• 04.11.2011, 10:36:19
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Wald als Ware? Hochkarätige Diskussionsveranstaltung im Lebensministerium

Im Vorfeld der Klimakonferenz in Durban diskutierten ExpertInnen die umstrittene Rolle des Waldes in der internationalen Klimapolitik

Wien (OTS) - Mindestens 15 Prozent der weltweiten
Treibhausgasemissionen stammen aus der Abholzung von Wäldern. Bei der
Weltklimakonferenz, die von 28.11. - 9.12. im südafrikanischen Durban
stattfindet, wird daher Waldschutz ein wichtiges Thema sein. Geplant,
aber umstritten ist ein Mechanismus zur Reduktion von Emissionen aus
Entwaldung und Schädigung von Wäldern (REDD - Reducing Emissions from
Deforestation and Degradation), bei dem Wäldern und ihrer Fähigkeit,
CO2 zu speichern, Geldwert beigemessen werden soll. Wenn Wald zur
Ware wird - wer wären die Gewinner, wer die Verlierer? Und welche
Rolle könnte in diesem Prozess Österreich spielen, das als "Waldland"
über große Erfahrung in nachhaltiger Forstwirtschaft verfügt?
Um diese und ähnliche Fragen ging es am 3. 11. bei einer
hochkarätigen Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Österreichischen
Walddialogs, die von CARE, Klimabündnis und Lebensministerium
organisiert wurde - in Kooperation mit dem WWF, der Österreichischen
Klimaallianz und mit Unterstützung der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit.

Klimafaktor Wald im "Jahr des Waldes" 2011
Einig waren sich die ExpertInnen darin, dass der nach wie vor
fortschreitende Rückgang der globalen Waldbestände und wertvoller
Biodiversität schnellstmöglich gestoppt werden sollte. Zentral
wichtig wäre auch die Einhaltung sozialer Schutzmechanismen, denn der
Wald ist Existenzgrundlage für mindestens 1,6 Milliarden Menschen.
300 Millionen von ihnen, insbesondere indigene Völker, leben direkt
im Wald. Viele befürchten, dass wirtschaftlich lohnende
Wiederaufforstungen bzw. eine Vermarktung von Waldschutz zu
lebensfeindlichen Monokulturen und Vertreibungen führen könnten.

"Die indigenen Völker und andere RegenwaldbewohnerInnen fordern zu
Recht, das sie mit ihrer traditionellen Kultur und Lebensweise
respektiert werden und REDD nicht ohne ihre Beteiligung und
Zustimmung entschieden wird, denn es ist vor allem ihr Verdienst,
dass der Regenwald vielerorts erhalten geblieben ist. Daher sollte
REDD für sie eine finanzielle Kompensation sicherstellen", so Johann
Kandler vom Klimabündnis, das mit zahlreichen indigenen
Gemeinschaften in engem Kontakt steht.

Mittlerweile gibt es bereits Waldschutz-Projekte, die die lokale
Bevölkerung gut einbeziehen, wie ein von den Österreichischen
Bundesforsten und dem WWF durchgeführtes Projekt zur langfristigen
Erhaltung eines Nationalparks in Laos, bei dem auch die
Schokoladenmanufaktur Zotter und das Lebensministerium beteiligt
sind. Die Hilfsorganisation CARE führt REDD-Pilot-Projekte durch, bei
denen sie besonders auf Armutsbekämpfung und die Stärkung von Frauen
achtet: "Der Forstbereich gilt weltweit als Männerdomäne, doch gerade
in Entwicklungsländern spielen Frauen eine wichtige Rolle, was
Waldschutz und Waldnutzung betrifft. Sie holen z.B. Brennholz,
Kräuter und Medizinpflanzen aus den Wäldern. Ihr Wissen muss bei der
Entwicklung und Umsetzung von REDD-Strategien systematisch einbezogen
werden", so Angelika Gerstacker von CARE.

Österreich und der Wald
Österreich ist ein "Waldland" - rund 47 Prozent seiner Fläche sind
mit Wald bedeckt, der einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt.
Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ und
Nationalratabgeordneter der ÖVP: "Der österreichische Wald verdankt
seine Vitalität den Jahrhunderte langen Bemühungen der Waldbesitzer,
den Wald nachhaltig zu nutzen. Das Interesse der Menschen am Wald
kommt aus dem Bewusstsein für die praktisch erlebten, vielfältigen
Funktionen. Auch in Zukunft wird der Wald ein wesentlicher Faktor der
regionalen Wertschöpfung sein und zur Sicherung der aufrechten
Besiedelung der peripheren Regionen unverzichtbar sein."

EU-Abgeordnete Karin Kadenbach, SPÖ, setzt sich auf europäischer
Ebene für Waldschutz ein: "Nachhaltige Waldbewirtschaftung, wie sie
in Österreich betrieben wird, ist von ganz entscheidender Bedeutung
dafür, dass Klimaschutzziele verwirklicht werden und die
erforderlichen Ökosystemleistungen wie biologische Vielfalt, Schutz
vor Naturkatastrophen und Bindung von CO2 aus der Atmosphäre,
gewährleistet werden. Auch auf europäischer Ebene sind Anstrengungen
nötig, um den Wald zu schützen. So könnte das Modell des
Österreichischen Walddialoges auf die gesamte EU ausgedehnt werden -
er bezieht alle Akteure von privaten Waldbesitzern über die
Bundesforste bis hin zu Umweltorganisationen ein, um gemeinsam
optimale Strategien für den Wald zu entwickeln."

Michael Johann, Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern, forderte
eine nationale Strategie, um CO2-Speicherung aus Wald und Böden
besser zu koordinieren: "Wenn Österreich sein Kyotoziel verfehlt,
muss das die Bundesregierung mit sündteuren Bilanz-Tricks wie
Zertifikatsankäufen kaschieren. Der Klimawandel lässt sich aber nicht
wegrechnen. Wir brauchen rasch wirksame Maßnahmen zur Senkung der
österreichischen CO2-Emissionen und zusätzlich eine nationale
Strategie zur Nutzung des CO2-Speichervermögens in Österreichs Wald!"

Im abschließenden "Zukunftspanel" zum Thema "Wald retten, aber wie?"
kam die Mitverantwortung jedes Einzelnen für Klimawandel und
Waldzerstörung zur Sprache.
Elisabeth Johann, Präsidentin des Vereins "Waldpädagogik in
Österreich" betonte die Wichtigkeit von Öffentlichkeitsarbeit und
Schulbildung - im diesjährigen "Jahr des Waldes" hätten für 130.000
Schulkinder Waldführungen stattgefunden. Die NGO-VertreterInnen
appellierten an die politischen EntscheidungsträgerInnen,
österreichisches Wald-Know-how in den internationalen REDD-Prozess
einzubringen und sich für Umwelt- bzw. Sozialstandards einzusetzen.

Rückfragehinweis:

CARE Österreich
   Mag. Angelika Gerstacker
   Referentin für Presse, Medien & Anwaltschaft
   Tel.: ++43 (0)1 7150715-52, 0664 88731425
   mailto:[email protected]
   www.care.at

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