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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das "Hascherl" passt zur Debatte über Frauenlohn"
Ausgabe vom 10.9.2011
Graz (OTS) - Was sich der Chef der Angestelltengewerkschaft
erwartet, wenn er lautstark für Sonderlohnrunden für Frauen eintritt?
Er dürfte sich Applaus erwarten. Aber wer kann auf den Vorschlag
eines Mannes applaudieren, dem 2011 einfällt, dass die eklatanten
Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen nun mit
Sonderrunden alle drei Jahre verkleinert werden müssten. Dass
Österreich mit Ländern wie Estland bei den Einkommensunterschieden
europäisches Schlusslicht ist, dürfte ja der Gewerkschaft in den
letzten Jahrzehnten bei den jährlichen Kollektivrunden hoffentlich
nicht entgangen sein.
Ein großer Applaus für den Vorstoß wird somit kaum aufbranden. Was
soll auch bei Extra-Runden anders laufen als bei
Kollektivvertragsverhandlungen. Vielleicht ist der Vorschlag aber ein
Eingeständnis männlicher Gewerkschafter, in all den Jahrzehnten nie
mit jener Vehemenz und Unerbittlichkeit für frauendominierte Branchen
gekämpft zu haben wie für männerdominierte.
Dass die Wirtschaftskammer die Forderung zum Elfmeter verwandelt, war
zu erwarten. Der Vorschlag sei doch entwürdigend, denn er würde
bedeuten, man bräuchte für die "armen Hascherln eine Extrarunde",
empörte sich der Wirtschaftskammerpräsident. Frauen hätten es
verdient, jedes Jahr berücksichtigt zu werden, belehrt er die
Gewerkschaft.
Ja, so laufen Debatten über Frauendiskriminierung, ein Mix aus
Heuchelei, Ironie, Halbherzigkeit, Wortblasen, die bei der ersten
Berührung zerplatzen. Das Bild der Frau als Hascherl passt da gut
dazu.
Natürlich stimmt es, dass ein weiblicher Friseurlehrling gleich viel
verdient wie ein männlicher und dass weit mehr Frauen als Männer in
schlecht bezahlten Branchen arbeiten. Warum aber sind nur neun
Prozent Frauen mit abgeschlossener Lehre als Facharbeiter eingestuft,
während es bei den Männern 32 Prozent sind?
Gründe für die Einkommensunterschiede von bis zu 30 Prozent bei
Vollzeitarbeit gibt es viele. Wenn eine Pflegerin vier Jahre wegen
eines Kindes ausscheidet, hat sie nach der Rückkehr einen
Einkommensnachteil von bis zu 15.000 Euro in zehn Jahren. Ob die
Gewerkschaft dies in Extrarunden "analysieren" will? Muss sie nicht.
Für ein Ende dieser mittelbaren Diskriminierung durch Mutterschaft
müssten, wie Sozialrechtsexperten seit Langem fordern, die
Karenzzeiten als Vordienstzeiten angerechnet werden.
Aber das wissen alle ohnehin - ohne "Extrarunden". Was fehlt ist
nicht die Analyse, was fehlt, ist Wille.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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