Binnenmarktpakets durch das ElWOG und
dem Ökostrom-Gesetz seien in Österreich zuletzt wichtige Schritte für
die Energiezukunft gesetzt worden. Nun gehe es um die Vorbereitung
eines Energieeffizienz-Gesetzes. "Letztlich müssen alle ihren Beitrag
für die Energiezukunft leisten", fasste der zweite Präsident des
Nationalrates, Fritz Neugebauer, die Diskussion zusammen.
Konsumenten, Unternehmen und E-Wirtschaft werden gleichermaßen
gefordert sein, um die nachhaltige und sichere Versorgung der
Bevölkerung und der Wirtschaft mit Strom auch in Zukunft zu
gewährleisten.

Über Oesterreichs Energie

Oesterreichs Energie vertritt seit 1953 die gemeinsam erarbeiteten
Brancheninteressen der E-Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und
Öffentlichkeit. Als erste Anlaufstelle in Energiefragen arbeiten wir
eng mit politischen Institutionen, Behörden und Verbänden zusammen
und informieren die Öffentlichkeit über Themen der
Elektrizitätsbranche.
Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erzeugen mit knapp 21.000
Mitarbeitern mehr als 90 Prozent des österreichischen Stroms und
betreiben die Transport- und Verteilnetze Österreichs. Die
Stromproduktion der Mitglieder von Oesterreichs Energie erreichte
2010 rund 60 Milliarden Kilowattstunden, davon 60 Prozent aus
nachhaltiger Wasserkraft.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0192 2011-11-04 15:33 041533 Nov 11 NVE0002 0770



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