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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Die jährliche Empörung über längst Bekanntes" (Von Christian Weniger)
Ausgabe vom 29.8.2011
Graz (OTS) - Zur unehrlichen Debatte über die
Zwei-Klassen-Medizin.
Aber jetzt ist endgültig Schluss mit lustig. Am Mittwoch voriger
Woche wies der Verein für Konsumenteninformation nach, dass
Privatversicherte in öffentlichen Spitälern für Staroperationen
schneller einen Termin bekommen als normale Krankenkassenpatienten.
Das Institut für Höhere Studien legte am Wochenende nach. Auch bei
Hüftoperationen würden Zusatzversicherte bevorzugt. Diese
Zwei-Klassen-Medizin. Gesundheitsminister Alois Stöger reagierte so,
wie man es sich heutzutage von einem Minister erwartet. Er empörte
sich mit einem kurzen, einprägsamen Wort: "Sauerei."
Dabei ist die Diskussion um die Zwei-Klassen-Medizin beileibe nicht
neu, aber dafür verlogen wie immer. Sie findet regelmäßig jedes Jahr
statt. Zu Recht. Denn irgendwann muss eine grundsätzliche
Entscheidung getroffen werden. Will man überhaupt in öffentlichen
Spitälern, die zu einem Gutteil aus Steuermitteln gespeist werden,
Patienten, die für eine bessere Versorgung extra bezahlen? Ob also
die Tante Resi mit etlichen anderen Kranken in einem schlichten Raum
leiden soll, während im selben Trakt andere Patienten in komfortablen
Zwei-Bett- oder gar Ein-Bett-Zimmern logieren. Und zu denen kommt
dann auch noch der Herr Professor zur Visite.
Natürlich erwarten sich Zusatzversicherte für ihr Geld in Spitälern
eine bessere Betreuung, wahrscheinlich auch raschere
Operationstermine. Mehr als eine Million Österreicherinnen und
Österreicher zahlt dafür Monat für Monat ihre Versicherungsbeiträge.
Rund eine Milliarde Euro, so die Ärztekammer, fließt jährlich von den
Privatversicherungen in die Krankenanstalten. Die öffentliche Hand
entlohnt Spitzenmediziner vergleichsweise bescheiden, die
Versicherungshonorare peppen die Einkommen aber gehörig auf. Ohnehin
eine fragwürdige Praxis, denn medizinisch dürfen
Sonderklassepatienten ja keine Extraleistung erhalten.
Doch, man darf fordern, in öffentlichen Krankenhäusern müssten alle
gleichbehandelt, betreut, untergebracht werden. Dann freilich muss
die Steuerkasse den Krankenhäusern den Entfall der Einnahmen von
Privatversicherten ersetzen.
Oder es findet das statt, was es in anderen Ländern schon gibt. Die
Medizin wird zum Geschäft. Spitzenmedizin findet mit gut entlohnten
Spitzenärzten in feinen und technisch bestausgestatteten
Privatspitälern statt - für zahlende Patienten. Der Tante Resi bleibt
als Normalversicherte das öffentliche Spital, in dem nicht mehr jeder
bekommt, was gut und teuer ist.
Dann, ja dann wäre wirklich Schluss mit lustig. ****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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