OTS0234   23. Sept. 2011, 16:02

Papstbesuch - Bischof Bünker: Ökumenischer Impuls ist ausgeblieben

Botschaft liegt im Ereignis selbst - Gottesdienst zeigte unterschiedliches Gesicht der Kirchen


Beim ökumenischen Gottesdienst, den der Papst
gemeinsam mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Erfurt gefeiert
hat, ist "der ökumenische Impuls ausgeblieben", bilanziert der
österreichische evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker. Dass
"die römisch-katholische Kirche ein "wirklich aktives Interesse" am
Dialog mit der evangelischen Kirche habe, sei in Erfurt nicht zu
bemerken gewesen, so Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst.
Offenbar liege das ökumenische Signal im Ereignis selbst, dass ein
gemeinsamer Gottesdienstes an diesem geschichtsträchtigen Ort
stattfinden konnte. Für Bünker hat der ökumenische Gottesdienst, in
dem die evangelische Synodenvorsitzende Kathrin Göring-Eckhardt das
geistliche Wort sprach, deutlich "das unterschiedliche Gesicht" der
beiden Kirchen gezeigt: "Die evangelische Kirche als eine Kirche, in
der gewählte Frauen und Männer in gleicher Weise in allen Funktionen
tätig sind, und auf der anderen Seite die unter dem Papst
hierarchisch verfasste römisch-katholische Kirche."

Schon vor dieser ökumenischen Begegnung seien die Erwartungen von
beiden Seiten "deutlich heruntergeschraubt" worden. Nun habe der
Papst in seiner Rede im Erfurter Gottesdienst dem ökumenischen Impuls
eine klare Absage erteilt. Gleichzeitig sei das gemeinsame Beten und
die Begegnung herausgestrichen worden. "Das Gemeinsame kann doch ein
sehr unterschiedliches Gesicht zeigen", resümiert Bünker. Die
"versöhnte Verschiedenheit" sei hier "ein Stück weit sichtbar"
geworden.

In weltweiten Verhältnis zwischen der evangelischen und der
römisch-katholischen Kirche gebe es eine Reihe von Dialogergebnisse,
die man auch "wertschätzen und aufgreifen" hätte können. Bünker
erinnerte daran, dass Göring-Eckhardt den Papst konsequent als
"Bruder in Christus" angesprochen habe, um auszudrücken, dass die
evangelische Kirche kein hierarchisches Kirchenverständnis kenne.

Positiv äußerte sich Bünker zur ökumenischen Situation in Österreich:
Hier erfolgten Begegnung und Zusammenarbeit "in Respekt und auf
Augenhöhe". Sicher gebe es zwischen den Kirchen "mehr Gemeinsames als
Trennendes", das gelte es auch, im gemeinsamen Bemühen um ein
glaubwürdiges Christentum herauszustreichen. Dennoch blieben
Unterschiede weiter bestehen, die jedoch "nicht trennen" müssen. Das
Kirchenverständnis sei jedoch "ein Punkt, in dem es in absehbarer
Zeit nicht zu einer gemeinsamen Position kommen wird".

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0234 2011-09-23 16:02 231602 Sep 11 EPD0001 0350




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Dr. Thomas Dasek
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