• 02.10.2011, 08:00:31
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Wawrowsky: Wer ELGA so umsetzt, nimmt Datenklau in Kauf

Ärztekammer fordert Abwägung von Risiko, Kosten und Nutzen - Freiwilligkeit wichtig

Wien (OTS) - Der jüngste Datenskandal rund um die Tiroler
Gebietskrankenkasse ist für den Bundesobmann der niedergelassenen
Ärzte und Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK),
Günther Wawrowsky, ein klares Indiz für die Missbrauchsanfälligkeit
zentral gespeicherter Daten. "Wo Daten gehäuft werden, dort werden
sie auch gestohlen und missbräuchlich verwendet. Das sagt uns der
Hausverstand", erläuterte Wawrowsky Sonntag in einer Aussendung.

Als Konsequenz fordert er eine "objektive und seriöse Abwägung von
Kosten, Nutzen und Gefahren des geplanten elektronischen
Gesundheitsaktes". Wolle sich die Gesellschaft nach einem eingehenden
Diskussionsprozess "das Projekt trotz bestehender Risken antun", so
müsste die Teilnahme jedenfalls für alle freiwillig sein.

Wawrowsky kritisierte den in Österreich eingeschlagenen Weg der
Entscheidungsfindung bei ELGA: "Es ist mir unverständlich, wieso
solche Monsterprojekte nicht wie in anderen Ländern auf breiter,
gesellschaftlicher Ebene diskutiert werden." Ähnliche öffentliche
Vorhaben würden "in aller Welt" einer eingehenden Kosten-
Nutzenanalyse unter Berücksichtigung aller möglichen Risken
unterzogen. "Bei ELGA vermisse ich diese - ergebnisoffene - Sorgfalt
der zuständigen Ministerien und öffentlichen Stellen einschließlich
der Sozialversicherungen."

Man müsse sich bei Projekten wie ELGA bewusst sein, dass die
Expertise, die zum Missbrauch führen könne, der Entwicklung im
Bereich der Datensicherheit "immer einen Schritt voraus sein wird".
Wer Realitätssinn und Ehrlichkeit habe, werde dies auch eingestehen
und bei der Planung mit berücksichtigen, so der Bundeschef der
niedergelassenen Ärzte. Für Wawrowsky bleibe daher die vitale Frage,
"inwieweit man schwerwiegende Datenschutzprobleme in Kauf nehmen
will, wenn der Nutzen von ELGA für Patienten gering ist. Und es muss
uns bewusst sein, dass gleichzeitig die ärztliche
Verschwiegenheitspflicht aufgebrochen wird", sagte der Bundesobmann
abschließend. (ms)

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: 0664/522 68 25
Mail: [email protected]

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