Dreifacher Klimanutzen durch Bio-Landwirtschaft
Neue wissenschaftliche Studie zeigt: Biologische Bodenbewirtschaftung ist Schlüssel zum Klimaschutz für eine neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2013
Wien (OTS) - "Die biologische Bewirtschaftung des Bodens trägt in
mehrfacher Hinsicht zum Klimaschutz bei: Einerseits sind biologische
Böden CO2-Senken, die im Humus Kohlenstoff klimaneutral binden.
Andererseits punktet die biologische Wirtschaftsweise durch eine
Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase. Darüber hinaus werden
Bio-Böden den zukünftig notwendigen Anpassungen an die Auswirkungen
des Klimawandels besser gerecht", fasst Prof. Dr. Werner Zollitsch,
Stellvertretender Leiter Department für nachhaltige Agrarsysteme an
der Universität für Bodenkultur und Obmann von FiBL Österreich
(Forschungsinstitut für biologischen Landbau), die Ergebnisse einer
neuen Studie des FiBL zu Boden und Klimaschutz zusammen.
BIO AUSTRIA Obmann Rudi Vierbauch: "Boden- und Klimaschutz sind
unbestrittene Ziele für die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der
EU für die Periode nach 2014-2020. Ohne Bodenschutz wird es keinen
Klimaschutz geben. Die biologische Landwirtschaft bietet den
notwendigen ganzheitlichen Lösungsansatz und muss zur Bewältigung der
vielfältigen Herausforderungen weiter ausgebaut werden. BIO AUSTRIA
erwartet sich daher eine verbesserte Leistungsabgeltung für die
Bio-Landwirtschaft in Österreich im Rahmen der Umsetzung der neuen
Gemeinsamen Agrarpolitik der EU ab 2014."
Alternativ Nobelpreisträger Dr. Ibrahim Abouleish, Ratsmitglied
des World Future Council, bekräftigt: "Biologische und bio-dynamische
Landwirtschaft mit ihren vielfältigen positiven Auswirkungen auf
landwirtschaftliche Böden verfügen über ein starkes Potenzial, die
großen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern."
Biologische Böden machen Treibhausgase unschädlich
Durch kontinuierlichen Humusaufbau binden Bio-Ackerböden pro Jahr
durchschnittlich 400 bis 450 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) pro Hektar.
Im Vergleich dazu ist der Humusaufbau bei konventionellem Ackerbau
deutlich geringer. Häufig kommt es sogar zu einem Humusabbau mit
einer damit verbundenen durchschnittlichen Freisetzung von jährlich
bis zu 200 kg CO2 pro Hektar. Bei einer Österreich-weiten Umstellung
aller Ackerflächen auf Biolandbau wäre theoretisch infolge des
Humusaufbaus ein jährliches CO2-Reduktionspotenzial von 1,1 Millionen
Tonnen CO2-eq gegeben. Dies entspricht 1.3 % der jährlichen
Treibhausgasemissionen Österreichs.
Biologische Wirtschaftsweise setzt weniger Treibhausgase frei
Allein in Österreich fallen durch die Herstellung von
Stickstoffdüngern 907.123 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr an. Bei
einem Umstieg der österreichischen Landwirtschaft auf 100%
Bio-Landbau, der auf Stickstoffdünger verzichtet, könnte somit pro
Jahr fast eine Million Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht
1.2 % der nationalen bzw. 12% der landwirtschaftlichen
Treibhausgasemissionen Österreichs. Weiters sind die
durchschnittlichen N2O-Emissionen (Lachgas) einer typischen
Biolandbau-Fruchtfolge um mindestens 20 % geringer als die einer
typischen konventionellen Fruchtfolge. Lachgas ist 298 mal
treibhauswirksamer als CO2.
In der biologischen Tierhaltung werden 10-50% weniger
Treibhausgase freigesetzt - durch flächengebunden Tierbesatz,
Verzicht auf Zufütterung großer Mengen von zugekauftem Kraftfutter
(Verzicht auf Soja-Futtermittel aus Südamerika und damit verbundenen,
extrem klimaschädlichen
Landnutzungsänderungen) sowie weitere Maßnahmen wie Erhöhung der
Grundfutterqualität, des Weideanteils und der Strohsysteme.
Bio-Böden sind besser gerüstet für den Klimawandel
Infolge ihres hohen Humusgehalts, einer besseren Bodenstruktur und
Aggregatstabilität sowie der zahlreichen Begrünungs- und
Bodenbedeckungsvarianten beugen biologische bewirtschaftete Böden
Erosionsgefahr vor. Ihre doppelt so hohe Wasserinfiltrationsrate und
höhere Wasseraufnahmefähigkeit führen zu einer Reduktion dramatischer
Auswirkungen bei Hochwasserereignissen und einer besseren Abpufferung
bei zunehmenden Hitze- und Trockenperioden. In Österreich sind rund
25 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen (etwa 839.000 ha) in
unterschiedlichem Ausmaß erosionsgefährdet.
Bio bietet Lösungen für die Gemeinsame Agrarpolitik
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU wird derzeit für die
Periode nach 2013 reformiert. BIO AUSTRIA fordert eine Ökologisierung
der Gemeinsamen Agrarpolitik durch Ausrichtung aller Instrumente auf
ökologische Nachhaltigkeit. Die Herausforderungen für die zukünftige
GAP werden durch die biologische Landwirtschaft in besonderem Maße
erfüllt. Um das volle Potenzial der biologischen Landwirtschaft
auszuschöpfen, müssen die Rahmenbedingungen für die biologische
Landwirtschaft weiter verbessert werden. Dazu ist neben dem Ausbau
der Abgeltung der Leistungen von Biobäuerinnen und Biobauern auch
eine klare Priorität für Bio bei Instrumenten wie der Modernisierung
landwirtschaftlicher Betriebe ("Investitionsförderung"), Bildung,
Beratung, Forschung und Innovation notwendig.
Sekem zeigt das Potenzial
Dr. Ibrahim Abouleish zeigt mit seiner Landbau-Initiative Sekem
die Möglichkeiten bio-dynamischer Landwirtschaft, indem er ägyptische
Wüste für landwirtschaftliche Nutzung fruchtbar macht. In einer
Studie von Soil & More International, dem Louis Bolk Institut und der
Heliopolis University konnten die Effekte von langjähriger
bio-dynamischer Landwirtschaft auf ägyptische Wüstenböden aufgezeigt
werden. Pro Hektar und Jahr werden im Durchschnitt drei Tonnen
CO2-Äquivalente gebunden und somit ein großer Beitrag zum Klimaschutz
erbracht. Der höhere Humusgehalt im Boden führt außerdem dazu, dass
20-40% weniger Wasser für die Bewässerung benötigt wird und die
Bodenfruchtbarkeit sich verbessert - wichtige Faktoren, um die
Nahrungsmittelsicherheit in einem wasserarmen Land wie Ägypten zu
verbessern. Dr. Abouleish: "Biologische und bio-dynamische
Landwirtschaft mit ihren vielfältigen positiven Auswirkungen auf
landwirtschaftliche Böden verfügt über ein starkes Potenzial, die
großen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. Sie trägt nicht
nur zu einer besseren Ernährungsversorgung und einem schonenderen
Umgang mit knappen Ressourcen wie Wasser bei, sondern bietet auch
unzähligen Bauern in armen ländlichen Regionen eine nachhaltigere und
sicherere Lebensgrundlage."
Pressesprecherin BIO AUSTRIA
+43/676/842 214 214
E-Mail: eva.straka@bio-austria.at














