Coface: Bewertung von Länderrisiken - Verschlechterung in Europa und den USA - ANHANG
ANHANG zu OTS - Begleitunterlage Länderbewertung
Wien (OTS) - Coface ortet eine Verschlechterung der
durchschnittlichen Unternehmensstärke in Europa und den USA und setzt
acht Industrieländer auf die negative Watchlist bzw. entfernt sie von
der positiven Watchlist. Die Länderrisikobewertung für Griechenland
und Zypern wird um je eine Stufe herabgesetzt.
Die Wirtschaftslage der Industrieländer hat sich seit dem Sommer
2011 verschlechtert. Zusätzlich zur negativen Auswirkung des
Schuldenabbaus der Wirtschaftsakteure in Europa und den USA, der sich
schon zuvor konjunkturdämpfend auswirkte, beginnt sich nun auch die
Vertrauenskrise, die in der Volatilität der Finanzmärkte Ausdruck
findet, auf die Realwirtschaft auszubreiten. Aufgrund der durch die
Krise der Eurozone erzeugten Auf- und Abwärtsbewegungen und des
aktuellen Stillstands in der US-Wirtschaftspolitik kann ein
vorhersehbares Szenario derzeit nicht erwartet werden. Diese
Unsicherheiten könnten dazu führen, dass Konsumenten und Anleger ihre
Investitionen aussetzen.
Ein weiterer Grund zur Sorge: Das Misstrauen, das den Banken
aufgrund ihres Länderrisiko-Exposures entgegengebracht wird, könnte
europäischen Unternehmen den Zugang zu Kreditmitteln erschweren. Im
ersten Halbjahr 2011 gingen die Kredite in den Peripheriestaaten der
EU - Griechenland, Spanien, Portugal und Irland - zurück. Es besteht
das große Risiko, dass Kreditaufnahmen auch im Zentrum der EU
seltener und teurer werden könnten. In diesem Zusammenhang ist
festzuhalten, dass die von Coface verzeichneten überfälligen
Zahlungen wieder zunehmen, insbesondere in der Peripherie der
Eurozone. 2011 erwartet Coface in der Währungsunion ein schwächeres
Wachstum von 1,6%.
Der Eurozone stehen Misstrauen und Schuldenabbau bevor
Die Verschlechterung der Wirtschafts- und Finanzaussichten
veranlasst Coface dazu, die Risikobewertung für Griechenland um eine
Stufe auf C und für Zypern auf B herabzusetzen. Beide Länder waren
bereits im Juni 2011 abgestuft worden. Die Rezession, die schlimmer
ausfiel als erwartet (-4% im Jahr 2011), hat die griechischen
Staatsschulden weiter steigen lassen. Obwohl mehrheitlich erwartet,
wird ein größerer Zahlungsausfall der griechischen Regierung
Auswirkungen auf Anleger und Banken haben, nachdem die Bedingungen
für die Vergabe von Unternehmenskrediten erschwert worden sind. Im
ersten Halbjahr 2011 war die Vergabe von Unternehmenskrediten im
Jahresvergleich bereits um 7% gesunken. Coface beobachtet seit Anfang
2011 einen Zuwachs an Zahlungsausfällen bei griechischen Unternehmen.
Zudem wurden fünf weitere Länder der Eurozone - Deutschland,
Österreich, Belgien, Frankreich und Niederlande (jeweils A2) - von
der positiven Watchlist entfernt. Eine Verlangsamung der Konjunktur
im zweiten Quartal 2011, die Abschwächung des Außenhandels und
insbesondere das Risiko eines zunehmenden Misstrauens auf Seiten der
Konsumenten und Unternehmen deuten auf ein sehr bescheidenes Wachstum
für den Rest des Jahres hin.
Italien (A3) und Portugal (A4) wurden auf die negative Watchlist
gesetzt. Die Verschärfung von Budget-Sparmaßnahmen wird
voraussichtlich 2011 und auch darüber hinaus eine Quasi-Stagnation
für die italienische Wirtschaft mit sich bringen und in Portugal zur
Rezession führen. Die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen wird von den
negativen Trends im makroökonomischen und Finanzumfeld dieser beiden
Länder beeinflusst, was sich in einer Verschlechterung der
Coface-Zahlungsstatistik für italienische und portugiesische
Unternehmen im ersten Halbjahr 2011 niederschlägt.
Wachstum in den Vereinigten Staaten durch politische Spannungen
gehemmt
Die Entfernung des A2-Ratings der USA von der positiven Watchlist
ist darauf zurückzuführen, dass die Wachstumsprognose für 2011 nach
unten korrigiert wurde, und zwar auf 1,7% gegenüber 2,2% im Juli. Die
von wirtschaftlichen Entscheidungsträgern und Privathaushalten an den
Tag gelegte Zuversicht hat vor dem Hintergrund der politischen
Uneinigkeit über die weitere Umsetzung von Plänen zur Ankurbelung der
Wirtschaft nachgelassen. Es ist zu erwarten, dass alle
konjunkturtreibenden Kräfte in der zweiten Jahreshälfte 2011 und im
Jahr 2012 nachlassen werden. Diese Konjunkturträgheit wird
wahrscheinlich zu einem Anstieg bei den Konkursen - insbesondere von
KMU - führen, die durch ihr hohes Exposure gegenüber regionalen
Banken geschwächt sind und unter den schlechteren Möglichkeiten zur
Kreditaufnahme leiden.
Positive Signale in Island und in Thailand
Vergleichsweise gute Nachrichten kommen aktuell aus Island, dessen
A4-Risikobewertung auf die positive Watchlist gesetzt wurde. Nachdem
Island im März 2009 herabgestuft worden war, hat sich das Wachstum,
getragen durch den Konsum der privaten Haushalte und durch
Unternehmensinvestitionen, wieder belebt (2,5% im Jahr 2011). Darüber
hinaus hat sich die Auslandsverschuldung des Landes, obwohl sie nach
wie vor hoch ist, deutlich verbessert (von 564% des BIP des Jahres
2008 auf 250% des aktuellen BIP). Der Bankensektor wurde hier
ebenfalls bereinigt.
Coface hat Thailands A3-Rating von der negativen Watchlist
entfernt. Thailand profitiert derzeit von der Stabilisierung der
politischen Situation nach den Wahlen und lässt eine gewisse
Widerstandskraft seiner Wirtschaft gegenüber den weltweiten
wirtschaftlichen und finanziellen Turbulenzen erkennen.
Abschwung im Unternehmenssektor erwartet
Generell wird sich die Geschäftstätigkeit der Unternehmen
abschwächen, selbst wenn nach wie vor auf die Nachfrage aus
Schwellenländern, die 2011 um 5,8% zunehmen wird, gezählt werden
kann. Trotz des Netto-Rückgangs gegenüber 2010 wird der weltweite
Handel nach wie vor positive Wachstumsraten verzeichnen.
"Die negativen Veränderungen der Länderrisikobewertungen
bestätigen, dass die Phase des weltweit verbesserten
Zahlungsverhaltens von Unternehmen, das seit der zweiten Hälfte des
Jahres 2009 zu beobachten war, hinter uns liegt. Derzeit wendet sich
die Zuversicht der realwirtschaftlichen Akteure ins Gegenteil,
wodurch die Konjunktur belastet wird. Diese Krise des Misstrauens
wird unter anderem durch den mangelnden Konsens der politischen
Akteure hinsichtlich der zur Überwindung der Staatsschuldenkrise bzw.
des schwachen amerikanischen Wachstums zu ergreifenden Maßnahmen
vorangetrieben. Die größte Herausforderung für das europäische
Aufbauwerk ist die Einrichtung von Maßnahmen, die das Überschwappen
der griechischen Schuldenkrise auf andere Wirtschaftsräume des
Euro-Währungsgebiets bekämpfen. Dies wird entscheidend sein, um
sicherzustellen, dass die Konjunkturabschwächung nicht zur Rezession
wird", so Yves Zlotowski, Chefökonom bei Coface.
Über die Methodik:
Die Coface Länderbewertungen zeigen das Ausfallsrisiko, also die
Fähigkeit der Unternehmen eines Landes, Zahlungen rechtzeitig zu
leisten. Sie werden auf Basis des wirtschaftlichen, finanziellen und
politischen Umfelds sowie des Zahlungsverhaltens der Unternehmen
vergeben. Die Ländereinstufung von Coface erfolgt in sieben
Kategorien. A1 bis A4 entsprechen Investmentgrades und symbolisieren
geringes Risiko und stabiles Zahlungsverhalten. B, C und D stehen für
mittleres bis hohes Risiko unterhalb der Investmentgrades.
Coface Austria & Coface Central Europe
Coface Austria, mit Zentrale in Wien und Niederlassungen in Polen,
Ungarn, Litauen, Lettland, Slowakei, Tschechien, Rumänien und
Bulgarien ist seit Gründung 1954 der Partner am heimischen Markt für
Kreditversicherungen. Seit 1997 ist Coface Austria Tochter der
französischen Coface und damit Teil eines der drei Global Player am
Kreditversicherungsmarkt. Die Schwestergesellschaft Coface Central
Europe ist seit 20 Jahren Marktführer für Wirtschaftsinformationen in
12 zentraleuropäischen Ländern. Ergänzend bietet man in der gesamten
Region Inkassoservices an. Coface Central Europe ist ein
Gemeinschaftsunternehmen der Coface (75 Prozent) und des KSV1870 (25
Prozent). Seit 2002 ist Wien innerhalb des Coface Konzerns
Headquarter für Zentral- und Osteuropa, die gesamte Region zählt
bereits über 700 Mitarbeiter/innen.
Coface
Die Coface-Gruppe, einer der weltweit führenden Kreditversicherer,
bietet Unternehmen globale Lösungen für ihr Forderungsmanagement.
2010 erwirtschaftete die Gruppe einen konsolidierten Umsatz von 1,6
Mrd. Euro. 6.400 Mitarbeiter/innen in 66 Ländern bieten weltweit
lokalen Service. Jedes Quartal veröffentlicht Coface ihre
Einschätzung des Risikos von 156 Ländern. Diese Bewertung basiert auf
den einzigartigen Kenntnissen über das Zahlungsverhalten von
Unternehmen und der Expertise der 250 Kreditprüfer. Coface ist die
Tochter der französischen Bank Natixis (Stammkapital 16,8 Mrd. Euro,
Ende Dezember 2010).
Susanne Krönes
Head of Marketing and Communications
Tel.: 01/515 54 - 512
susanne.kroenes@coface.at















