- 09.10.2011, 11:27:44
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Blecha übermittelt "Gesund länger arbeiten"-Programm an Sozialpartner-Pensionsdialog in Bad Ischl
Kritik an "Nichteinladung" des Seniorenrates und an ÖVP-Kopf
Bad Ischl (OTS) - "Die alten Sozialpartner haben offenbar etwas
dagegen, dass die neuen Sozialpartner - die Bundesjungendvertretung
und der Seniorenrat - in Bad Ischl beim Pensionsgipfel dabei sind",
übt Pensionistenverbands- und Seniorenrats-Präsident Karl Blecha
Kritik an der "Nichteinladung". "Dabei haben sich die Jungen und wir
Ältere intensiv in der Debatte um eine altersgerechte Arbeitswelt und
Maßnahmen zur Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters
eingebracht", so Blecha.
Blecha grundsätzlich: "Man muss bei unserem zu niedrigen
Pensionsantrittsalter die Ursachen bekämpfen, das heißt in der
Arbeitswelt. Wenn man die Leute permanent unter Druck setzt, wenn
ältere Beschäftigte gemobbt werden und von Weiterbildungsmaßnahmen
ausgeschlossen sind, wenn ältere Dienstnehmer rausgeschmissen werden
liegt das nicht am Pensionssystem, sondern an der Arbeitswelt: dort
muss reformiert werden!"
Der Pensionistenvertreter übte heftige Kritik an ÖVP-Klubobmann
Kopf, der wegen burnout in Frühpension gehende Menschen gleich auch
den Führerschein wegnehmen will. "Hier offenbart sich das
Menschenbild der ehemals christlich-sozialen Volkspartei!", so
Blecha. Er forderte Kopf auf, diesen Vorschlag zurückzunehmen und
stattdessen auf die Unternehmen einzuwirken, dass es weniger Druck
und Stress am Arbeitsplatz gibt. "Bei diesen permanenten Belastungen
ist es kein Wunder, dass die Menschen durch die Arbeit krank werden.
Wir brauchen auch angesichts der älter werdenden Gesellschaft gesunde
und altersgerechte Arbeitsplätze, dann werden sich auch die vielen
Invaliditätspensionen reduzieren und das Pensionsantrittsalter wird
wieder steigen" ist sich Blecha sicher.
Blecha übermittelt am Vortag des
"Bad-Ischler-Sozialpartner-Dialogs daher das "Gesund länger
arbeiten"- 12-Punkte-Programm des Pensionistenverbandes:
1. Gesunde, altersgerechte Arbeit und Arbeitsgestaltung
+ ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze,
+ Gesunde und sichere Arbeitsbedingungen: Gefahrenverhütung,
Arbeitszeit, Arbeitshygiene, Arbeitsklima
+ Reduktion der Kälte- und Hitzearbeitsplätze, Hebehilfen und
Reduktion von Zwangshaltungen
+ Verringerung gesundheitsgefährdender Arbeitsstoffe
+ Erleichterung der physischen Arbeit durch Einsatz technischer
Hilfsmittel
+ altersgerechte Schichtpläne, Arbeitszeit- und Pausengestaltung
+ Bewusstseinsbildung bei Führungskräften: Führungsqualität,
Teamgeist, Leitbilder und Werte, Wissensmanagement,
altersverträgliche humane Gruppenarbeit
+ Gesundheit und Kompetenz des Individuums fördern
+ Keine Altersgrenzen für interne Karrieren, Weiterqualifizierung
und Kompetenzerweiterung, alternsgerechte Didaktik
+ Förderung eines Klimas der Anerkennung und Wertschätzung
verschiedener Altersgruppen
+ Betriebliche Generationen-Balance
2. Verpflichtende betriebliche Gesundheitsvorsorge
+ Schwerpunkt der betrieblichen Gesundheitsförderung auf psychische
Erkrankungen ("burn-out" = Nummer 1 bei Invaliditätspensionen,
noch vor Stützapparat!)
+ inkl. Verstärkung und Vertiefung der Programme "fit2work" bzw.
"Fit für Österreich"
3. Einschränkung gesundheitsschädlicher Arbeit (z.B. Schwerarbeit,
Nachtarbeit) durch schrittweisen Ausstieg für ältere Arbeitnehmer
4. AMS-Beratungsangebot für Betriebe, um altersgerechte und gesunde
Arbeitsorganisation zu ermöglichen
5. Recht auf Reduktion der Arbeitszeit für ältere Arbeitnehmer + Neue
Altersteilzeitmodelle - reduzierte Arbeitszeit z.B. bei Männern ab 62
(=Korridorpensionsalter mit Abschlägen) bis 65 (=Regelpensionsalter
ohne Abschläge)
6. Malus für Arbeitgeber, die ältere Beschäftigte kündigen + z.B. bei
Kündigung eines älteren Beschäftigten durch den Dienstgeber:
Verpflichtende Übernahme der Kosten der Arbeitslosigkeit durch den
Dienstgeber für die ersten Monate (wer das Versicherungsrisiko
herbeiführt, muss zahlen!)
7. Zuschüsse für Dienstgeber bei Weiterbeschäftigung gesundheitlich
eingeschränkter Arbeitnehmer
8. Einführung eines Frühpensions-Monitoring - strukturiertes Erfassen
aller Ursachen, Begründungen, Befundungen, Alter, Art der
Erwerbstätigkeit, Firmenbranche bzw. Örtlichkeit der
Frühpensionierungen, um weitergehende Maßnahmen und Strategien zur
Anhebung des Frühpensionsalters zu erarbeiten
9. Einführung eines "Senior-Pools" beim AMS zur langfristigen
Betreuung von ArbeitnehmerInnen über 40
10. Bei der Pensionsberechnung: Attraktivere Steigerungsbeträge ab 60
Jahre
11. Verpflichtendes Hinweisen auf die höhere (weil weniger bis keine
Abschläge, mehr Beitragsmonate) Pension bei Arbeit bis zum
Regelpensionsalter im Beratungsgespräch durch die
Pensionsversicherung
12. Abflachen der Lebensverdienstkurven
Die Einkommen der jungen Generation sind zu gering, da auch
Familien-und Hausstandsgründung zu bewerkstelligen ist. Gleichzeitig
gelten ältere Arbeitnehmer als "zu teuer".
Rückfragehinweis:
Pensionistenverbands Österreichs
Andy Wohlmuth, Tel.: 0664 - 48 36 138
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