• 26.08.2011, 19:32:22
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie fehlende Uni-Politik die Zukunft einbetoniert" (von Norbert Swoboda)

Ausgabe vom 27.08.2011

Graz (OTS) - Jetzt hat Österreich also die Empfehlungen zum
geplanten Hochschulplan. Die ausländischen Experten erstellten einen
Befund, der niemanden überrascht. Es drohe die Mittelmäßigkeit, würde
man die Probleme weiterhin aussitzen.

Einige überraschende und weltfremde Ratschläge wurden erteilt: Eine
Vervierfachung des Fachhochschulangebotes zulasten der Unis,
Deutschland solle zahlen und die Industrie ihren Beitrag verdoppeln.
Ansonsten liest sich der Bericht wie ein Wunschzettel der ÖVP:
Studiengebühren und Zugangsregelungen werden empfohlen. Der Aufschrei
von SPÖ und Grünen sowie der Studenten war damit programmiert.

Das sind keine guten Vorzeichen. Daran werden auch neue Kommissionen
und Konferenzen, die jetzt eingesetzt werden sollen, nichts ändern.
Es fehlt die Wegbeschreibung, wie Blockaden und Denkschablonen gelöst
werden können.

Es droht eine Fortsetzung der gescheiterten Uni-Politik der letzten
Jahre. Sie taumelte zwischen Nicht-Aktivität und fruchtlosen
Eruptionen. Wenn sie wahrgenommen wurde, dann als Appendix zur
Schulpolitik. Das Ministerium selbst schwankte von einem Minister zum
anderen. Unter dem mächtigen, aber visionslosen Generalsekretär ist
das Ministerium zum reinen Selbstverwaltungsbetrieb herabgesunken.

Versuche der Minister, eine Achse zum SPÖ-Bildungsministerium
aufzubauen, wurden von beiden Seiten von der Parteispitze torpediert.

Die Unis versäumten Hausaufgaben (Bologna-Misere) und träumen in
weiten Teilen immer noch von humboldtschen Verhältnissen des 19.
Jahrhunderts. Zudem versäumten sie es, sich andere Verbündete zu
suchen. Diese sollten in der Industrie und Wirtschaft sitzen, denn
die benötigen gute Absolventen - aller Studienrichtungen übrigens.
Bisher gibt es von dort zwar allerlei gute Ratschläge, aber kaum
politischen Druck oder besonderes finanzielles Engagement.

Auch die Bevölkerung will die Realitäten nicht wirklich wahrhaben.
Ein Uni-System, das international reüssieren will, benötigt Geld -
zum Beispiel jenes, das für die Hacklerregelung ausgegeben wird.

Ohne Anstrengung, Wettbewerb und Auslese wird es eben leider auch
nicht gehen. Und solange die offizielle Studentenschaft den freien
Zugang jederzeit für jedermann in jedem Fach zum Nulltarif fordert,
ist eine vernünftige Hochschulplanung Illusion.

Alle haben sich in ihren Positionen bequem eingebunkert. Dass so die
Zukunft der jungen Menschen beschädigt oder gar zubetoniert wird,
ficht niemanden an.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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