• 18.08.2011, 10:01:16
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EZB-Leitzinserhöhung bei Kundenzinssätzen abermals vorweggenommen

Die Entwicklung der Kundenzinssätze der Banken in Österreich und im Euroraum im 2. Quartal 2011

Wien (OTS) - Österreichs Kreditinstitute haben im zweiten Quartal
2011 die zweite Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB)
vorweggenommen und die Kreditzinsen, aber auch die Sparzinsen erhöht.
Teurer wurden daher im Neugeschäft sowohl Unternehmens- als auch
Wohnbaukredite. Allerdings profitierten die Kunden auch von
steigenden Einlagenzinssätzen - vor allem bei kürzerer Bindungsfrist.
Die österreichischen Haushalte und Unternehmen können sich aber
weiterhin günstiger finanzieren als im Euroraum.

Schon vor der zweiten Leitzinserhöhung der Europäischen
Zentralbank in diesem Jahr (im Juli um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5%)
führten ansteigende Zwischenbankzinssätze (der 3-Monats-EURIBOR stieg
um 0,31 Prozentpunkte auf 1,49%) im Neugeschäft der Banken mit Kunden
zu Anstiegen. Eine ähnliche Entwicklung war schon im ersten Quartal
vor der Zinserhöhung im April zu beobachten.

Im Kreditgeschäft mussten Unternehmen insbesondere bei
Großkrediten (über 1 Million Euro) einen Anstieg der Zinskonditionen
in Kauf nehmen. Der Durchschnittszinssatz stieg in dieser Kategorie
bis Ende Juni um 0,38 Prozentpunkte auf 2,67%, nach 2,29 Prozent per
Ende des ersten Quartals. Im Jahresvergleich stiegen die Zinsen um
0,87 Prozentpunkte. Dennoch blieb der entsprechende Zinssatz noch
unter dem Vergleichswert des Euroraums (2,97%). Etwas geringer fiel
der Anstieg bei Unternehmenskrediten bis 1 Million Euro aus, die im
zweiten Quartal um 0,23 Prozentpunkte und im Jahresvergleich um 0,59
Prozentpunkte stiegen, mit 2,97% aber noch deutlicher unter dem
Euroraum-Vergleichswert (4,04%) lagen. Bei Unternehmenskrediten wurde
somit die Leitzinsanhebung der EZB von Juli bereits im Juni
vorweggenommen.

Auch hinsichtlich des aushaftenden Gesamtbestandes gab es
insbesondere bei Unternehmenskrediten im zweiten Quartal Anstiege zu
beobachten. Mit einem Zuwachs von 0,18 Prozentpunkten im Quartal bzw.
0,37 Prozentpunkten im Jahresabstand fand sich auch hier bereits ein
Großteil der beiden Leitzinsanhebungen in den Kundenkonditionen
wieder, die mit 3,04% aber ebenfalls unter dem Durchschnitt im
Euroraum (3,72%) lag.

Bei Wohnbaukrediten gab es in Österreich im Neugeschäft im zweiten
Quartal auch Verteuerungen (um 0,26 Prozentpunkte auf 2,82%). Da im
Wohnbaubereich die Leitzinsänderungen aber traditionell langsamer
weitergegeben werden, war hier erst im März dieses Jahres der
historische Tiefststand des Durchschnittszinssatzes beobachtet
worden. Gegenüber dem Euroraumvergleichswert (3,84%) konnten Kunden
in diesem Segment einen Zinsvorteil von mehr als einem Prozentpunkt
lukrieren. Bei neuen Konsumkrediten genießen Österreichs Kunden nach
wie vor einen deutlichen Zinsvorteil gegenüber dem Durchschnitt des
Euroraums (5,02% gegenüber 6,66%). Die Anstiege blieben im zweiten
Quartal sowohl in Österreich (+0,09 Prozentpunkte) als auch im
Euroraum (+0,06 Prozentpunkte) vergleichsweise gering.

Bei neu hereingenommenen Einlagen von privaten Haushalten konnten
die Kunden insbesondere bei kürzeren Laufzeiten (bis 1 Jahr bzw. 1-2
Jahren) von steigenden Zinssätzen profitieren. Die Zinssätze stiegen
im zweiten Quartal um 0,31 bzw. 0,28 Prozentpunkte, im Jahresabstand
gar um 0,70 bzw. 0,87 Prozentpunkte auf 1,67% bzw. 2.25%. Damit
wurden in beiden Kategorien die zwei Leitzinserhöhungen schon bis
Juni ebenfalls mehr als vorweggenommen, die Zinssätze lagen im Juni
2011 aber dennoch relativ deutlich unter den Durchschnittswerten des
Euroraums (2,58 bzw. 3,25%). Letztere sind aber auf sehr hohe
Zinssätze in einigen südlichen Ländern zurückzuführen. Bei
längerfristig gebundenen Einlagen (über 2 Jahre) fiel der Anstieg der
Zinssätze in Österreich geringer aus (+0,12 Prozentpunkte im
Quartalsabstand bzw. 0,50 Prozentpunkte im Jahresabstand) und obwohl
auch hier die Leitzinserhöhungen bereits eingepreist wurden, lag der
Durchschnittszinssatz in Österreich im Juni 2011 nicht nur unter dem
Vergleichswert des Euroraums (3,14%), sondern erneut auch unter der
Inflationsrate (HVPI:3,7%).

Weitere statistische Informationen unter dieaktuellezahl.oenb.at
bzw. www.oenb.at im Bereich "Statistik und Melderservice":

Tabelle 1: Vergleich Neugeschäftszinssätze für Einlagen in
Österreich und im gesamten Euroraum
Tabelle 2: Vergleich Neugeschäftszinssätze für Kredite in Österreich
und im gesamten Euroraum
Tabelle 3: Vergleich der langfristigen Bestandszinssätze in
Österreich und im gesamten Euroraum
Tabelle 4: Entwicklung der EZB-Leitzinsen und der
Zwischenbankenzinssätze

Rückfragehinweis: Pressesprecher, Dr.Christian Gutlederer, Tel.: +43-
404 20 6609

Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Statistik Hotline
Tel.: (+43-1) 404 20-5555
mailto:[email protected]
http://www.oenb.at

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