- 17.09.2011, 10:00:31
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AKNÖ-Schulkostenstudie: Eltern geben im Schnitt 814 Euro pro Schulkind und Jahr aus
Wien (OTS/AKNÖ) - Ob Füllfeder, Turnschuhe, Schikurse oder
Nachhilfe. Der finanzielle Aufwand für schulbedingte Ausgaben ist oft
enorm. Wie viel die niederösterreichischen Haushalte während eines
gesamten Schuljahres tatsächlich dafür ausgeben, wollte die AKNÖ
genau wissen. In einer einjährigen Langzeitstudie in Zusammenarbeit
mit den nö. Elternverbänden für Pflichtschulen und mittleren und
höheren Schulen und unter wissenschaftlicher Begleitung des
Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (öibf) wurden
daher erstmals die finanziellen Belastungen von Eltern durch den
Schulbesuch ihrer Kinder detailliert erhoben. Pro Schuljahr geben die
Eltern im Schnitt 814 Euro pro Schulkind aus, die durchschnittlichen
Kosten für Haushalte mit Schulkindern belaufen sich auf 1.462 Euro.
Teure AHS
Für jedes Kind in der Volksschule fallen im Laufe eines Schuljahres
im Schnitt 503 Euro an schulbedingten Kosten an. Die größten
Ausgaben betreffen hier Beiträge und Selbstbehalte (wie z.B. für die
Schülerfreifahrt) mit 110 Euro und Schulmaterialien mit 96 Euro.
Besucht ein Kind eine Hauptschule, ist das für die Eltern deutlich
günstiger als der Besuch einer AHS-Unterstufe. Denn während in einem
Schuljahr pro HauptschülerIn im Schnitt 709 Euro Schulkosten
anfallen, so ist der Besuch einer AHS-Unterstufe um mehr als ein
Viertel teurer (913 Euro). "Ein Grund für diese auffällige
Kostendifferenz ist die Tatsache, dass in dieser Schulform viel mehr
bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen wird. Die Kosten dafür
betragen in der AHS-Unterstufe durchschnittlich 117 Euro pro
SchülerIn und Schuljahr, in der Hauptschule werden dafür lediglich 49
Euro ausgegeben", so AKNÖ-Bildungsexperte Günter Kastner. Mit Abstand
am teuersten kommt der Besuch einer weiterführenden Schule: 1.325
Euro kostet Eltern der Besuch einer AHS-Oberstufe pro Kind und
Schuljahr, 1.195 Euro für Berufsbildende mittlere und höhere Schulen
(BMHS).
Familien sind von Schikurs und Co besonders belastet
Der Blick auf Haushalte mit mehreren Kindern zeigt die besonders
belastenden Ausgaben auf. Im Schnitt gibt ein niederösterreichischer
Haushalt mit Schulkindern 1.462 pro Schuljahr aus. Dabei fallen die
Kosten für mehrtägige Schulveranstaltungen am stärksten ins Gewicht:
434 Euro geben Eltern für Schikurse, Sprachreisen und Co aus.
Beiträge und Selbstbehalte folgen mit 188 Euro, erst an dritter
Stelle folgen Ausgaben für Schreibwaren oder Schulmaterialien (174
Euro).
Schulkosten als sozial selektiver Faktor im Schulsystem
Besonderes Augenmerk wurde bei der Studie auf die sozialen
Auswirkungen von Schulkosten gelegt, für die es laut Kastner
zahlreiche Belege gibt: "Besonders für Kinder von AlleinerzieherInnen
und aus Familien mit niedrigem Haushaltseinkommen haben die
schulbedingten Kosten oft ungünstige Wirkungen für ihre
Bildungslaufbahn." So gab z.B. jede zehnte Familie mit niedrigem
sozialen Schichtindex an, dass ihre Kinder eine schulische
Wunschausbildung aus finanziellen Gründen nicht ergreifen konnten.
Bei jeder fünften Familie mit geringem Einkommen kam es im letzten
Schuljahr vor, dass ihre Kinder an schulischen Aktivitäten nicht
teilnehmen konnten, weil es finanziell nicht möglich war. Und auch
die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Nachhilfe ist sozial höchst
unterschiedlich: So sind die Ausgaben für Nachhilfe in Familien mit
mittlerem oder hohem Einkommen 5- bis 6-mal so hoch wie bei Familien
mit niedrigem Einkommen. Kastner: "Leider wird somit wieder einmal
evident, dass Kinder aus weniger begüterten Familien im Schulsystem
mit einem Chancendefizit zu kämpfen haben. Familien mit einem
geringen Einkommen haben einfach kaum die Möglichkeit, etwaige
schulische Defizite durch private Nachhilfe zu kompensieren."
Wahrgenommene Belastung durch schulbedingte Kosten hoch
Neben der Erhebung der schulbedingten Kosten wurden die
StudienteilnehmerInnen auch nach ihrer Einschätzung bezüglich der
dadurch entstehenden finanziellen Belastung für ihren Haushalt
befragt. Wenig überraschend: 97 Prozent der nö. Haushalte fühlen sich
durch die anfallenden Schulkosten belastet, beinahe jeder dritte
Haushalt sogar stark. Auch hier zeigen sich klare Unterschiede nach
Haushaltseinkommen und sozialen Kriterien:
AlleinerzieherInnen-Haushalte und Familien mit niedrigem sozialen
Schichtindex spüren die Kostenbelastung durch den Schulbesuch ihrer
Kinder weitaus stärker als der Durchschnitt.
Schuldebatte versachlichen - Beihilfen und Förderungen neu andenken
"Ziel der AKNÖ-Studie war es, aussagekräftige Daten über die
Entwicklung der Schulkosten zu erhalten, um künftige Diskussionen
über Beihilfen für SchülerInnen und die steuerliche Behandlung von
Familien mit Kindern zu versachlichen", so AKNÖ-Präsident Hermann
Haneder. Für ihn ist durch die Ergebnisse der Studie klar, dass sich
die Politik mit dem Thema der versteckten Schulkosten und ihren
sozialen Auswirkungen beschäftigen muss: "Wir müssen über die 13.
Familienbeihilfe neu reden, über die Richtlinien für die Gewährung
von Schülerbeihilfe und über andere Förderungen. Soziale Schieflagen
im Schulsystem gehören beseitigt, damit nicht die Geldbörse der
Eltern über Bildungs- und Lebenschancen der Kinder entscheidet."
Schulkosten sind bezahlte Steuern
Steuerrechtliche Verbesserungen für Familien mit Schulkindern fordert
der Landesvorsitzende der nö. Elternvereine, Ing. Franz Schaupmann.
Denn 20 % der erfassten Schulkosten sind auch bezahlte Steuern, also
Umsatzsteuer. Familien können für diese Ausgabeposten keine
Vorsteuerverrechnung wie Betriebe vornehmen. "Familien mit Kindern
brauchen daher auch weiter ein vernünftiges, verlässliches und
leistungsfähiges Transferwesen in der Familienförderung. Das
Rückfahren der 13. Kinderbeihilfe war ein Schritt in die falsche
Richtung und trifft vor allem Familien mit Kindern in den unteren
Einkommensschichten", kritisiert Schaupmann.
Die Studie ist in Kürze zum Download verfügbar unter:
http://noe.arbeiterkammer.at/
Rückfragehinweis:
AKNÖ-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0664 / 534 25 28
[email protected]
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