- 14.09.2011, 15:35:45
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Auslaufende Stärkekartoffel-Marktordnung bereitet Branche große Probleme
Rückgang der Produktion dieser Kultur um 30% erwartet
Wien (OTS/aiz.info) - Durch das Auslaufen der europäischen
Marktordnung für Stärkekartoffeln mit Ende 2011 wird innerhalb der
Branche ein Rückgang der Produktion dieser Kultur um 30% erwartet -
der Sektor wird somit massiv gefährdet. Die Europäische Vereinigung
der Stärkekartoffelproduzenten (CESPU) fordert daher gemeinsam mit
dem österreichischen Verband von der EU-Kommission Maßnahmen zur
Absicherung der Branche. Die Agrana als wichtiger Verarbeiter dieses
Rohstoffs unterstützt diese Forderungen.
Stärkeindustriekartoffeln werden in den meisten europäischen
Ländern in benachteiligten Gebieten produziert, in denen aus
klimatischen oder geologischen Gründen wenig pflanzenbauliche
Alternativen bestehen. Die Produktion dieser Kultur ist für die
Landwirte dieser Regionen somit ein wichtiger Teil ihres Einkommens
und damit für viele Länder unverzichtbar. EU-weit werden auf knapp
200.000 ha Stärkekartoffeln angebaut. In manchen Ländern sind über
50% aller gepflanzten Erdäpfel Stärkekartoffeln.
EU-Kommission soll Produzenten weiter unterstützen
Werner Hilse, Präsident der CESPU, appellierte heute anlässlich
der Generalversammlung des Verbandes in Wien an die EU-Kommission,
die Stärkekartoffelproduzenten entweder weiterhin finanziell zu
unterstützen oder einen entsprechenden Entwurf zur Weiterführung der
Marktordnung vorzulegen. "Die Mitbewerber aus Asien scharren mit dem
Substitutionsprodukt Tapiokastärke bereits in den Startlöchern. Mit
der Absicherung eines starken europäischen Stärkekartoffelmarktes
würden somit auch Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung
gesichert", argumentierte Hilse.
Die Marktordnung für Stärkekartoffeln regelt insbesondere
Produktionsquoten und Mindestpreise. Die EU-Quote beträgt etwa 1,95
Mio. t, davon entfallen 47.700 t auf Österreich, das entspricht rund
220.000 t Kartoffeln. Die EU-Unterstützung für Stärkekartoffeln
beläuft sich derzeit auf EUR 180 Mio. Einerseits erhalten die
Verarbeitungsbetriebe Zahlungen für den Mehraufwand bei
Stärkekartoffeln, andererseits bekommen die Landwirte Prämien (EUR
15,- je t). Wenn diese Gelder künftig deutlich verringert werden
sollten, wird laut Hilse der Anbau dieser Frucht zunehmend
unattraktiver, außerdem wird der Preis der konkurrierenden Rohstoffe
Weizen und Mais eine erheblichere Rolle spielen.
Produktionsmöglichkeiten für benachteiligte Gebiete absichern
In Österreich bauen etwa 1.500 Landwirte Stärkekartoffeln an, 10%
davon biologisch. Jeder dritte im Inland produzierte Erdapfel wird in
Gmünd im Waldviertel zu Stärke verarbeitet. Mehr als die Hälfte der
Erzeugung wächst in dieser niederösterreichischen Region. In diesem
strukturschwachen Gebiet ist der Stärkekartoffelbau ein wichtiger
Bestandteil der Landwirtschaft sowie der vor- und nachgelagerten
Branchen. Produktionsalternativen sind hier weniger vorhanden als in
anderen Regionen.
"Derzeit werden Österreichs Stärkekartoffelerzeuger mit EUR 4 Mio.
gefördert. Das ist ein verschwindend kleiner Teil des Agrarbudgets.
Ohne Unterstützung wäre aber die Wettbewerbsfähigkeit dieser
Produktion stark beeinträchtigt und in unserem Land nicht mehr
möglich", warnte Alfred Sturm, Obmann der Vereinigung
österreichischer Stärkekartoffelproduzenten (VÖSK). Sturm forderte
auch im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) von 2014 bis 2020
sektorspezifische Maßnahmen für diesen Bereich. Der Entwurf von
EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos zur GAP nach 2013 sehe Instrumente
vor, auch in Zukunft besondere Maßnahmen für spezielle
Produktionssparten und sensible Gebiete festzulegen, so der Obmann.
Es gelte nun, die Möglichkeit von gekoppelten Zahlungen (zumindest
für einen entsprechenden Übergangszeitraum) zu nutzen und damit einen
traditionellen Produktionszweig in Österreich abzusichern.
Agrana: Es stehen auch Arbeitsplätze und Investitionen auf dem Spiel
Fritz Gattermayer, Mitglied des Vorstandes der Agrana
Beteiligungs-AG, unterstützte dieses Forderungen aus Sicht der
Stärkeindustrie uneingeschränkt. "Durch die Reduzierung der
Wettbewerbsfähigkeit von Stärkekartoffeln im Vergleich zu
Alternativkulturen bei Abschaffung der Marktordnung könnte
mittelfristig das Rohstoff-Aufkommen zur vollständigen Auslastung der
Kartoffelstärkefabrik in Gmünd nicht mehr gewährleistet sein", warnte
Gattermayer. Die Agrana leiste derzeit schon einen Zuschlag von EUR
26,- je t zum Mindestpreis der Stärkekartoffeln, um den Landwirten
einen entsprechenden Deckungsbeitrag zu ermöglichen. Aber auch hier
seien die Möglichkeiten begrenzt.
"Es wurde in den vergangenen Jahren sehr viel in die Veredelung
investiert, um hochspezialisierte Produkte zu erzeugen. Im Biobereich
beispielsweise ist Agrana derzeit Marktführer in Europa. Ob diese
marktseitigen Maßnahmen ausreichen, um eine nachhaltige
Kartoffelstärkeproduktion in Österreich sicherzustellen, bleibt
jedoch angesichts der strukturellen Nachteile in Frage gestellt. Es
ist daher aus Sicht der Industrie notwendig, dass die
Stärkekartoffelbranche auch künftig eine Unterstützung erfährt. Es
wäre nicht sinnvoll, die in den vergangenen Jahren aufgebauten und
derzeit gut funktionierenden Strukturen aufs Spiel zu setzen", so
Gattermayer.
Kartoffelstärke findet sich in zahlreichen Produkten des täglichen
Bedarfs - so zum Beispiel in Brot- und Backwaren, aber auch in Suppen
und Saucen sowie in diversen Kartoffelgerichten. Weiters ist
Kartoffelstärke ein wichtiger Bestandteil von Produkten der Papier-
und Kartonerzeugenden Industrie sowie der Textil-, Pharma- oder
Bauchemischen Industrie.
(Schluss) kam
Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
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