Hoffnung aus dem Harn: Urin als Quelle für induzierte pluripotente Stammzellen (iPS)

Chinesisches Forscherteam um LBI für Traumatologie schafft Entwicklung von iPS Zellen aus menschlichem Harn - an einer Verwendung für körpereigene Transplantation wird gearbeitet

Wien (OTS) - Embryonale Stammzellen dürfen nach dem jüngsten Verbot des Europäischen Gerichtshofes nicht mehr patentiert werden; eine Konsequenz daraus ist die Verminderung potentieller kommerzieller Nutzbarkeit. Vor kurzem gelang es einem österreichisch-chinesischen Forscherteam, in dem das Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische Traumatologie im Forschungszentrum der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, die BOKU Wien, die Firma Evercyte GmbH, sowie ein Institut der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Guangzhou, China, zusammenarbeiten, eine ungewöhnliche Quelle für die Herstellung von induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS Zellen zu erschließen und auch zum Patent anzumelden: humanen Harn. Damit ist es erstmals möglich, ohne jeglichen körperlichen Eingriff von jedem Menschen, unabhängig vom Alter, Geschlecht oder Gesundheitszustand, iPS Zellen herzustellen.

Herstellung von iPS Zellen ist ethisch unbedenklich.

Nach dem Patentverbot auf embryonale Stammzellen werden iPS Zellen, von immer größerer Bedeutung. Diese Zellen verhalten sich sehr ähnlich wie embryonale Stammzellen, werden aber gewöhnlich aus Hautzellen von Erwachsenen gewonnen und sind daher ethisch deutlich weniger problematisch. Derzeit finden diese Zellen Anwendung als Modellsysteme für präklinische Entwicklungen von Medikamenten, an den Problemen einer potentiellen klinische Anwendung wird vielerorts intensiv gearbeitet.

Könnten iPS Zellen schon bald für körpereigene Transplantationen eingesetzt werden?

Das kurzfristige Ziel der Herstellung von iPS Zellen ist die Verwendung in Modell- und in vitro Testsystemen für verschiedene Krankheitsbilder. Als langfristiges Ziel sehen die Wissenschaftler des Forschungsteams die autologe Transplantation für klinische Anwendungen, was soviel bedeutet wie Spender und Empfänger von Transplantaten sind dieselbe Person. Der Vorteil dieser Methode wäre, dass es zu keinerlei Abstoßungsreaktionen mehr kommen würde. Regina Grillari, Senior Vice President - Cell Line Development von Evercyte GmbH, teilt die Ansicht von Heinz Redl, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für experimentelle und klinische Traumatologie, dazu: "Es ist verblüffend, dass Zellen, die man mit dem Urin ausgeschieden hat, sich in iPS Zellen verwandeln lassen, man diese wiederum in Leber-und Nervengewebe umwandeln kann, ebenso wie in spontan in vitro schlagendes Herzmuskelgewebe". Allerdings gibt es vor einer therapeutischen Anwendung noch viele Probleme zu lösen.

Mehr darüber auch am Weltkongress für Tissue Engineering und Regenerative Medizin, 5. bis 8. September 2012, in Wien -www.termis.org/wc2012.

Rückfragen & Kontakt:

Prof. Dr. Heinz Redl
Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische Traumatologie
Tel: +43 1 33110 464
office@trauma.lbg.ac.at

Assoc. Prof.Dr. Regina Grillari
Institut für Angewandte Mikrobiologie
Tel: +43 1 47654 6806
regina.grillari@boku.ac.at

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