Islam: Evangelische Generalsynode verabschiedete Orientierungshilfe
"Begegnungen und Dialog zwischen evangelischen Christen und Muslimen intensivieren"
Leibnitz (OTS/epdÖ) - Eine umfangreiche Orientierungshilfe zum
Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Österreich hat die
Generalsynode der Evangelischen Kirche A.u.H.B. am Mittwoch, 26.
Oktober, bei ihrer Tagung in Leibnitz verabschiedet. "Wir verstehen
die Orientierungshilfe als unseren Beitrag zum Zusammenleben mit dem
Islam in Österreich", sagte Bischof Michael Bünker vor den
Delegierten, die das vom Theologischen Ausschuss erarbeitete Papier
nach angeregter Diskussion mit nur einer Gegenstimme angenommen
haben. Bünker sieht die Orientierungshilfe als "sehr wichtiges Signal
und als einen Beitrag zum Frieden in qualitätsvoller Weise, eben
nicht auf dem Boden von Vorurteilen und Ressentiments". Probleme
würden nicht verschwiegen, dennoch werde der Gesprächspartner "nicht
auf Probleme festgelegt", so der Bischof.
Das Thema "brennt uns unter den Nägeln", erklärte der steirische
Superintendent Hermann Miklas, der zugleich Vorsitzender des
Theologischen Ausschusses ist. Die Erfahrung zeige, dass es
kirchliche Standards im Umgang mit Musliminnen und Muslimen brauche,
die nicht unterschritten werden dürften. Insofern sei es notwendig
gewesen, ein Dokument aus einer österreichischen und evangelischen
Perspektive zu erstellen. Dem Abschluss des Papiers sei ein langer
Prozess vorausgegangen, an dem in erster Linie die Wiener Theologin
Susanne Heine und der oberösterreichische Superintendent Gerold
Lehner beteiligt waren. Um dem muslimischen Selbstverständnis so gut
wie möglich gerecht zu werden, wurden aber auch Rückmeldungen von
muslimischen Wissenschaftern und Wissenschafterinnen eingeholt.
Ziel der Orientierungshilfe sei es, zum sozialen Frieden in
Österreich beizutragen, betonte Susanne Heine. "Christentum und Islam
sind und bleiben verschiedene Religionen." Aus der eigenen Identität
als evangelische Christinnen und Christen sei es aber möglich,
Menschen anderer Religionen mit Respekt zu begegnen und ihre
Traditionen zu achten, wie es auch am Anfang der Präambel heißt.
Gerade die Vielgestaltigkeit unter den Musliminnen und Muslimen soll
aufgezeigt werden. Gedacht sei das Papier für Multiplikatoren wie
etwa ReligionslehrerInnen oder Islambeauftragte.
Die Orientierungshilfe versucht in sieben Kapiteln Musliminnen und
Muslime gemäß dem Selbstverständnis ihrer eigenen Religion und ihren
eigenen Traditionen wahrzunehmen und zugleich der Selbstwahrnehmung
von evangelischen Christinnen und Christen zu dienen, komplexe
Sachverhalte nicht zu vereinfachen und wechselseitige klischeehafte
Zuschreibungen nicht weiterzuführen, Berührungspunkte und
Ähnlichkeiten zwischen den beiden Religionen und religiösen
Traditionen ebenso wie Unterschiede aufzuzeigen und schließlich
konkrete Begegnungen vor Ort zu unterstützen. Ziel sei es, die
Begegnung zwischen ChristInnen und MuslimInnen zu intensivieren und
den Dialog zwischen Menschen beider Religionen voranzutreiben.
Besonders das dritte Kapitel nimmt die spezielle Lage der Musliminnen
und Muslime in Österreich zur Kenntnis, die organisiert als
Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) vor dem Gesetz
christlichen Kirchen gleichgestellt sind. Dieses Papier dokumentiere
den Demokratisierungsprozess der IGGiÖ, gäbe einen Überblick über die
unterschiedlichen muslimischen Strömungen und Traditionen in
Österreich - von Türken über Aleviten bis zu den Salafisten, es gehe
aber auch auf verschiedene Formen des Extremismus ein, erläuterte
Heine.
Mit dem Papier wünschen sich die evangelischen Kirchen, "dass das
Gespräch auf verschiedenen Ebenen geführt und auch von muslimischer
Seite initiativ angestoßen und unterstützt wird". Viele Synodale
zeigten sich im Schloss Seggau - dem Tagungsort der Synode - bewegt,
dass das Papier gerade am österreichischen Nationalfeiertag
angenommen wurde.














