• 10.10.2011, 12:33:43
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SP-Peschek zu Fachkräftethema: Betriebe ignorieren Sorgen der Lehrlinge

Wien (OTS/SPW-K) - "Die Wirtschaftskammer beklagt, dass immer
weniger Jugendliche eine Lehrausbildung anstreben und die Lehre ein
schlechtes Image hat. Vielleicht liegt das daran, dass einige
Betriebe Ausbildung mit Ausbeutung verwechseln", merkt der SPÖ Wien
Lehrlingssprecher und SP-Gemeinderat Christoph Peschek zur heutigen
Aussendung der Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank an.
"Fachkräfte fallen nicht vom Himmel, sondern müssen ausgebildet
werden. Die Voraussetzung hierfür sind genügend Lehrstellenplätze.
Doch leider drücken sich speziell die Wiener Betriebe vor ihrer
gesellschaftlichen Verantwortung. Denn ein Langzeitvergleich zeigt
deutlich: Gab es 1980 in Wien noch 31.080 betriebliche Lehrstellen,
so waren es 2010 in der Wiener Privatwirtschaft nur mehr 13.693", so
Peschek.

Auch im internationalen Vergleich sieht der SP-Gemeinderat bei den
Wiener Betrieben noch Aufholbedarf. So bilden in Wien nur elf Prozent
der Betriebe Lehrlinge aus, während es in Bern 20 Prozent und in
Berlin 25 Prozent sind. Der angebliche Fachkräftemangel werde daher
auch von Seite der Wirtschaft mit verursacht. Das oftmals schlechte
Image der Lehre sieht Peschek auch in der katastrophalen
Ausbildungsqualität in einigen Betrieben begründet: "Viele können
ihren Wunschlehrberuf nicht erlernen und die arbeitsrechtlichen
Vorschriften werden wiederholt nicht eingehalten. Wenn beispielsweise
17,3 Prozent der Wiener Lehrlinge die Lehrabschlussprüfung nicht
schaffen und gleichzeitig aber 64,8 Prozent der Wiener
Handelslehrlingen keinen regelmäßigen Kontakt mit ihren Ausbildner
haben sowie 20 Prozent ihre Aufgaben aufgrund des Arbeitsdrucks kaum
bewältigen können, dann sehen wir die wahren Gründe der Misere."

Wiener Ausbildungsgarantie wesentliches Fundament

"Laut einer aktuellen Studie der Wiener Arbeiterkammer leisten 37
Prozent der Wiener Lehrlinge häufig Überstunden, 34,2 Prozent lernen
nicht ihren Wunschlehrberuf und ein Viertel hat Probleme wegen dem
Krankenstand. Da müssen alle Alarmglocken läuten", warnt der
SP-Gemeinderat. Die Wiener Stadtregierung leiste mit der
Ausbildungsgarantie ein wesentliches Fundament für
Zukunftsperspektiven der Wiener Jugend, während der Großteil der
Betriebe die Jugend links liegen lasse.

"Frau Jank hat in einem Punkt sicher recht: Unser Bildungssystem
ist nicht mehr zeitgemäß. Doch ist es gerade ihre Partei, die ÖVP,
die gemeinsam mit der FPÖ ein Bildungssystem aus dem vorvorigen
Jahrhundert protegiert und die Weiterentwicklung ständig blockiert.
Wir wollen schon längst das international erfolgreichste
Bildungssystem, nämlich die gemeinsame und ganztägige Schule", so der
SP-Lehrlingssprecher. Eine echte Vision sei für ihn, dass Lehrlinge
mit ihrer positiven Lehrabschlussprüfung automatisch auch studieren
dürfen. Doch davor müsse noch dringend die Ausbildungsqualität
verbessert werden. "Gesetzliches Qualitätsmanagement, verpflichtende
betriebliche Ausbildungspläne und Weiterbildung der Ausbildner,
externe Qualitätskontrollen und eine Ausweitung der Berufsschulzeit
sind dringend notwendig", fordert der SP-Gemeinderat.

Jedes Jahr gebe es andere Ausreden, die von der fehlenden
Ausbildungsverantwortung ablenken sollen. "Einmal sind die Lehrlinge
zu teuer, dann ist es wieder der angeblich so furchtbare Schutz der
Lehrlinge. In brutaler Weise haben FPÖ und ÖVP den Lehrlingsschutz
gelockert und per Gießkanne Geld an die Betriebe verteilt, doch die
versprochene Trendumkehr blieb aus. Nicht ablenken, sondern ausbilden
lautet das richtige Motto", wiederholt Peschek abschließend.

(Schluss)

Rückfragehinweis:
SPÖ-Klub Rathaus, Presse
Mag. Martin Schipany
Tel.: (01) 4000-81 923
mailto:[email protected]
www.rathausklub.spoe.at

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