Pressekonferenz: Ärzte fordern: Versorgung von Schmerzpatienten muss besser werden! - BILD
Präsentation der Ergebnisse der Ärzte-Schmerz-Petition 2011
BILD zu OTS - Im Bild v.l.n.r. Prim. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Ilias (Präsident past, Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG)), Mag. Hanns Kratzer (Geschäftsführer Peri Consulting, Moderation), Prim. Univ.-Doz. Dr. Sibylle Kozek-Langenecker (Präsidentin Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI)), Sabine Waste (Gründerin help 4 you company, Hilfestellung für Mitmenschen mit neuropathischen Schmerzen) und Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke (Präsident Österreichische Palliativ-Gesellschaft (OPG))
Wien (OTS) - In Österreich leiden rund 1,7 Millionen Menschen an
chronischen Schmerzen. Trotzdem wird der Zugang zu innovativen
medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapieformen erschwert.
1.391 Ärzte fordern mit ihrer Unterschrift ein breiteres
Therapieangebot und dass zur Behandlung von starken Schmerzen
zugelassene Präparate auch in die Erstattung der österreichischen
Sozialversicherung aufgenommen werden. Dadurch sollen Schmerzen
gelindert und Belastungen für die Volkswirtschaft durch Krankenstand,
Invalidität und Berufsunfähigkeit minimiert werden.
Initiiert wurde die Ärzte-Schmerz-Petition 2011 von der
Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), der Österreichischen
Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin
(ÖGARI), der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) sowie der
Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie
(ÖGPP). Der Anlass hierzu war und ist die Tatsache, dass der Zugang
zu innovativen medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapieformen
in Österreich erschwert ist. Allein in den letzten Jahren wurden
beispielsweise sieben neue Medikamente - zugelassen zur Behandlung
von starken Schmerzen - nicht in den Erstattungskodex (EKO)
aufgenommen.
"Diese Medikamente sind aber in anderen, mit Österreich
vergleichbaren EU-Ländern, zur Behandlung chronischer Schmerzen auf
Kassenkosten verschreibbar. Das muss zum Wohl der Patienten geändert
werden", erklärt Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke, Präsident der
Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) die Beweggründe der
Unterschriftenaktion und ergänzt: "Erfolgreiche Schmerztherapie
impliziert eine 'multimodale' Vorgehensweise. Um Patienten auch in
Zukunft State-of-the-Art behandeln zu können, ist eine Änderung der
Rahmenbedingungen erforderlich, wofür wir uns mit unseren
Unterschriften einsetzen."
Knapp 1400 Unterschriften in nur vier Wochen
"Gerade die Schmerztherapie ist eine höchst individualisierte
Medizin. Bestimmte Substanzen oder neue Therapeutika können gar nicht
durch Althergebrachtes ersetzt werden. Die sogenannten
"high-end"-Präparate fehlen in Österreich im klinischen
Behandlungsrepertoire. Therapieempfehlungen medizinischer
Fachgesellschaften müssen von der Sozialversicherung berücksichtigt
werden. Österreich darf hier nicht hinter alle EU-Standards
zurückfallen. Das bestätigt auch das Ergebnis der
Ärzte-Schmerz-Petition", verdeutlicht Prim. Univ.-Doz. Dr. Sibylle
Kozek-Langenecker, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für
Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) und führt
weiter aus: "In einem Zeitraum von nur vier Wochen bestätigten
insgesamt 1.391 Ärztinnen und Ärzte, dass zusätzliche innovative
Schmerztherapeutika zur Behandlung von chronischen Schmerzen
notwendig sind und dass Therapieempfehlungen medizinischer
Fachgesellschaften von der Sozialversicherung berücksichtigt werden
müssen.
Umdenken im Gesundheitssystem notwendig
Dieses Resultat stellt für die Präsidenten der Fachgesellschaften
einen klaren Auftrag dar, Gespräche mit dem Hauptverband der
Sozialversicherungsträger und der Politik zu führen. Am 5. Oktober
2011 wurde die Schmerz-Petition an den Hauptverbandsvorsitzenden Dr.
Hans Jörg Schelling übergeben. Es wurde vereinbart, eine gemeinsame
Task-Force ins Leben zu rufen. "In den nächsten Monaten wollen wir
die Dringlichkeit der Situation klar machen", so Doz.
Kozek-Langenecker.
Volkswirtschaftliche Folgen von chronischen Schmerzerkrankungen
unterbewertet
Schmerzen wirken sich nicht nur auf das individuelle Leid der
Patienten und deren Lebensqualität aus. Wenn junge Patienten im
arbeitsfähigen Alter betroffen sind, leidet auch die Volkswirtschaft
darunter. Rund 15 Arbeitstage gehen pro Jahr durch Schmerzen
verloren. Eine Umfrage zeigt, dass rund 20 Prozent der Befragten über
Jobverlust aufgrund von Schmerzen klagen, gleichzeitig wird bei 21
Prozent eine Depression diagnostiziert . "Immer mehr Österreicher
sind von Schmerzen betroffen. Besonders 40 bis 50-Jährige schlittern
oft krankheitsbedingt in die Berufsunfähigkeits- oder Frühpension.
Fehlzeiten aufgrund von häufigen Arztbesuchen, lange Krankenstände,
Berufsunfähigkeit und Frühpension belasten die Volkswirtschaft",
bestätigt Prim. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Ilias, Österreichische
Ärztekammer und past Präsident der Österreichischen
Schmerzgesellschaft (ÖSG) und führt weiter aus: "Chronische
gesundheitliche Beeinträchtigungen haben insgesamt einen Effekt auf
die Kaufkraft und können das Wirtschaftswachstum dämpfen. Daraus
folgt, dass mit zunehmender gesundheitlicher Beeinträchtigung die
Erwerbstätigkeit leidet, Berufsunfähigkeit- und oder Frühpensionen
die Folge sind und schlussendlich die Höhe des Erwerbseinkommens
zurückgeht. Aktuelle Umfragen zeigen, dass rund 33 Prozent aufgrund
von chronischen Schmerzen berufsunfähig und 21 Prozent aufgrund von
chronischen Schmerzen in Frühpension sind. Natürlich spielt auch die
demografische Entwicklung - die steigende Lebenserwartung - eine
große Rolle. Beeinträchtigte Erwerbssituation, frühe
Berufsunfähigkeit, Frühpensionierungen und langfristige Behandlungen,
all das wirkt sich nicht nur auf das Leben der Betroffenen aus. Das
bedeutet auch steigende Kosten für das Gesundheitssystem und zwar für
alle Beteiligten: Sozialversicherung, Bund, Länder und Gemeinden. Bei
der Schmerztherapie geht es nicht nur um die Medikamentenkosten, die
die Sozialversicherung übernehmen muss, es sind vor allem die hohen
indirekten Kosten, die auch Bund und Länder betreffen."
Mehr Lebensqualität für Schmerzpatienten
Sabine Waste, Gründerin der help 4 you company und selbst
chronische Schmerzpatientin, unterstützt die Initiative der
Ärzteschaft und führt dazu aus: "Die Situation ist alarmierend: laut
Befragung sagen 10 Prozent der PatientInnen, die Schmerzen seien
manchmal so stark, dass sie lieber sterben möchten. Es dauert in
Österreich über zwei Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird!
Schmerzen sind sehr individuell und jeder erlebt Schmerz anders, da
spreche ich aus langjähriger Erfahrung. Man muss mit Schmerzen nicht
leben, sondern für jeden Patienten kann ein passendes
Behandlungskonzept gefunden werden. Gezieltere, individuell auf den
Patienten abgestimmte Therapie trägt zu einer erhöhten Compliance
bei. Ich unterstütze daher die Initiativen der Ärzte, damit die
Versorgung für alle Schmerzpatienten in Österreich besser wird."
Über die Schmerz-Petition 2011
Im Fokus der Petition lagen folgende Aussagen und Forderungen an das
österreichische Gesundheitssystem:
- "Als Ärztin/Arzt kann ich aufgrund meiner Erfahrung im täglichen
Umgang mit SchmerzpatientInnen bestätigen, dass zusätzliche
innovative Schmerztherapeutika notwendig sind."
- "Klinische Therapieempfehlungen von Fachgesellschaften in
Österreich sollen auch von der Sozialversicherung adäquat
respektiert und umgesetzt werden."
Die Petition richtete sich an alle Ärzte, die chronische
Schmerzpatienten tagtäglich behandeln und denen eine Verbesserung der
therapeutischen Situation im klinischen Alltag ein besonderes
Anliegen ist: Schmerzexperten aller Fachrichtungen in den Spitälern
und Spezialambulanzen, Fachärzte im niedergelassenen Bereich sowie
auch an Allgemeinmediziner, die Schmerz-Patienten langjährig und
regelmäßig behandeln.
Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2417/
Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.
Die laufenden Aktivitäten zur Erhöhung des Bewusstseins für eine
adäquate schmerztherapeutische Versorgung in Österreich werden von
mehreren Unternehmen der pharmazeutischen Industrie unterstützt.
Diese Aussendung wurde mit Unterstützung von Grünenthal und
Mundipharma durchgeführt.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
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