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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Politische Korruption und verlotterte Sitten" (Von Wolfgang Simonitsch)
Ausgabe vom 25.8.2011
Graz (OTS) - Hat die Telekom wirklich das ganze Land korrumpiert?
Schön langsam könnte man diesen verheerenden Eindruck haben. Seit der
frühere Telekom-Vorstand Gernot Schieszler vor den Ermittlern beredt
die Chance nutzen will, sich als Kronzeuge zu bewähren, um, falls er
akzeptiert wird, zumindest nicht ins Gefängnis zu müssen, wird das
Sittenbild rund um den früheren Staatsbetrieb Telekom Austria täglich
um unfassbare Details reicher. Sie sind imstande, selbst hartleibigen
Zeitgenossen den letzten Glauben an Ehre und Anstand zu rauben.
Die Vorgänge um den früher voll verstaatlichten Konzern, der sich
neuerdings nur noch A1 nennt, könnten - falls sie sich denn als wahr
herausstellen - das ohnehin schon durch andere Affären wie jene um
Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser angekratzte Image der
Regierungen Schüssel I und II endgültig zerstören.
Was da zuletzt an politischer Korruption, an Freunderlwirtschaft und
Selbstbereicherung der Telekom-Manager ruchbar geworden ist, erinnert
an einen schlechten Thriller. So soll der frühere BZÖ-Vizekanzler
Hubert Gorbach Gesetze für die Telekom hingebogen haben, die sich
dann mit ein paar Hunderttausend Euro bei ihm persönlich und seiner
Partei erkenntlich gezeigt haben soll.
Freilich gilt für Gorbach die Unschuldsvermutung. Selbstredend
schützt sie auch Ex-ÖVP-Chef Wilhelm Molterer, der angeblich beim
noch zu knapp 30 Prozent staatlichen Konzern für den Fußballverein
seines Heimatorts interveniert und zumindest gut 20.000 Euro
herausgeschlagen haben soll. Der inzwischen wegen
EU-Korruptionsverdacht aus der ÖVP hinausgeworfene frühere
Innenminister Ernst Strasser wiederum soll mit anderen ÖVP-Politikern
und dem als Waffenlobbyisten bekannten Alfons Mensdorff-Pouilly beim
Millionengeschäft um den neuen Polizeifunk mit der Telekom dubios
gedealt haben.
Das alles kommt jetzt vor der noch frischen Erkenntnis zum Vorschein,
dass der Ex-Telekom-Vorstand in fast trauter Gemeinsamkeit nicht
davor zurückschreckte, 2004 den Kurs der eigenen Aktie so
manipulieren zu lassen, dass er neun Millionen ergaunern konnte.
Es gibt noch andere fragwürdige "Geschäfte", die niemand prüft. Wie,
dass Ex-Telekomchef Heinz Sundt & Co. vom ominösen Martin Schlaff und
Partnern um 1,6 Milliarden die bulgarische MobiTel kauften. Das Trio
hatte sie zuvor um 800 Millionen erworben. Wer hat sich dabei eine
goldene Nase verdient? Der offenbare Filz und die Skrupellosigkeit im
Konzern lassen die Fantasie grenzenlos werden.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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