- 19.10.2011, 11:25:13
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Drastische Arbeitsverdichtung: Betriebsräte fordern Mitsprache beim Personalstand
Linz (OTS) - Die Zunahme des Leistungsdrucks ist das häufigste
Thema und größte Problem der Betriebsratsarbeit. Sie ist unter
anderem Folge von Unternehmensstrategien, in deren Mittelpunkt die
maximale Rendite für die Eigentümer und Anteilseigner steht. Das geht
aus der jüngsten Betriebsrätebefragung des Instituts für Sozial- und
Wirtschaftswissenschaften (ISW) der AK Oberösterreich hervor.
"Die Anforderungen an die Belegschaften werden nicht nur immer
wieder erhöht, sondern auch von oberster Stelle bis zu den einzelnen
Mitarbeitern weitergegeben. Lange Arbeitszeiten, Überforderung bis
hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Arbeitnehmer sind die
Folge. Betriebliche Mitbestimmung kann die Auswirkungen jedoch
abfedern", fasst AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer die wichtigsten
Ergebnisse der Studie zusammen.
Die ISW-Betriebsrätebefragung wurde heuer zum vierten Mal
durchgeführt. Dieses Jahr lag der Schwerpunkt auf dem Thema
"kapitalmarktorientierte Unternehmensführung und Arbeitsbedingungen".
655 Betriebsratsvorsitzende aus 585 Betrieben nahmen daran teil.
Weniger Betriebsräte/-innen als im Vorjahr mussten sich mit
krisenbedingten Themen wie Personalabbau oder Beschäftigungssicherung
auseinandersetzen. Weiterhin Spitzenreiter unter den Themen der
Betriebsratsarbeit ist die Erhöhung des Leistungsdrucks. 60 Prozent
der Betriebsratsvorsitzenden hat das Thema in den letzten zwölf
Monaten besonders beschäftigt.
In 60 Prozent der Betriebe gibt es bereits Zielvereinbarungen bzw.
Leistungsvorgaben für die einzelnen Mitarbeiter/-innen. In der Hälfte
der Betriebe ist das Nichterreichen der Vereinbarungen mit
Einkommensverlusten verbunden. Eine weitere Konsequenz ist der
steigende Druck durch Kollegen/-innen (47 Prozent) und der Verlust
von Aufstiegsmöglichkeiten (20 Prozent).
Die Arbeitsverdichtung hat in vielen Bereichen ein nie gekanntes
Maß erreicht und begonnen, die Gesundheit der Beschäftigten zu
gefährden. Fast die Hälfte der Betriebsräte/-innen geben an, dass in
ihrem Betrieb die geforderten Aufgaben in der verfügbaren Zeit oft
nicht bewältigt werden können. Etwa 40 Prozent geben an, dass es
häufig zu sehr langen Arbeitszeiten kommt. Wenig verwunderlich ist
deshalb, dass auch knapp 45 Prozent der Betriebsräte/-innen von
Überforderungen bei den Beschäftigten berichten und ein Viertel der
Befragten angibt, dass im Betrieb die Langzeitkrankenstände zunehmen.
Die meisten dieser Missstände sind eng mit der Personalbemessung
des Betriebs verbunden. Zu dünne Personaldecken verschärfen den Zeit-
und Leistungsdruck der Beschäftigten. Aus diesem Grund befürworten 90
Prozent der Betriebsräte/-innen ein Mitspracherecht des Betriebsrats
bei der Personalbemessung, das es derzeit nicht gibt.
Die Arbeiterkammer fordert daher
- die Reduktion des Leistungsdrucks durch zusätzliche
Personalaufnahme und realistischere Vorgaben,
- ein Mitspracherecht des Betriebsrats bei Bemessung des
Personalstandes
- sowie ein Mitspracherecht von Beschäftigten und Betriebsrat bei der
Festlegung von Zielvereinbarungen und Leistungsvorgaben.
"Arbeit darf nicht krank machen. Das unternehmerische Risiko darf
nicht auf Arbeitnehmer abgewälzt werden. Der maximalen Rendite um
jeden Preis muss entgegentreten werden, durch die Koppelung von
Boni-Zahlungen auch an Nachhaltigkeit und soziale Kriterien und durch
die Abfederung und Regulierung des Drucks auf Belegschaften durch die
Führungskräfte", sagt Präsident Kalliauer.
Rückfragehinweis:
Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Dr. Walter Sturm
Tel.: (0732) 6906-2192
mailto:[email protected]
http://www.arbeiterkammer.com
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