- 30.10.2011, 18:03:12
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DER STANDARD - Kommentar: "Soziales Gefüge umkrempeln" von Andrea Heigl
Studiengebühren // Ausgabe vom 31.10.2011
Wien (OTS) - Bei den Studiengebühren, sagte Alexander Van der
Bellen im Standard-Interview, habe er mit den Grünen, deren Chef er
bis 2008 war, "immer ein bissl einen Clinch" gehabt. Eine ziemliche
Untertreibung: Als "Einzelmeinung" qualifizierte die Partei ab, dass
er sich diese unter gewissen Bedingungen vorstellen kann. Die grünen
Studentenvertreter legten ihm gar nahe, zur ÖVP zu wechseln.
Diese Justament-Haltung teilen die Grünen mit vielen in der SPÖ. Sie
haben sich damit nicht nur in eine fatale Patt-Situation manövriert -
sie ignorieren auch die Lebensrealität der Studierenden. Dass der
freie Hochschulzugang für eine kunterbunte soziale Durchmischung
sorgt, ist eine nette Idee, die schlicht und einfach nicht
funktioniert. Die Kinder aus finanzschwachen Familien, die es durch
den Flaschenhals des Bildungssystems geschafft haben, sind an den
Unis die Ausnahme. Sie dürfen dort mit gutsituierten Studenten auf
dem Boden sitzen und sich um Seminarplätze prügeln - wenigstens da
herrscht Gleichberechtigung.
Deutlich mehr Geld vom Bund für die Unis, dann Studiengebühren
einführen und die Stipendien aufstocken - ein durch und durch
vernünftiger Vorschlag des grünen Professors, gerade jetzt. Wenn das
aktuelle Gesetz ausläuft und die Unis nach eigenem Gutdünken Gebühren
einheben können, dann ist die Chance vertan, gleichzeitig das soziale
Gefüge umzukrempeln. Ausgerechnet SPÖ und Grüne können das eigentlich
nicht wollen.
Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445
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