• 03.11.2011, 14:24:35
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Sozialpartner unterstützen das Bildungsvolksbegehren

AK, ÖGB, IV und WK in Kärnten wollen "aufstehen und hingehen".

Klagenfurt (OTS) - Bildung ist der Schlüssel zu einem
erfolgreichen Arbeitsleben und einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft.
Die Kärntner Sozialpartner fordern daher grundlegende Veränderungen
im Bildungssystem und setzen sich miteinander für das Volksbegehren
Bildungsinitiative ein. Wirtschaftskammerpräsident Franz Pacher
betonte am Donnerstag bei einem gemeinsamen Pressegespräch, dass
Österreich nicht über einen ausgeprägten Reichtum an Bodenschätzen
verfüge, aber dafür über eine andere, besonders wichtige Ressource:
"Wir können uns auf die gut ausgebildeten und fleißigen Menschen in
diesem Land verlassen. Sie geben den Unternehmern die Möglichkeit,
sich im harten internationalen Wettbewerb zu behaupten und dadurch
Wertschöpfung, Wohlstand und Arbeitsplätze zu schaffen."

WK: Volksbegehren soll Reform in Schwung bringen
Diese Erfolgsgeschichte stehe und falle allerdings mit der Bildung
und Ausbildung der Jugend. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten
habe hier die Entwicklung mit dem gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Wandel in Österreich, in Europa und der Welt nicht
Schritt gehalten. Das derzeitige Schulsystem sei immer noch
ausgerichtet auf eine agrarisch geprägte Wirtschaft mit
Schulunterricht nur am Vormittag und langen Sommerferien, um die
Mithilfe auf dem Bauernhof zu ermöglichen. Pacher: "Das ist für einen
hochindustrialisierten Wirtschaftstandort nicht optimal. Technologie
und Kommunikation werden junge Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten
- dafür sollte unsere Jugend optimal vorbereitet sein."

Das Bildungsvolksbegehren decke nicht alle Forderungen der
Wirtschaft ab, wie sie im Positionspapier der Wirtschaftskammer zur
Dualen mittleren und höheren Berufsbildung (DMHB) zusammengefasst
seien. "Aber ich unterstütze gemeinsam mit den Kärntner
Sozialpartnern diese Initiative und rufe dazu auf, sie zu
unterschreiben, weil ich mir wünsche, dass die Politik dieser
dringenden und drängenden Aufgabe mehr Dynamik verleiht als in den
Diskussionen zuletzt."

AK: Chance auf Gerechtigkeit für alle Kinder"
Die Arbeiterkammer setzt sich für eine umfassende Bildungsreform
in Österreich ein und ruft ihre Mitglieder auf, das Volksbegehren
"Bildungsinitiative" zu unterschreiben, damit die Reformziele rasch
erreicht werden. "Für die AK sind die anstehenden Bildungsreformen in
Österreich in erster Linie eine Frage der Gerechtigkeit", betonte
AK-Präsident Günther Goach. Ziel müsse sein, dass alle Kinder
unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gleich gute Bildungschancen
haben und individuell gefördert werden. "Selbst die besten Schulnoten
bringen Zehnjährige derzeit nämlich nicht automatisch in eine höhere
Schule", verwies Goach auf aktuelle Studienergebnisse. Je weniger
Eltern verdienen, desto eher wechseln Kinder nach der vierten Klasse
Volksschule nicht ins Gymnasium, sondern in die Hauptschule. "Das ist
eine Verschleuderung von Begabungen", kritisierte Goach und forderte:
"Das Können muss entscheiden, nicht die Brieftasche".

Daher unterstützt die AK eine gemeinsame Schule der Zehn- bis
Vierzehnjährigen, die mehr Zeit für die Entscheidung über den
weiteren Bildungsweg nach der Pflichtschule einräumt, ein
flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen in hoher Qualität, mehr
Mittel für die Universitäten und Fachhochschulen sowie die
Abschaffung von finanziellen Studienbarrieren. Zur besseren
Vereinbarkeit von Beruf und Familie verlangt die AK außerdem den
Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, vor allem für die unter
Dreijährigen. "Ein wichtiges Ziel ist aber auch die Sicherung einer
hohen Qualität in der Lehrlingsausbildung", betonte Goach und
forderte zu diesem Zweck z.B. regelmäßige Kontrollen der Lehrbetriebe
auf Einhaltung der Ausbildungsvorschriften sowie ein verpflichtendes
Unterrichtsfach Berufsorientierung in der 7. und 8. Schulstufe.

ÖGB: Bildung ist ein Grundrecht
"Das Bildungsvolksbegehren ist ein wichtiger Impuls, um die
Bildungsdebatte in Österreich voranzutreiben. Bildung ist ein
Grundrecht und muss ohne soziale Schranken und finanzielle Hürden für
alle zugänglich gemacht werden. Dabei müssen Förderung und
Chancengleichheit im Vordergrund stehen", sagte
ÖGB-Landesvorsitzender Hermann Lipitsch. Bildung müsse so früh wie
möglich ansetzen und sich auf eine durchgängige Ausbildung der
Pädagoginnen und Pädagogen stützen - vom Kindergarten bis zur
Universität "Die Bildungsinitiative nimmt wie die Lehrlingsausbildung
einen hohen Stellenwert innerhalb des ÖGB ein. Schließlich geht es
langfristig darum, gute Chancen am Arbeitsmarkt zu eröffnen", betonte
Lipitsch. Besonders positiv bewertet der ÖGB das Projekt "Lehre mit
Matura", denn die Lehre müsse wieder den gleichen Stellenwert
bekommen wie andere Ausbildungen. Lipitsch trat dafür ein, dass es
auch nach Unterbrechung einer Lehre die Möglichkeit geben solle,
diese zu beenden.

IV: Ingenieure fehlen
Nicht nur Arbeitnehmer, auch Arbeitgeber haben großes Interesse an
einer Bildungsreform. Für Otmar Petschnig, den Präsidenten der
Industriellenvereinigung Kärnten, entwickelt sich das Bildungssystem
zum zentralen Standortfaktor überhaupt. Nicht nur, dass in praktisch
allen Führungskräftebefragungen der letzten Monate das Finden
qualifizierter Fachkräfte stets ganz oben auf der Liste zu finden
sei, die prognostizierte demografische Entwicklung der nächsten Jahre
verschärfe das Problem noch zusätzlich. Das Bewusstsein für den
gewaltigen Strukturwandel in Österreichs Wirtschaft sei in der
breiten Bevölkerung noch nicht angekommen. An Hochlohnstandorten wie
der Alpenrepublik dränge alles in Richtung Höherqualifizierung.
Petschnig: "Allein 2010 werden hierzulande rund 1.000
DiplomingenieurInnen in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik,
Metallurgie, Verfahrenstechnik oder Werkstoffwissenschaften fehlen.
Gleichzeitig könnten sich die Unis in den so genannten Massenfächern
kaum des Andrangs erwehren."

Zu wenig geeignete Lehrlinge
Ähnliches zeichne sich am anderen Ende der Qualifikationsskala,
bei den LehrabsolventInnen in technischen Berufen ab. Bei
Aufnahmetests der Unternehmen würden immer weniger geeignete
KandidatInnen für dringend benötigte Facharbeitspositionen gefunden.
Dies untermauere die Ergebnisse der PISA-Tests. Österreich leiste
sich zu viele Risikoschüler. In Spitzen-Nationen wie Finnland sind es
nur halb so viele. Mindestens ebenso alarmierend sei allerdings die
Tatsache zu werten, dass Österreichs Bildungssystem auch nur halb so
viele Spitzenschüler produziert wie die Vorbild-Nationen. Was man
sich von den PISA-Siegern abschauen könne? Petschnig: "Beispielsweise
die Ganztagsschule, die die Chancengleichheit auch für Kinder aus
bildungsferneren sozialen Schichten herstellt, außerdem die stärkere
individuelle Förderung. Das muss bereits im Vorschulalter gezielt
erfolgen: Talente erkennen, fördern und fordern, das muss sich das
neue österreichische Bildungssystem auf seine Fahnen heften." Dazu
sei auch in der LehrerInnen-Ausbildung einiges zu verändern. Kritisch
sieht die Industrie aber auch den gewaltigen Verwaltungsaufwand in
Österreichs Bildungssystem. Von ca. 9 Mrd. Euro, die in die
heimischen Schulen investiert würden, komme derzeit nämlich nur die
Hälfte in den Klassenzimmern an, so Petschnig. Hier müsse es zu
großen finanziellen Umschichtungen kommen.

Bildungsvolksbegehren unterschreiben!
Petschnig sieht Österreichs Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr,
sollten das Reformprogramm nicht mit Engagement vorangetrieben
werden. Einige Punkte seien ja schon umgesetzt, wie etwa das
verpflichtende Vorschuljahr. Petschnig warnte eindringlich davor,
diesem Thema mit dem oft typisch österreichischen Schlendrian zu
begegnen. "Im Jahr 2030 wird es 20 Prozent weniger Schüler geben.
Schon heute sind 60 Prozent der Schüler Kinder von
AlleinerzieherInnen, die meisten wissen nichts von ihren Stärken,
kennen ihre Interessen nicht und wissen nicht, was im Berufsleben aus
sie zukommt - und das alles vor dem Hintergrund einer Schule, die im
19. Jahrhundert stehengeblieben ist. Österreichs Jugend hat die beste
Ausbildung verdient, der Wirtschaftsstandort die bestausgebildeten
Jugendlichen nötig", unterstrich Petschnig. Er appellierte an alle,
denen die Zukunft des Landes am Herzen liege, das
Bildungsvolksbegehren zu unterschreiben.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Kärnten
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 05/90 90 4-66o
mailto:[email protected]

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