• 21.09.2011, 11:42:36
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Große Verunsicherung in Schulen und Kindergärten mit diabetischen Kindern - BILD

Prof. Dr. Birgit Rami-Mehar, ÖDG

Wien (OTS) - Aus Wissensmangel wird diabetischen Kindern vieles
verweigert, was ihnen gut tun würde. Selbsthilfegruppen starten
Schulungen für die Betreuer, doch wäre eine österreichweit gemeinsame
Vorgehensweise dringend notwendig, fordert die ÖDG.

Aktuell erkranken jedes Jahr rund 250-300 Kinder und Jugendliche
unter 15 Jahren an einem Diabetes Mellitus Typ 1, Tendenz stark
steigend. In den letzten 10 Jahren haben sich diese Zahlen
verdoppelt, und immer jüngere Kinder unter 5 Jahren sind davon
betroffen (Quelle: Schober et al., J. Pediatr 2009).

Unterstützung bei Insulinabgabe nötig

Diese Kinder müssen mehrfach am Tag Ihren Blutzucker messen, das
Essen bezüglich des Kohlenhydrat-Gehalts berechnen und eine
entsprechende Menge Insulin dafür abgeben.

Mehr als 90% der Kinder haben inzwischen eine flexible
Insulintherapie mit einer Insulin-pumpe oder eine funktionelle
Therapie mit einem Insulin-Pen. Sie benötigen altersabhängig eine
entsprechende Unterstützung durch Erwachsene, die für diese nicht
schwer zu lernen wäre. Zu Hause wird dieser Part von der Familie
übernommen, denn jüngere Kinder können diese Maßnahmen nicht zur
Gänze selbstständig durchführen. Viele Kinder/Jugendliche tragen
Insulinpumpen, auch hierzu ist eine Einschulung notwendig.

Gleich leistungsfähig

Diabetische Kinder sind genauso leistungsfähig wie
stoffwechselgesunde Kinder. Doch sind erfahrungsgemäß Betreuer und
Lehrer in diesen Fällen ohne eingehende Instruktion sehr
verunsichert, was immer wieder dazu führt, dass Kindern die Teilnahme
am Schulsport, an Klassenausflügen oder Sportwochen verweigert wird.
Eine persönliche Tragödie für viele Kinder mit großen Nachteilen für
deren Entwicklung und Integration!

Dabei wären lediglich wenige, wichtige Regeln zu beachten, um
ernste Zwischenfälle zu vermeiden. Denn in Krisensituationen (z.B.
Unterzuckerung, aber auch Hyperglykämie) sind die betroffenen Kinder
auf das Verständnis und die Unterstützung der Betreuungspersonen
angewiesen.

Rechtliche Situation ungenügend geklärt

Die Betreuung im Kindergarten und der Schule wird höchst
unterschiedlich gehandhabt. Das ist kein Wunder, kommt neben dem
Hauptproblem des mangelnden Wissens auch noch eine ungenügend
geklärte Rechtslage hinzu. Denn es ist die Abgabe von Insulin
rechtlich nicht eindeutig geklärt, andererseits brauchen die Kinder
in einigen diabetesbezogenen Situationen informierte Erwachsene, die
aktiv helfen.

Schulungen durch Diabetes Teams von Behandlungszentren

Betreuende Diabetes-Teams der verschiedenen Behandlungszentren
versuchen nach Bedarf eine entsprechende Schulung für die Betreuer
des jeweiligen Kindes zu organisieren, doch gibt es dafür es keine
eindeutige Vorgehensweisen oder Reglementierungen, geschweige denn
Finanzierungen.

Im Wiener Raum übernimmt zum Beispiel Frau Perneczky von der
Selbsthilfegruppe ÖDV (Österreichische Diabetiker Vereinigung)
engagiert diese nötigen Schulungen. Aber ihre zeitlichen Kapazitäten
sind limitiert und ihre anfallenden persönlichen Kosten werden weder
von der Krankenkasse, noch von den Betreuungseinrichtungen
übernommen.

"Nach erfolgter Schulung und Rücksprache mit den Eltern und dem
behandelnden Diabetes-team zeigt sich meist eine zufriedenstellende
bis sehr gute Betreuungssituation für das Kind", berichtet die
Kinderärztin Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar von der ÖDG. Das Kind kann
dann bei allen Sportaktivitäten und Ausflügen mitmachen. "Leider gibt
es andererseits auch Extremfälle, wo Kindern mit Diabetes Mellitus
Typ 1 sogar der Besuch des Kindergartens verweigert wird", beklagt
Rami-Merhar, was für diese Familien oft eine große finanzielle
Belastung bedeutet, da ein Elternteil - meist die Mutter - dann
keiner Arbeit nachgehen kann.

Die Schwierigkeit liegt sowohl in der Heterogenität der
Betreuungseinrichtungen (Kindergarten, Schule, Hort) wie auch in den
Zuständigkeiten (private Träger, Gemeinden, Länder, Bund). "Nachdem
jedoch immer mehr Kinder mit Diabetes Mellitus Typ 1 in unsere
Kindergärten und Schulen kommen, brauchen wir eine koordinierte
Vorgehensweise mit klar definierten rechtlichen Rahmenbedingungen!"
appelliert Rami-Merhar.

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die
ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen
Diabetes-ExpertInnen. Ihre zentrale Aufgabe ist die Forschung und
Förderung des wissenschaftlichen Austausches aller auf dem Gebiet der
Diabetologie tätigen ForscherInnen und ÄrztInnen sowie die
Sicherstellung einer der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen
entsprechenden Betreuung der DiabetikerInnen in Österreich.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
MMag. Jakob Lajta MAS, Martschin & Partner GmbH, Public Relations
Albertgasse 1a, 1080 Wien
Tel. +43-1-409 77 20 DW 30, [email protected], www.martschin.com

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