- 06.10.2011, 19:17:19
- /
- OTS0346 OTW0346
"Kleine Zeitung" Kommentar: "Man muss die Banken vor sich selber retten" (Von Wolfgang Simonitsch)
Ausgabe vom 07.10.2011
Graz (OTS) - Da hilft Zähneknirschen genau so wenig wie ein eine
vor Zorn schwellende Halsschlagader: Zwei Jahre nach ihrer letzten
Rettung dürfen Steuerzahler die Banken schon wieder auffangen und
Milliarden hineinpumpen. Eine Alternative gibt es nicht. Sie einfach
fallen und pleitegehen zu lassen, löste einen verheerenden
Dominoeffekt aus und wäre Harakiri: Der Geldkreislauf bricht
zusammen, die Wirtschaft kollabiert, auch das Ersparte ist weg.
Die Neuauflage der Bankenkrise von 2008 hängt eng - aber nicht nur -
mit der immer dramatischeren Schuldenkrise zusammen. Weil
Staatspapiere der Griechen, Portugiesen und Iren zunehmend wackeln,
müssen Banken ihre Investitionen in diese Anleihen abwerten und ihr
Eigenkapital schmilzt. Das hat nun die belgisch-französische Großbank
Dexia in Existenznöte gebracht, weil sie auf einem Berg fauler
Anleihen von fast 100 Milliarden sitzt.
Ihre mögliche Pleite droht weitere Banken in den Abgrund zu reißen,
sorgt für große Nervosität. Das Misstrauen in der Branche ist so
gestiegen, dass sich Banken gegenseitig kaum noch Geld borgen.
Kurzum: Es brennt wieder der Hut!
Deshalb denkt die EU über eine gemeinsame Aktion aller Staaten nach,
um die Banken aus dem Schlamassel zu ziehen und deren ausgezehrtes
Eigenkapital wieder aufzupäppeln.
Das kann aber höchstens "Erste Hilfe" sein. Jetzt darf die Politik
nicht weiter willfährig zuschauen. Nun ist es höchste Zeit, erkannte
Missstände ein für alle Mal auszuräumen.
Und zwar der Reihe nach: Zunächst ist in jedem Land zu klären, welche
Bank für den finanziellen Blutkreislauf "systemrelevant" ist - und
welche notfalls auch Pleite gehen darf, damit die Geiselhaft der
Steuerzahler für alle Banken ein Ende hat. Dann sind Systembanken so
aufzustellen, dass sie nicht bei jedem Lüfterl in Schieflage geraten
und imstande sind, etwa ein teilweise Entschuldung Griechenlands oder
anderer Schuldenkaiser auszuhalten.
Zudem gilt es, die Zockerpartie auf den Finanzmärkten endlich zu
gängeln. Dort sind Bräuche eingerissen, die einzig auf schnelles Geld
aus sind und völlig skrupellos Ländern wie der Realwirtschaft jeden
Schaden zufügen. Das hat sie zu gefährlichen Brandbeschleunigern der
Krisen gemacht.
Eine Finanztransaktionssteuer allein ist zu wenig, um Preise zu
stabilisieren und die wachsende Unruhe zu verscheuchen. Wozu
spekuliert ein Geldinstitut mit Öltanker-Ladungen? Bei windigen
Termingeschäften haben Banken nichts zu suchen. Stutzt sie auf ihr
Kerngeschäft mit Spareinlagen und Krediten zurück!****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ






