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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Schalten und walten" (Von Hubert Patterer)
Ausgabe vom 9.10.2011
Graz (OTS) - Reden wir auch über uns. Wer über die Affäre Faymann
schreibt, muss auch über den Journalismus und das Geschäft schreiben.
Und wer über das Geschäft schreibt, muss auch über die Korruption
schreiben, die, frei nach Karl Kraus, "zwischen dem Textteil und dem
Annoncenteil Schiebungen macht". Die Inseraten-Affäre erzählt davon;
sie dokumentiert das Hochfüttern des unterirdischen, SP-nahen Wiener
Boulevards durch die Politik. Wer hinten mästet, erntet vorne
Schlagzeilen wie "Faymann hat sich durchgesetzt. Europa ist
gerettet". Der Retter errötet nicht. Er ist in diesem Biotop aus
politischer Gefälligkeit und journalistischer Danksagung schamfrei
groß geworden.
Zeitungen sind kein Gewerbe, sagt Marx. Das ist puristisch wahr und
unwahr zugleich. Wahr ist, dass das Streben nach Wahrhaftigkeit keine
kaufmännische Tätigkeit ist, sondern eine Haltung, die keinem
wirtschaftlichen Interesse untergeordnet sein darf. Unrecht hat Marx,
wenn er suggeriert, dass Zeitungen, weil sie einem Ethos verpflichtet
sind, keine wirtschaftlich handelnden Unternehmen sein dürfen. Das
ist Unfug. Ökonomische Stärke ermöglicht nicht nur die Finanzierung
von Qualitätsjournalismus, sie festigt auch den Schutzmantel
gegenüber Zudringlichkeiten von außen.
Man muss es sich leisten können, in Hände zu beißen, die einen
füttern. Das ist nicht nur eine Frage moralischer Robustheit. Die
Journalisten der gefährdeten Kärntner Tageszeitung wissen mehr
darüber. Die Machthaber buchen redaktionell durch. Wenn sie wollen,
gibt es die Zeitung nicht mehr.
Vitale Zeitungen brauchen Inserate, sonst können sie ihre
demokratiepolitische Aufgabe nicht erfüllen. Auch Anzeigen der
öffentlichen Hand sind an sich nichts Verwerfliches. Leser finden sie
auch in dieser Zeitung. Eine Regierung soll ihre Inhalte
kommunizieren dürfen. Die Forderung, Regierungsinserate abzuschaffen
und diese Kommunikation Medien zu übertragen, ist unsinnig. Medien
sind nicht dazu da, zu verlautbaren. Sie sind nicht zuständig für das
Marketing der Macht. Das Elend beginnt, wo mit öffentlichem Geld
nicht Sachinhalt kommuniziert, sondern ungeachtet ohnehin horrender
Parteienförderung Selbstdarstellung betrieben wird; wo Inserate als
Belohnung für Wohlverhalten in Komplizenschaft zuerkannt oder
Missliebigen entzogen werden; wo das Kanzlerbüro Anzeigen festlegt
und unterstellte Unternehmen bezahlen.
In allen Fällen handelt es sich um Machtmissbrauch. Er sickerte so
lange ein, bis er Brauchtum wurde und das Land mit seinem Kanzler und
den anverwandten Medien dorthin führte, wo es steht.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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