Heinisch-Hosek: Die Website www.lohngerechtigkeit.at gibt Infos und soll Frauen Mut machen
Matznetter - ungerechte Bezahlung hat auch für die Unternehmen negative Folgen
Wien (OTS/SK) - Am 4. Oktober ist der bundesweite Equal Pay Day.
Bis zu diesem Tag verdienen Frauen und Männer gleich viel - danach
arbeiten Frauen statistisch gesehen gratis. Lohngerechtigkeit war
daher das Thema, dem sich SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende und
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, der Präsident des
Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands (SWV) und
SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter sowie die Vorsitzende
der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafterinnen (FSG Frauen),
Elisabeth Vondrasek am Donnerstag in einem Pressegespräch widmeten.
"Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gehört zum Thema
Verteilungsgerechtigkeit auch das Thema Lohngerechtigkeit", sagte
Heinisch-Hosek. Die von den drei sozialdemokratischen Institutionen
SPÖ Frauen, FSG Frauen und SWV getragene Homepage www.
lohngerechtigkeit.at gibt Infos "und soll Frauen Mut machen", sagte
Heinisch-Hosek. ****
Der Equal Pay Day, der je nach Bundesland aufgrund unterschiedlicher
Durchschnittseinkommen von Männern und Frauen jeweils an einem
anderen Tag begangen wird, aber bundesweit am 4. Oktober, war Anlass,
die gemeinsame Kampagne zur Einkommensgerechtigkeit zu starten.
"Viele Frauen ahnen, dass sie ungerecht bezahlt werden und bringen
oft nicht den Mut auf, mehr zu verlangen, oder wissen oft gar nicht,
dass sie zu wenig verdienen", sagte die Frauenministerin. Auf der
Homepage sind Erfahrungsberichte zu finden, Frauenportraits,
Diskussionsforen, Aktionstermine, Tipps zu Gehaltsverhandlungen oder
es finden online interessante Life-Chatrunden statt.
SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Mautz wies auf die
Möglichkeit hin, Beiträge auf lohngerechtigkeit.at schalten zu
können. "So können Frauen ihre persönlichen Erfahrungen einbringen
und anderen Frauen zugänglich machen."
Ein positives Resümee zog die Frauenministerin in Sachen
Gehaltstransparenz und Einkommensberichte. Alle Betriebe, die seit
Juli Einkommensberichte legen müssen, wurden vom Frauenministerium
angeschrieben. Die Hälfte hat darauf freiwillig reagiert und erklärt,
dass die Berichte nicht nur erfolgt sind, sondern auch bereits an die
Betriebsräte weitergeleitet wurden und einige haben betont im Falle
nicht erklärbarer Lohnunterschiede, an der Behebung dieser zu
arbeiten. "Das heißt, das ist ein Instrument, das greift", betonte
Heinisch-Hosek. Die zweite Maßnahme, die gesetzt wurde, nämlich die
Verpflichtung, dass bei Stellenausschreibungen per Inserat angegeben
werden muss, wie hoch die kollektivvertragliche Bezahlung ist und ob
eine Überzahlung möglich ist, " das funktioniert noch nicht zu meiner
Zufriedenheit". Nur 20 Prozent der Ausschreibungen erfüllen die
nötigen Kriterien. Allerdings gibt es diesbezüglich erst ab dem
1.1.2012 Sanktionen.
Der Lohn- und Gehaltsrechner der Frauenministerin, der ab Montag
online sein wird, ist eine weitere Maßnahme. Damit können sich Frauen
leicht ein Bild machen, ob sie auf Basis ihrer Qualifikation richtig
eingestuft worden sind.
Christoph Matznetter machte klar, dass ungerechte Bezahlung auch
einen negativen wirtschaftlichen Effekt hat, nämlich den von
demotivierten Mitarbeiterinnen und damit eine geringere
Wirtschaftsleistung. "Es geht hier um Artefakte einer rein männlichen
Gesellschaft, die immer noch fortlebt, obwohl wir eine formelle
Gleichstellung schon länger erreicht haben", bemerkte Matznetter.
Nach seiner eigenen Erfahrung nennen Frauen bereits bei der
Gehalts-Verhandlung ein geringeres Gehalt als schlechter
qualifizierte männliche Bewerber. "Das ergibt eine falsche
Lohnstruktur", sagte Matznetter. "Am Ende des Tages muss klar sein,
dass die Motivation so erfolgt, dass nach Leistung bezahlt wird - und
nicht nach irgendwelchen Kriterien, die die betroffene Arbeitnehmerin
und der betroffene Arbeitnehmer nicht beeinflussen kann."
Weiters soll bei jeder Kollektivvertragsverhandlung mit einbezogen
werden, wo Benachteiligungen von Frauen stattfinden. "Das ist aber
vor allem bei den Kategorien so, in denen typischerweise Frauen zu
finden sind. Diese werden schlechter bezahlt." Auch ganze Branchen
sind danach ausgerichtet - die Friseurin erhält ein geringeres Gehalt
als eine Elektrikerin. Das sei auch ein gesellschaftliches Problem -
denn persönliche Dienstleistung müsse besser bezahlt werden, auch vom
Konsumenten.
Hier hakte auch Elisabeth Vondrasek ein, die betonte, dass man
derzeit ganz massiv dabei sei in dieser Hinsicht die Kollektiverträge
nach Frauenbenachteiligung zu durchforsten. "Manchmal ist das nicht
absichtlich in den Köpfen - da muss man darauf aufmerksam machen und
den Fokus darauf legen, diese Punke extra zu verhandeln." Auch
spezielle "Lohnaufholrunden" kann sich Vondrasek gut vorstellen.
Besonders problematisch sei der Niedriglohnbereich. Da sei noch
einiges zu verhandeln, "damit die Frauen ein Einkommen erhalten, von
dem sie leben können". Die Einkommensberichte der dafür
verpflichteten Unternehmen - mehr als 1.000 Mitarbeiter - werden
derzeit von der Gewerkschaft überprüft. Die meisten haben diese
Berichte gelegt. Die "schwarzen Schafe" sollen noch überzeugt werden.
Das Gespräch fand in der Firma Hawlan Elektrotechnik GmbH statt. "Ein
Unternehmen, das von einer Frau geführt wird, von Helga Rodix, und in
dem Lohngerechtigkeit gelebte Praxis ist", betonte die
Frauenministerin. Firmenleiterin Rodix, die 62 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter beschäftigt, betonte, dass es wichtig sei, junge Frauen
für technische Berufe zu interessieren, denn: "Frauen in der Technik,
das funktioniert!" (Schluss) up/mis
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