- 26.09.2011, 00:30:31
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Weltverhütungstag 2011: Jugendliche haben ein Recht auf sexuelle Aufklärung und Verhütung
Wien (OTS) - Unter dem Motto "Lebe dein Leben, kenne deine Rechte"
steht der diesjährige Weltverhütungstag am 26. September 2011.
Internationale Organisationen auf dem Gebiet der Familienplanung,
darunter die European Society of Contraception und Reproductive
Health (ESC), das Centro Latinamericona Salud y Mujer (CELSAM), der
Population Council und der Asia Pacific Council on Contraception
(APCOC), haben diesen Tag im Jahre 2007 das erste Mal ins Leben
gerufen, um Jugendliche mit weltweiten Aktionen auf Verhütung als
wirksamen Schutz vor unerwünschten Schwangerschaften hinzuweisen.
Unterstützt wird der Weltverhütungstag zudem vom weltweit tätigen
Pharmaunternehmen Bayer HealthCare.
Eine zuverlässige Verhütung ist wichtig, um nicht ungewollt
schwanger zu werden - wer glaubt, dass Teenager diese Erkenntnis in
die Praxis umsetzen, wenn es "zur Sache geht", irrt. Weltweit
betrachtet, verzichten zahlreiche Teenager beim ersten Sex mit ihrem
neuen Partner/ ihrer neuen Partnerin auf wirksame Verhütung.
Österreichische Jugendliche heben sich hier keinesfalls positiv von
ihrer Peer Group in - als weniger offen und aufgeklärt geltenden -
Ländern wie Thailand, China, Mexiko, der Türkei und Chile ab. 62
Prozent gaben einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes tsn
healthcare an, beim ersten Mal mit einem neuen Partner/einer neuen
Partnerin gänzlich auf Verhütung verzichtet zu haben. Als Hauptgründe
für ihr Verhalten werden simples Vergessen (20 Prozent), die in
diesem Moment mangelnde Verfügbarkeit eines Verhütungsmittels (21
Prozent) und Trunkenheit (24 Prozent) genannt.
Doch selbst wenn an Verhütung gedacht wird, wird nicht immer die
zuverlässigste Verhütung gewählt. So glauben 98 Prozent der befragten
österreichischen Teenager, dass das Kondom die zuverlässigste
Verhütungsmethode ist, wie tsn healthcare in einer aktuellen Umfrage
erhob. Auch eine Online-Befragung der Österreichischen Gesellschaft
für Familienplanung (ÖGF) zeigt, dass 80 Prozent der Mädchen beim
"Ersten Mal" zum Kondom greifen, die Pille dagegen erst drei bis
sechs Monate danach genommen wird. In Wahrheit schützt das Kondom
zwar als einziges Verhütungsmittel vor einer HIV-Infektion, ist aber
nachweislich zur Verhinderung einer Schwangerschaft nur bedingt
geeignet: 7 bis 14 Frauen von 1000 werden schwanger, obwohl ihr
Partner ein Kondom verwendet hat. Im Vergleich dazu sind es bei der
kombinierten Pille nur 3 von 1000 Frauen, die trotz korrekter
Anwendung schwanger werden. Knapp 30 Prozent der insgesamt 202
befragten Jugendlichen sind außerdem überzeugt, dass der Coitus
interruptus die beste Methode ist, um eine Schwangerschaft zu
verhindern; Studien zu Folge werden bis zu 40 von 1000 Frauen, die
dies mit ihrem Partner praktizieren, schwanger. Auch die absurd
klingenden Annahmen, dass eine Scheiden-Spülung mit Cola, eine
ausgiebige Dusche nach dem Sex oder sportliches Auf-und-Ab-Hüpfen
eine Befruchtung verhindere, spuken weiterhin in den Köpfen einiger
(weniger) Teenager herum, obgleich im Sexualkundeunterricht dies wohl
kaum vermittelt werden dürfte.
n Sexualkundeunterricht ist seit 1970 verpflichtender Bestandteil
des österreichischen Lehrplans. Die Aufklärung über die
Zuverlässigkeit verschiedener Verhütungsmethoden ist hierin fest
verankert. Dennoch (Schwangerschaften Statistik Austria) wurden auch
2010 knapp 2500 Babys von Müttern geboren, die selbst 20 Jahre und
jünger waren.
ExpertInnen fordern daher seit Jahren eine Verbesserung des
Aufklärungsunterrichts in Schulen und suchen Begründungen dafür,
weshalb die existierenden Maßnahmen offenbar nicht flächendeckend
greifen. Ein ganzes "Verhütungs-Maßnahmenpaket" solle geschnürt
werden, um Verhütung zu erleichtern und damit unerwünschte
Schwangerschaften zu minimieren, fordert beispielsweise DDr.
Christian Fiala vom Ambulatorium gynmed. In den meisten
westeuropäischen Ländern sei ein derartiges Paket bereits vor
mehreren Jahren umgesetzt worden. Dort sehe man, dass es weniger
Schwangerschaftsabbrüche gebe als in Österreich. "Eine wirksame
Maßnahme z.B. sei das Verhütungsmuseum in Wien. Die starke Nachfrage
von Schulen und die positiven Rückmeldungen zeigen wie groß das
Interesse von Jugendlichen ist, mehr über ihre Sexualität zu
erfahren. Insbesondere wie sie sich wirksam schützen können", so DDr.
Christian Fiala.
Sexualpädagogin Bettina Weidinger bemängelt, dass der
Aufklärungsunterricht in seiner bisherigen Form zu abstrakt ist und
sich die Jugendlichen schwer tun, zwischen dem sachlichen Vortrag
über Fortpflanzung und Verhütung einen unmittelbaren Bezug zu ihrem
eigenen Tun und Handeln herzustellen.
Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung bietet daher
seit etlichen Jahren für Schulklassen die Möglichkeit, in
Krankenhäuser oder Gesundheitszentren mit Familienplanungsstellen zu
kommen und sich von ÄrztInnen - GynäkologInnen und UrologInnen - aus
erster Hand informieren zu lassen. "Ich erkläre beispielsweise, wie
ein Besuch beim Frauenarzt abläuft oder - für die Burschen - ein
Besuch beim Urologen, und die Jugendlichen haben Gelegenheit, offen
Fragen zu diesen Themen zu stellen", erläutert Dr. Claudia
Linemayr-Wagner, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für
Familienplanung. "Die Jugendlichen waren alle immer höchst
interessiert, höchst aufmerksam und haben viele, viele Fragen
gestellt. Das zeigt mir deutlich, dass diese Themen weder zu Hause in
den Elternhäusern, noch in der Schule in ausreichendem Maße behandelt
werden."
Während in Österreich jedoch zumindest die Rahmenbedingungen
geschaffen sind, dass sich Jugendliche über Verhütung und Sexualität
informieren können, sieht es in einigen Ländern dieser Welt
bekanntlich schlechter aus. Einer aktuellen Umfrage von GFK
Healthcare zu Folge haben nur die Hälfte aller europäischen
Jugendlichen Sexualkundeunterricht in der Schule; rund ein Viertel
aller SchülerInnen der Region Asia-Pazifik und Lateinamerika sagt,
dass es für sie keine Anlaufstelle gibt, wenn sie weitere Fragen zur
Sexualität oder Intimität haben. Angesichts dieser Zahlen scheint es
wenig verwunderlich, dass 42 Prozent der befragten AsiatInnen auch
keine Möglichkeit sehen, an Verhütungsmittel zu kommen, wenn sie
gebraucht würden. 28 Prozent aller befragten jungen EuropäerInnen
sehen dies genauso.
"Lebe dein Leben, kenne deine Rechte", lautet daher das Motto des
diesjährigen Weltverhütungstages 2011. Neben der Notwendigkeit, beim
Sex als Schutz vor ungewollten Schwangerschaften zu verhüten, soll
den Jugendlichen vor allem vermittelt werden, dass sie das Recht auf
sexuelle Aufklärung und sexuelle Selbstbestimmung haben. Dazu gehört
auch, dass sie bewusst entscheiden, wann und ob sie schwanger werden
wollen.
"Kenne deine Rechte" hat in Österreich dennoch wohl eher einen
Bezug zur aktuell gültigen Gesetzeslage, die sexuelle Beziehungen von
Jugendlichen nach dem so genannten "Schutzalter" regelt: sind beide
Partner unter 14 Jahren und kommt es zum sexuellen Kontakt, wird
niemand bestraft, denn unter 14-jährige sind nicht strafmündig. Wenn
einer von beiden unter 14 Jahre alt ist, macht sich der Ältere
strafbar. Sind beide über 14 Jahre alt, ist Sex unter der
Voraussetzung des beiderseitigen Einverständnisses generell erlaubt.
Ist eine Person über 12, die andere unter 16, werden sexuelle
Handlungen nicht bestraft, wenn es zu keinem Geschlechtsverkehr
kommt. Für das Verschreiben von Verhütungsmitteln oder der
Durchführung eines Schwangerschaftsabbruches ist bei über 14-jährigen
rein rechtlich die Zustimmung der Eltern nicht erforderlich.
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