OTS0206   1. Sept. 2011, 14:53

AWO-Forum "Emerging Markets": Wo österreichische Unternehmen enorme Potenziale finden

Österreichische Wirtschaftsdelegierte informieren über Mittelamerika, Afrika, Zentralasien und die Türkei


Im zweiten Panel "Strategische Märkte" beim
AWO-Forum "Emerging Markets" im Haus der Wirtschaft präsentierten die
Wirtschaftsdelegierten Andreas Schmid (Mexiko), Stefan Pistauer
(Johannesburg), Konstantin Bekos (Ankara) und Michael Müller (Almaty)
einen Überblick über die regionalen Märkte und Geschäftschancen in
ihren Wirkungsbereichen.

"In Zentralamerika, das von Panama bis Guatemala reicht, hat sich
die Situation nach der Wirtschaftskrise beruhigt. Das Bankensystem
ist stabil", betonte Andreas Schmid, Handelsdelegierter in Mexiko.
Man müsse den mittelamerikanischen Raum in seiner Gesamtheit
betrachten. Vor allem Mexiko sei die dominante Volkswirtschaft in der
Region, von wo aus sich auch die angrenzenden Märkte bearbeiten
lassen. Besonders ideal sei dies, so Schmid, für die Produktion und
Distribution, beispielsweise für österreichische Anlagenbauer.
Begünstigt durch Finanzierungsformen der Interamerikanischen
Entwicklungsbank entwickelt sich besonders der Anteil an grünen
Projekten in der Region sehr dynamisch. "Mexiko ist als Empfänger von
erneuerbarer Energie besonders interessant für österreichische
Firmen", hob Schmid hervor. Besonders hohes Potenzial bestehe in den
Branchen Alternativenergie und Infrastruktur (mit dem
Gesundheitsbereich) und Bildung.
Der Eintritt in den mexikanischen Markt sei allerdings nichts für
Anfänger. "Intensive Marktbearbeitung und Präsenz vor Ort sind
erforderlich", meinte der Wirtschaftsdelegierte. Deshalb seien für
einen Projekterfolg umfassende Investitionen in Zeit und Personal
nötig. Weiters sei es auch für Sublieferanten bei Großprojekten
besonders wichtig, rechtzeitig - wenn möglich schon in der
Ausschreibungsphase - über Informationen und Projektdetails zu
verfügen. Diesen Informationsvorsprung verstärkt an österreichische
Unternehmen weiterzugeben, ist unser Ziel", so Schmid.

"Afrika befindet sich in einer Wachstumsphase, die Anzahl der
Großkonflikte in der Region ist gesunken und die Inflation wurde
eingedämmt. Der innerafrikanische Handel weitet sich aus. Afrika wird
seinen Anteil am Welt-BIP von 4% im Jahr 2010 bis auf 12% im Jahr
2050 verdreifachen und ist somit eine wirkliche Wachstumsregion",
sagte Stefan Pistauer, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in
Johannesburg. "Der Kontinent lebt vom Rohstoff-Boom, so gehen 24% des
Wachstums auf die Rohstoffvorkommen zurück. Rohstoffe sind auch für
ein Drittel des BIP verantwortlich", so Pistauer.
Besonders gefordert sei die Landwirtschaft in Afrika. Da die
Weltbevölkerung stetig größer wird und um die Nahrungsversorgung zu
gewährleisten zu können, muss das Potenzial besser genützt werden,
denn der Kontinent verfüge über die meisten Flächen, die bis dato
noch nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Der Trend zur
Urbanisierung sei am ganzen Kontinent spürbar. "In Afrika gibt es
bereits 52 Millionenstädte, Tendenz steigend. Dadurch wird sich der
Wohlstand erhöhen und ein afrikanischer Mittelstand wächst heran. In
absehbarer Zukunft wird es mehr Haushalte geben, die in der Lage
sind, sich etwas zu leisten. Für gute Marken gibt es auch in Afrika
eine Käuferschicht", ist Pistauer überzeugt.
Chancen für österreichische Unternehmen sieht der
Wirtschaftsdelegierte besonders in den Bereichen Wasser-,
Lebensmittel- und Energieversorgung und beim Ausbau der
Transportmittel. Die Auf- und Nachrüstung der Industrie und Spital-
und Medizintechnik sind weitere Wachstumsbranchen.

Konstantin Bekos, der Wirtschaftsdelegierte in Ankara, sieht die
Türkei als "Lokomotive für Europa und die Schwarzmeerregion". Die
Türkei sei ein Millionenland mit boomendem Markt und enormem Wachstum
und für Österreich beinahe ein Nachbarland. "Das Land strebt den
EU-Beitritt an und modernisiert sich rasch. Besonders die
Bauwirtschaft erlebt einen regelrechten Boom. Österreichische
Unternehmen erfreuen sich in der Türkei eines guten Rufs und stehen
für Qualität", hob Bekos hervor.
Ein Problem des Landes sei die mangelnde Produktivität der
Landwirtschaft. Hier könnten österreichische Firmen mithelfen, diese
zu heben. Auch beim Aufbau einer modernen Infrastruktur ergeben sich
Chancen für heimische Unternehmen. So soll beispielsweise die
türkische Bahn auf Hochgeschwindigkeit umgestellt werden. "Die rasch
wachsende Industrie des Landes benötigt viel Energie, 1000 bis 2000
neue Kraftwerke sind geplant. Gerade im Bereich der Sonnenenergie hat
die Türkei noch enormes Aufholpotenzial", unterstrich Bekos. Außerdem
biete sich die Region als Hub für Geschäftskontakte nach Asien an.
"Das Land sieht sich selbst als Brücke zwischen Ost und West. Märkte
wie zum Beispiel der Irak können von der Türkei aus gut mitbearbeitet
werden", so der Wirtschaftsdelegierte.

Michael Müller, Wirtschaftsdelegierter in Almaty, informierte über
seinen Wirkungsbereich, die Länder Kasachstan, Kirgisistan,
Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan: "Alle diese Nationen
haben das Sowjeterbe gemeinsam, es gelten ähnliche Geschäftspraktiken
wie in Russland. Deshalb sind diese Märkte für Unternehmer
interessant, die bereits den russischen Markt bearbeiten." Die
Staaten Zentralasiens seien in erster Linie Ressourcen-Lieferanten,
denn sie verfügen über hohe Rohstoffvorkommen an Gold, Silber,
Eisenerz, Kupfer und Blei. Ihr gemeinsames Ziel sei eine wachsende
Industrialisierung, um mehr Wertschöpfung zu generieren. Daher seien
Zulieferer für die fortschreitende Modernisierung der
Industrieanlagen gefragt. Auch für die Sicherung und Verarbeitung von
Rohstoffen vor Ort wie für eine generelle Modernisierung der
kommunalen Infrastruktur und der Gesundheitsversorgung ergeben sich
Geschäftschancen für heimische Firmen. (TB)

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0206 2011-09-01 14:53 011453 Sep 11 PWK0005 0779



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