Kritik an österreichischer Verkehrspolitik
Die Umweltbeauftragten der Katholischen Diözesen in Österreich fordern ein langfristiges Konzept zur Attraktivierung der Bahnlinien
Wien (OTS) - Wien, 19.9.2011 (PEW) Die Umweltbeauftragten der
katholischen Kirche Österreichs sind entsetzt, dass immer mehr und
auch immer besser frequentierte Bahnstrecken zugesperrt werden und
damit vielen Menschen die Möglichkeit genommen wird, ökologisch und
nachhaltig zu reisen. Hat man in den letzten Jahren eher
"Nebenstrecken" eingestellt, so geht es seit letztem Jahr auch den
großen Verbindungen innerhalb Österreichs an den Kragen. Letztes Jahr
wurden die direkten Züge von Graz nach Linz gestrichen, heuer werden
mit Dezember 2011 die direkten Züge Graz - Salzburg halbiert. "Weder
Politik noch ÖBB dürften offenbar ein ehrliches Interesse an einer
nachhaltigen Verkehrspolitik haben. Wohin soll diese
Scheuklappen-Strategie führen?", fragt sich Hemma Opis-Pieber,
Umweltbeauftragte der Diözese Graz-Seckau. Während die Politik stark
auf Straßenausbauten und -neubauten setzt, stellt die ÖBB weiter
Strecken ein, verschlechtert Angebote, lässt Güterverladestellen auf
und führt selbst Fracht und Personen teilweise auf der Straße. "Auf
der Strecke Salzburg - Graz verlieren 300.000 Fahrgäste im Jahr ihren
Zug, denn die Fahrgäste werden wohl kaum 4 Stunden auf den nächsten
Zug warten", stellt der Salzburger Umweltbeauftragte Johann Neumayer
fest. "Der Schaden für die ÖBB wird sogar noch höher sein, denn Züge
mit Umsteigknoten wie Selzthal, Stainach-Irdning und Bischofshofen
werden aufgrund der fehlenden Intercityzüge Salzburg - Graz deutlich
weniger Fahrgäste zu verzeichnen haben", prognostiziert Neumayer. "
Anstatt das Problem anzugehen und zum Beispiel den Fahrplantakt zu
erhöhen, resigniert die Bahn. So wird die Verkehrswende nicht
gelingen", reüssiert Neumayer.
Wenn Österreich im Bereich der Mobilität zukunftsfähig werden will,
sind ambitionierte Maßnahmen notwendig. Die katholischen
Umweltbeauftragten fordern daher:
- Beibehaltung der Verbindung Salzburg - Graz im derzeitigen Ausmaß
- Einführung des Österreichtickets (Ticket für alle öffentlichen
Verkehrsmittel in Österreich)
- Ein langfristiges Konzept zur Attraktivierung der Bahnlinien für
den Güter- und Personenverkehr
- Einhaltung der Verpflichtungen, die Österreich mit dem
Kyoto-Abkommen eingegangen ist (z.B. CO2-Ausstoß)
- Kostenwahrheit im gesamten Bereich der Mobilität
Der Wiener Weihbischof und österreichische Jugendbischof Stephan
Turnovszky teilt die Bedenken der Umweltbeauftragten und unterstützt
die genannten Forderungen für eine nachhaltige Mobilität: " Wir sind
es den nachfolgenden Generationen, uns selbst und der Schöpfung
Gottes schuldig, dass wir auf unsere Welt achten, damit sie auch in
Zukunft lebenswert bleibt. Zunehmender Straßenverkehr wälzt durch
mangelnde Kostenwahrheit Probleme ab statt sie zu lösen. Es zeichnet
sich jetzt schon ab, dass Österreich im Bereich der Mobilität das
Kyoto-Ziel deutlich verfehlen wird. Wo bleibt das Bekenntnis der
Politik zu einem klimaschonenden Verkehr?"
Die Umweltbeauftragten Österreichs fahren öffentlich zu Konferenzen,
Veranstaltungen und Vorträgen und legen jährlich zehntausende
Kilometer umweltfreundlich zurück. Mit der Aktion AUTOFASTEN
(www.autofasten.at) motivieren die Umweltbeauftragten Österreichs
seit 6 Jahren die Menschen im Land zu einem sinnvollen und bewussten
Handeln im Bereich der Mobilität. Aktuell hat die Aktion
österreichweit über 10.000 Unterstützer/innen.
Veranstaltungen der Umweltbeauftragten in der Ökumenischen
Schöpfungszeit von 1. September bis 4. Oktober 2011 in den Diözesen:
http://www.schoepfung.at/content/site/home/schoepfungszeit/index.html
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Umweltreferent
Dipl. Päd. Markus Gerhartinger
Stephansplatz 6/5.Stock
1010 Wien
Tel.: (01) 51552 - 3347
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