Zollitsch erwartet Reformen bei wiederverheirateten Geschiedenen
DBK-Vorsitzender in "Zeit": "Das ist eine Frage der Barmherzigkeit"
Hamburg, 31.08.11 (KAP) Der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Robert Zollitsch, erwartet
Reformen der katholischen Kirche im Umgang mit wiederverheirateten
Geschiedenen. Die Kirche müsse sich mehr damit auseinandersetzen,
wie sie mit Menschen umgehe, "deren Leben in wichtigen Dingen
unglücklich verlaufen ist", sagte Zollitsch in einem Interview mit
der Wochenzeitung "Die Zeit". Dazu gehöre auch eine gescheiterte Ehe.
"Das ist eine Frage der Barmherzigkeit", fügte der Erzbischof hinzu;
"und darüber werden wir in nächsten Zeit intensiv sprechen."
Zollitsch äußerte die Hoffnung, dass sich Fortschritte in dieser
Frage "noch zu meinen Lebzeiten" ergeben.
Mit seinen Äußerungen bezog sich der DBK-Vorsitzende auch auf
Bundespräsident Christian Wulff, der nach einer Scheidung zum
zweiten Mal verheiratet ist. "Er ist für mich ein Katholik, der
seinen Glauben lebt und darunter leidet, wie die Situation ist",
sagte Zollitsch. Er sei Wulff dankbar für sein öffentliches
Glaubenszeugnis.
Zugleich räumte der DBK-Vorsitzende gelegentlichen Unmut über das
schleppende Tempo von Veränderungen in der Kirche ein: "Ich laufe
auch manchmal Gefahr, müde zu werden, und denke: Warum geht es nicht
schneller?"
Zollitschs Vorgänger auf dem Freiburger Bischofsstuhl, Erzbischof
Oskar Saier, war 1993 bei einem gemeinsamen Vorstoß mit den
Bischöfen Walter Kasper (damals Rottenburg) und Karl Lehmann (Mainz)
für einen anderen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in Rom
gescheitert.
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