- 29.09.2011, 10:55:41
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"Spielerschutz" nur das Feigenblatt für die Glücksspielmarktmanipulation?
Die vom EuGH immer wieder geforderte Kohärenz fehlt auch im Vergleich zu anderen problematischen Abhängigkeiten.
Wien (OTS) - Laut einer neuen Studie im Auftrag der deutschen
Bundesregierung sind in Deutschland viel mehr Menschen
Internet-süchtig als Glücksspiel-süchtig. Weit mehr als 560.000
Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Da Österreichs
Bevölkerungsanzahl ca. 10% von Deutschland beträgt, ist in Österreich
mit über 50.000 internet-süchtigen Personen zu rechnen. (Der
prozentuelle Anteil der Internetnutzer, fixe und mobile Anschlüsse,
ist vergleichbar.)Auftraggeber der Studie war das deutsche
Gesundheitsministerium und durchgeführt wurde sie von den
Universitäten Greifswald und Lübeck:
http://www.ots.at/redirect/spielerschutz
Für diese Internet-süchtigen sind jedoch in Österreich, im
Gegensatz zu ganz normalen Spielern, keinerlei Zeitbeschränkungen,
persönliche Identifizierung und zentrale Datenbankerfassung ihres
individuellen Freizeitverhaltens durch den Staat vorgesehen. Genauso
wenig wie für die sehr viel größere Anzahl von Kauf-süchtigen, welche
am höchsten verschuldet sind.
Das zeigt einmal mehr, dass die Ursache für die österr.
Glücksspielmarktmanipulation nicht beim "Spielerschutz" zu suchen
ist, sondern allein wirtschaftliche Hintergründe hat. Denn sonst
müsste sich die Bundesregierung - entsprechende Kohärenz der
Vorgangsweisen ist eine Bedingung für das Glücksspielmonopol - längst
um die viel größere Anzahl von Internet-süchtigen und Kauf-süchtigen,
mit "schützenden" Maßnahmen, ganz genauso kümmern.
Und das geschieht überhaupt nicht und ist auch nicht geplant!
Stattdessen ist im Glücksspielgesetz detailliert aufgelistet, dass
für die gefährlichsten Spielautomaten der geringste "Spielerschutz"
überhaupt vorgesehen ist, während die harmlosesten Spielautomaten am
allerstärksten eingeschränkt werden.
Das haben die Verantwortlichen im Finanzministerium natürlich
nicht zufällig übersehen, sondern ganz gezielt detailliert so in das
neue Glücksspielgesetz hineingeschrieben. Das zeigt nicht nur sehr
klar, für welche Bereiche Unlogik und Realitätsverdrehung in Kauf
genommen werden, sondern auch, dass der "Spielerschutz" beim
zuständigen Ministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
ganz sicher besser aufgehoben wäre. Damit, dass man den
"Spielerschutz" dem Finanzministerium überlassen hat, wurde der Bock
zur Gärtnerin gemacht.
Rückfragehinweis:
Helmut Kafka, Pressesprecher,
Automatenverband.at, 01 920 33 33
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