bfi Wien: Chancen für Frauen in nicht-traditionellen Berufen - BILD
BM Gabriele Heinisch-Hosek besuchte das BAZ Berufsausbildungszentrum des bfi Wien
BILD zu OTS - www.apa-fotoservice.at/galerie/2359/ Im Bild v.l.n.r.: Dr.Valerie Höllinger (kaufm. Geschäftsführerin des bfi Wien), Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Mag. Franz-Josef Lackinger (Geschäftsführer des bfi Wien)
Wien (OTS) - Zahlen von 2010 belegen, dass immer noch 48 % der
weiblichen Lehrlinge einen der sogenannten weiblichen Lehrberufe, das
sind Friseurin (10 %), Bürokauffrau (12,4 %) und
Einzelhandelskauffrau (25 %), wählen. Da scheint es noch viel Bedarf
an Aufklärungs- und Bewusstseinsarbeit zu geben - bei den Eltern, im
Kindergarten, in der Schule, in den Unternehmen, in Jugendclubs, bei
den Mädchen genauso wie bei den Burschen etc.
Die Berufswahl ist auch mitverantwortlich für die späteren
Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Das
Einstiegsgehalt z.B. einer KFZ-Elektrikerin in der Höhe von Euro
1.660,-brutto gegenüber dem einer Friseurin (Euro 1.145,- brutto)
könnte auch ein Grund sein, in die Technik zu wechseln.
Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesministerin für Frauen und
öffentlichen Dienst, besuchte am 11.10.2011 die Werkstätten des
Berufsausbildungszentrums BAZ des bfi Wien. Hier holen Erwachsene
durch die Facharbeiter/innen-Intensivausbildung ihren Lehrabschluss
nach - finanziert aus Mitteln des AMS Wien und WAFF.
Im Gespräch mit den Teilnehmer/innen, Ausbilder/innen und der
Geschäftsführung, Franz-Josef Lackinger und Valerie Hollinger,
informierte sich die Ministerin eingehend über die Ausbildungen und
Berufswege - vor allem der Frauen, die sich in die Technik wagen.
"Nicht bescheiden sein, Bescheid wissen über das, was einem zusteht,
und Mut zu außergewöhnlichen bzw. nicht-traditionellen Berufswegen
haben", ermunterte Heinisch-Hosek die Frauen. Und diese Entscheidung
bzw. Umorientierung könne auch später fallen, wie die Berufswege
mancher Frauen im BAZ zeigen. Sie betonte aber auch, dass sie ebenso
die Männer anspricht, wenn es z.B. um Halbe-Halbe in der
Partnerschaft geht. Auf das gängige "Argument", Frauen würden sich
nicht für Technik interessieren, konterte Heinisch-Hosek: "Es geht um
Wissen und Information und natürlich auch Motivation. Und das beginnt
im Kindergarten. Es ist auch die Aufgabe der Politik, Informationen
und Möglichkeiten bereitzustellen und für Transparenz zu sorgen".
Die aktuellen Frauenanteile im Berufsausbildungszentrum des bfi Wien
Noch immer sind in den Metallberufen weniger Frauen: 2,7 %,
langsam steigend bei Elektro mit 8,6 % und EDV & IT mit fast 20 %
(insgesamt 11,4%). Derzeit gibt es keine Teilnehmerinnen bei
Bau/Holz, aber in der Jugendwerkstatt fast 35 % (hier können
Jugendliche unterschiedliche Berufe ausprobieren, um sich
anschließend für eine Berufsausbildung oder für die Berufstätigkeit
zu entscheiden). Alles zusammengerechnet liegt in diesem
Geschäftsbereich des bfi Wien der Frauenanteil bei 14 % (das sind 142
Teilnehmerinnen von derzeit 1010 TN).
Erfreulich ist, dass der Anteil der Trainerinnen bzw.
Ausbilderinnen in den technischen Bereichen bei 20 % liegt. Wiederum
traditionell gibt es mehr Frauen in der pädagogischen Betreuung (7
Frauen zu 4 Männern, bei der Reinigung/Haustechnik umgekehrt),
ausgewogen ist das Geschlechterverhältnis der Trainer/innen in der
Jugendwerkstatt und Verwaltung.
Zwei Erfolgsgeschichten
Anna H., 41, hat sich nach der Matura für den Beruf Goldschmiedin
entschieden. Nach der Gesellenprüfung arbeitete sie fast 20 Jahre für
unterschiedliche Künstler/innen und Goldschmiede/-schmiedinnen. Teils
selbstständig, teils angestellt musste sie immer wieder um Aufträge
kämpfen, um sich und ihre Kinder (9 und 11) erhalten zu können. Ein
Burnout zwang sie, über ihre berufliche Zukunft nachzudenken. Sie
suchte im Internet nach anderen beruflichen Möglichkeiten und
Ausbildungen und fand das BAZ. Im Beratungsgespräch beim AMS einigte
man sich auf die Facharbeiter/innen-Intensivausbildung
Elektroinstallationstechnik. Im Mai 2012 wird Anna die Lehre
abschließen, "aber damit ich nicht auf Dauer auf Baustellen arbeiten
muss, möchte ich berufsbegleitend weiterlernen, entweder Mechatronik
ergänzen oder die Fachhochschule besuchen".
Alexandra P., 34, hat nach der Hauptschule noch ein Jahr
Handelsschule angehängt, bevor sie die Lehre als Friseurin gemacht
hat. Sie leitete 10 Jahre einen Salon und bildete auch Lehrlinge aus
- bis es zum Burnout kam. In der Gesundungsphase entschied sie sich
für den Berufswechsel, suchte gezielt im Internet nach
Mechatronikausbildungen und kam zum BAZ. "Ich lerne gerne, möchte
mich weiterentwickeln - und in der Technik tut sich ständig was
Neues. Aber ohne die Unterstützung durch meinen Partner - auch in
Bezug auf unser 11-jähriges Kind wäre die Ausbildungszeit
schwieriger", erklärt Alexandra. Sie macht noch 2011 ein Praktikum
in einem Produktionsunternehmen für Elektroteile, im Januar die
Lehrabschlussprüfung an der Wirtschaftskammer und hofft, vom
Praktikumsbetrieb übernommen zu werden - wie es im BAZ nach dem
Abschluss der Facharbeiter/innen-Intensivausbildung bei 60% üblich
ist - Tendenz steigend.
Und was unternimmt das bfi Wien bzw. das BAZ, um mehr Frauen zur
Technik zu animieren?
Das BAZ arbeitet seit 2004 im FIT-Programm (Frauen In die Technik)
mit. Es wird jeden Monat ein zusätzlicher Informationstag
ausschließlich für Frauen abgehalten. Das BAZ nimmt zusätzlich jedes
Jahr am Frauentag sowie am Töchtertag teil (der nächste findet am
26.04.2012 statt). Und es besteht eine gute Vernetzung zu
Frauenorganisationen, wie z.B. auch zum abz.austria oder Sprungbrett.
Weitere Bilder unter: www.apa-fotoservice.at/galerie/2359/
bfi Wien
1034,
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Tel.: 01/81178/10385,
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