- 31.10.2011, 16:05:31
- /
- OTS0151 OTW0151
"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstaetter: "Europa braucht China, China genießt das leise"
Die Chinesen wissen, dass Europa sie braucht. Reden wollen sie nicht darüber.
Wien (OTS) - China hat 166 Städte mit mehr als einer Million
Einwohnern, fast 10 Prozent Wirtschaftswachstum und die größten
Devisenreserven der Erde. In China kennt man "Audili" (Österreich)
bestenfalls, wenn von Mozart oder den Philharmonikern die Rede ist.
Warum kommt der chinesische Staatschef Hu Jintao überhaupt ins kleine
Alpenland?
Zunächst einmal ist den Chinesen das Protokoll wichtig. Vor 40
Jahren wurden diplomatische Beziehungen aufgenommen. Österreich hat
sich schneller als andere Staaten von Taiwan abgewandt und dem Großen
Vorsitzenden Mao die Hand gereicht. Daran erinnert man sich in Peking
gerne.
Wirtschaftlich gesehen ist China für Österreich der wichtigste
Handelspartner außerhalb Europas. Und China freut sich über
Joint-Ventures mit unseren Unternehmen. Aber Hu Jintao macht den
Zwischenstopp auf dem Weg zu den G 20 auch deshalb, weil Österreich
Mitglied der EU ist. China beobachtet die Krise des Euro sehr genau
und will Unternehmen in Europa kaufen.
Mächtiges China Der internationale Handel mit den USA und Europa auf
Augenhöhe ist für China eine relativ neue Erfahrung. Viele
Jahrhunderte lang, bis zur industriellen Revolution, war China das
reichste Land der Erde, und zwar ohne jeglichen internationalen
Handel. Ein System von Wasserstraßen und Kanälen ermöglichte den
Austausch von Waren im Reich der Mitte. Die nautische Technologie
war den Chinesen vor den Europäern vertraut, aber sie verwendeten sie
kaum. Ihr Reich war auch ohne Kolonien groß genug, die Chinesen
genügten sich selbst, diplomatische Kontakte zum Kaiserthron waren so
gut wie unmöglich.
Dafür ist das Trauma des Opiumkrieges im 19. Jahrhundert noch
vorhanden. Die Chinesen konnten nicht verhindern, dass Engländer
Opium in ihr Land brachten. China war eine imperiale Macht, aber ohne
imperialistische Gelüste. Die Chinesen haben nie missioniert, aber
sie waren und sind sehr überzeugt von ihrer Kultur.
Unsicheres Europa Dieser historische Hintergrund ist entscheidend für
alle wirtschaftlichen und diplomatischen Gespräche zwischen
europäischen und chinesischen Politikern in diesen Tagen. Die Führung
in Peking weiß zwar von den eigenen wirtschaftlichen Problemen, von
der Inflation bis zu einer drohenden Bankenkrise. Das Investmenthaus
Barclays sieht laut Wall Street Journal Anzeichen dafür, dass viele
Immobilien zu hoch bei den Banken verschuldet sind.
Aber Europa braucht China mehr als umgekehrt. Der Vorsitzende der
Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, versucht, diesem Eindruck zu
widersprechen, aber der Chef des Rettungsschirms warb gerade in
Peking darum, dass die Chinesen europäische Anleihen kaufen.
"Wir sitzen in einem Boot", meinte Handelsminister Chen in Wien,
wir werden Europa unterstützen. Hu hatte zuvor gesagt, er vertraue
der Kompetenz Europas. Der Staatspräsident ist ein vorsichtiger
Diplomat.
Rückfragehinweis:
KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
mailto:[email protected]
www.kurier.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKU






