Kapellari für "Kultur der Treue zu dem, was wir versprochen haben"
Grazer Bischof zieht mit Hirtenbrief nach 50 Priester- und 30 Bischofsjahren Bilanz
Ein Blick auf die letzten 50 Jahren mache "dankbar für vieles" werfe
aber auch die Frage auf, "was neu und anders sein müsste und auch
könnte", so Kapellari. Zur feststellaren "Instabilität" in Kirche
und Gesellschaft komme hinzu, dass man über Diagnose und Therapie
weithin nicht einig sei. "Manche Wünsche nach Veränderungen in der
Kirche geraten da und dort zu bedrohlichen Überforderungen, ohne
dass dies erkannt wird", stellt der dienstälteste amtierende Bischof
in Österreich fest und empfiehlt: "In der jetzigen Situation der
Kirche in Österreich können wir einander zunächst helfen, Gegensätze
besser auszuhalten."
Mit Blick auf möglich Veränderungen in der Kirche "gibt es
Unaufgebbares, das als solches nicht verändert werden kann."
Kapellari warnt deutlich vor "aggressiven Vereinfachungen", weil
diese "die Sicht auf das wirklich Unveränderbare wie auf das
schrittweise Veränderbare" blockieren.
Auch sei feststellbar, dass in der öffentlichen Meinung über die
Kirche "die Tendenz zu einer raschen Anpassung an das, was allgemein
einleuchtet", dominiere. Beispielsweise werde der "unübersehbare
Mangel an Priestern" manchmal als die zentrale Ursache für eine
abnehmende Beteiligung am kirchlichen Leben und vor allem an der
Liturgie angesehen. Suggestiv werde dann oft gesagt, "dass ohne eine
Änderung der Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Dienst das
Netz der Seelsorge bald zusammenbrechen werde, so als ob allein
durch die Veränderungen der Zulassungskriterien eine intensivere und
erfolgreichere Seelsorge schon gesichert wäre".
Nötig sei eine "Blickumkehr" und ein Schauen auf die Weltkirche -
auf das, was dort an Gutem unter oft viel schwierigeren Bedingungen
aber mit einem fröhlichen Glauben gelinge. "Und wir müssten da
besonders auch auf den Papst blicken. Die Einheit mit ihm gehört
untrennbar zur katholischen Identität", hält Bischof Kapellari fest.
In anderen Ländern der Erde sei man "oft negativ erstaunt über die
kirchlichen Probleme in deutschsprachigen Ländern" und könne nicht
verstehen, "dass Priester angesichts verstehbarer Sorgen öffentlich
zu Ungehorsam auffordern." Wörtlich sagt der Stellvertretende
Vorsitzende der Bischofskonferenz: "Selbstverständlich gibt es in
der Kirche keinen blinden Gehorsam. Gerade heute brauchen wir aber
eine Kultur der Treue zu dem, was wir versprochen haben."
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