- 15.09.2011, 11:17:35
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Österreichs Hausarztpraxen vor dem Aus?
- Österreich ist Europa-Schlusslicht in der Ausbildung zum Allgemeinmediziner - Hausärzteverband alarmiert mit zwei Diskussionsabenden Wien (OTS) - Österreich ist europaweit das einzige Land Europas ohne universitär verankerte Ausbildung zum Allgemeinmediziner. Gleichzeitig wurden die erfolgreichen Lehrpraxen durch ein unzumutbares Besoldungssystem von der Politik de facto abgewürgt. Mehr und mehr zeigt dies in der Praxis seine Wirkung: Den Hausärzten fehlt es an Nachwuchs, ein Berufsstand steht vor dem K.O. Mit zwei Diskussionsabenden im Wiener RadioKulturhaus will der Österreichische Hausärzteverband die Verursacher dieser dramatischen Situation aufrütteln und fragt "Wem nützt das Hausarztsterben?". Der Start der Gesprächsreihe erfolgt am 18. Oktober. Primärversorgung in Gefahr Die Situation ist alarmierend: Die Zahl junger Hausärzte nimmt in Österreich seit einigen Jahren rapid ab. Dem steht eine massive Pensionierungswelle in den nächsten Jahren gegenüber, zahlreiche Hausarztpraxen werden künftig leer stehen. Die Nachfolgeproblematik wird ohne ein rasches Umdenken kaum mehr zu lösen sein, die ärztliche Primärversorgung - speziell in ländlichen Regionen - gerät zunehmend in ernste Gefahr. "Kein Wunder", meint Dr. Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes. "Wenn Politiker von der Aufwertung des Hausarztes sprechen, meinen sie dessen Rolle als Krankheitsverwalter bei abnehmendem Honorar". Ein gut ausgebildeter spezialisierter Allgemeinmediziner stehe dem datenhörigen, rein ökonomisch orientierten Steuerungssystem, wie es die Gesundheitsreform vorsieht, lediglich als Hindernis im Wege. Wie sich das auf die medizinische Versorgung der Menschen auswirke, sei den Reformern dabei letztlich gleichgültig, fürchtet der Hausärzte-Präsident. Die flächendeckende, wohnortnahe, persönliche und vertrauensvolle Behandlung durch den Hausarzt könnte in unserem Land somit schon demnächst Geschichte sein. Das Ausbildungs-Desaster "Der sicherste Weg, eine Berufsgruppe auszulöschen, ist, dafür zu sorgen, dass ihr Nachwuchs ausbleibt", so Euler. Und genau das passiere an Österreichs Hochschulen. Das Fach Allgemeinmedizin ist an den öffentlichen Universitäten noch immer nicht institutionalisiert, der Hausarztberuf verschwindet damit aus dem Blickfeld des medizinischen Nachwuchses. Die Geringschätzung der Hausärzte setzt sich in der praktischen Berufsausbildung fort, die neuerdings auch noch mit kaum überwindbaren Hürden belegt wird, wie der Allgemeinmediziner und langjährige Lehrpraxisleiter Dr. Michael Wendler berichtet. Trotz widriger Rahmenbedingungen und fehlender Strukturen - grundlegende Bereiche wie Finanzierung, Qualitätssicherung oder Ergebnisevaluation sind unzureichend geregelt - habe das Lehrpraxis-System mit viel persönlichem Einsatz lange Zeit funktioniert. Durch ein neuartiges, beispielloses Besoldungssystem, das kürzlich unter Zustimmung der eigenen Standesvertretung beschlossen wurde, sei nun aber auch dieser Ausbildungsweg dem Ende nahe. Der Hausarzt als "Fehler im System"? Die systematische Geringschätzung der Allgemeinmedizin hat freilich Tradition seit über 50 Jahren. "Die Beschwörung einer stets verfügbaren und preiswerten medizinischen Rundumversorgung gehört seit Jahrzehnten zu den medien- und patientenwirksamen Ritualen von Kassen und Politik. In der täglichen Realität führt jedoch eine solche Primär- und Hausarztmedizin ein Aschenputteldasein", betont der Münchener Universitätsprofessor für Allgemeinmedizin Dr. Frank Mader. Dabei ist Allgemeinmedizin keineswegs ein intuitiv betriebenes, bunt zusammen-gewürfeltes Querschnittsfach, sondern stützt sich auf fundierte wissenschaftliche Grundlagen seit den Arbeiten Professor Robert Brauns in den 60er-Jahren, die sich längst auch in der Praxis bewährt haben. Auch von Patientenseite wird die Rolle des Hausarztes als medizinischer Experte und Vertrauensperson immens geschätzt, wie aktuelle Umfragen beweisen. Der bürokratisch und steuerungspolitisch getrieben Verachtung ihrer Heilkunst wollen die Hausärzte vor diesem Hintergrund nun "dramatisch widersprechen", wie es Präsident Euler formuliert. ~ Diskussionsabend "Die verachtete Heilkunst" Referenten: Univ. Prof. Dr. Frank Mader Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Gemeinschaftspraxis in Nittendorf/Bayern, Proktologe, Honorarprofessor für Allgemeinmedizin an der Technischen Universität München, Vorsitzender für sämtliche Fortbildungsfächer der Facharztprüfung der Bayerischen Landesärztekammer, Medizinjournalist Dr. Michael Wendler Allgemeinmediziner, Lehrpraxisleiter Dr. Sabine Eder Ärztin im letzten Jahr des KAGES-Turnus in der Steiermark Moderation: Dr. Christian Euler Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes Eine weitere Veranstaltung der aktuellen Diskussionsreihe des Österreichischen Hausärzteverbandes "Wem nützt das Hausarztsterben?" findet im RadioKulturhaus am 15. November um 19:00 Uhr statt. Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at Datum: 18.10.2011, um 19:00 Uhr Ort: RadioKulturhaus Argentinierstraße 30A, 1040 Wien ~ Rückfragehinweis: PR-Büro Halik, Mag. (FH) Susanna Schindler, Kaiserstraße 84/1/8, 1070 Wien, Tel.: (01) 596 64 21-14, [email protected] Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1916/aom *** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT *** OTS0095 2011-09-15/11:17 151117 Sep 11
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