• 02.11.2011, 09:39:41
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Ärztekammer informiert Bevölkerung über Gefahren durch ELGA

Keine Garantie von Datensicherheit bei exorbitant hohen Gesamtkosten - "Grob fahrlässig gegenüber den Patienten"

Wien (OTS) - "ELGA kostet Sie Ihr letztes Hemd" und "ELGA stellt
Sie vor den anderen bloß" sind die beiden Slogans, mit denen die
Ärztekammer in den nächsten Wochen die Bevölkerung über die Gefahren
der Elektronischen Gesundheitsakte" (ELGA) informieren wird. Im
Mittelpunkt der Kritik stehen dabei Probleme rund um den Datenschutz
sowie die exorbitant hohen Gesamtkosten, die für ELGA in der
Endausbaustufe bereitgestellt werden müssten. ****

"ELGA ist eine elektronische Krankheitsakte, die uns mehrere
Hundert Millionen Euro kosten wird - Geld, mit dem längst überfällige
medizinische Leistungen für Patienten finanziert werden könnten",
heißt es zum Beispiel in einem der Inseratensujets.

"ELGA ist eine elektronische Krankheitsakte, mit der mehr als
100.000 Personen Zugang zu Ihren Krankheitsdaten bekommen können.
Nach jüngsten Hacker-Attacken auf sensible Gesundheitsdaten wird mit
ELGA dem zentralen Datenklau in Österreich Tür und Tor geöffnet",
lautet eine andere Kernbotschaft, die die Ärztekammer in Richtung
Patienten bringen möchte.

Für den Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidenten
der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, war es "höchst an der
Zeit, die Menschen in Österreich davor zu warnen, was mit der
Realisierung von ELGA in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf sie
zukommen könnte". Denn es werde ein "Datenmoloch" geschaffen, der für
die Patienten keinerlei Nutzen hätte, im Gegenzug jedoch viel Geld
koste und darüber hinaus den Patienten in der Öffentlichkeit komplett
bloßstelle.

Steinhart: "In Deutschland beispielsweise hat man sich längst von
einer zentralen Speicherung von Gesundheitsdaten mangels Nutzen und
hohem Missbrauchsrisiko verabschiedet." Nur in Österreich werde
dieses "Prestigeobjekt von Hauptverband und Gesundheitsministerium"
mit aller Gewalt durchgedrückt. Dabei nehme man bewusst in Kauf, die
Menschen in Österreich zu "gläsernen Patienten" zu machen.

Sicherer als das Pentagon oder die Sony-Zentrale?

Als "geradezu peinlich" bezeichnet der Vizepräsident die
andauenden Beschwichtigungsversuche des Hauptverbands, wonach für
eine maximale Sicherheit der Daten gesorgt sei. Gerade die
Datenskandale im In- und Ausland der letzten Monate hätten gezeigt,
wie wenig sicher zentrale Datenspeicherungen wirklich seien. "Und
jetzt will uns der Hauptverband erklären, dass er die Kundmanngasse
sicherer gestalten wird, als es beispielsweise das Pentagon oder die
Sony-Zentrale geschafft haben?", kritisiert Steinhart, der damit
befürchtet, dass die österreichischen Patienten mit ELGA "komplett in
der Öffentlichkeit" stehen könnten.

Dabei macht Steinhart neben möglicher krimineller Vergehen auch
noch ein anderer Umstand große Sorge: "Nach derzeitigem Plan könnten
mehr als 100.000 Personen ganz legal Einschau in die Gesundheit der
Österreich nehmen." Denn nicht nur alle Ärztinnen und Ärzte sollen
sich in das System einloggen können, sondern auch das Pflegepersonal,
Angehörige der gehobenen medizinischen Dienste sowie alle Mitarbeiter
von Apotheken.

Steinhart appelliert daher an die Politik, allen voran an den
Gesundheitsminister, dem "Spuk um ELGA" möglichst rasch ein Ende zu
bereiten. Es sei keine Schande, im Laufe eines Projekts zu erkennen,
dass es nicht realisierbar und ohne Nutzen sei. "Wider besseren
Wissens und entgegen den Ratschlägen von Experten daran festzuhalten,
ist jedoch grob fahrlässig und den Menschen in Österreich gegenüber
unverantwortlich", betont Steinhart. (hpp)

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at

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