- 09.08.2011, 11:10:45
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Greenpeace: Fischerei in Schutzgebieten ist illegal
Umweltschutzorganisation legt unabhängige Rechtsexpertise zu Meeresschutzgebieten vor
Wien/Hamburg (OTS) - Der Vorschlag des deutschen
Fischerei-Ministeriums, in den Meeresschutzgebieten der Nord- und
Ostsee die Fischerei mit Stellnetzen weiterhin zu erlauben, verstößt
gegen europäisches Naturschutzrecht. Zu diesem Schluss kommt ein
Rechtsgutachten, das Greenpeace heute in Hamburg veröffentlichte.
"Die Pläne der deutschen Regierung, die Fischerei mit Stellnetzen
weiterhin zu erlauben, machen deutlich, dass der Meeresschutz wie so
oft den Interessen der Fischerei untergeordnet wird. Das ist illegal
und gefährdet darüber hinaus das Überleben der einzigen heimischen
Walart der Nord- und Ostsee", kommentiert Greenpeace-Meeresexpertin
Antje Helms.
Geht es nach dem deutschen Bundesministerium soll in den "NATURA
2000"-Schutzgebieten, die zum Schutz von Schweinswalen eingerichtet
wurden, die Fischerei mit Stellnetzen weiterhin erlaubt sein, sofern
diese mit so genannten Pingern ausgestattet sind. Diese kleinen
lärmenden Unterwasser-Lautsprecher sollen die Schweinswale davon
abhalten gemeinsam mit Scholle, Seezunge und Krabben in die Netze zu
gehen und qualvoll zu ertrinken. Das laute Unterwasser-Signal verjagt
die bedrohten Kleinwale jedoch auch aus den eigens für sie
eingerichteten Schutzgebieten. Damit verstößt die Stellnetzfischerei
und der Einsatz von Pingern in den Schutzgebieten laut der von
Greenpeace vorgelegten Rechtsexpertise gegen die europäischen und
nationalen Regelungen zum Gebiets- und Artenschutzrecht. "Der
Vorschlag Stellnetzfischerei mit diesen akustischen Walscheuchen zu
erlauben, ist absurd", so Greenpeace-Sprecherin Antje Helms. "Erst
richtet man Schweinswal-Schutzgebiete ein, um die Tiere zu schützen,
und dann will man sie von dort vertreiben", wundert sich die
Meeresbiologin.
Der Gewöhnliche Schweinswal ist mit maximal 1,80 Metern einer der
kleinsten Wale der Welt. Die Art gilt als stark gefährdet und steht
unter Naturschutz. Besonders bedroht ist eine genetisch isolierte
Population in der östlichen Ostsee, hier werden nur noch 300 bis 600
Wale vermutet. Tote Schweinswale, viele davon Opfer des Beifangs in
der Fischerei, werden in ganz Europa an die Küsten geschwemmt. Da die
Bestände insgesamt zurückgehen, sind echte Schutzgebiete für das
Überleben der Schweinswale nötig.
Seit 2008 versucht Greenpeace nur auf dem Papier existierende
Schutzgebiete in Nord- und Ostsee mit dem Versenken von Natursteinen
wirksam zu schützen. 2008 wurden 320 Natursteine im "Sylter
Außenriff" in der Nordsee versenkt, erst in der letzten Woche hatten
Greenpeace-Aktivisten weitere Felsbrocken ausgebracht. Die Felsen
verhindern erfolgreich das Fischen mit Grundschleppnetzen.
Greenpeace-Taucher dokumentieren seitdem wie sich die Natur um die
versenkten Naturfelsen erholt: Die Felsen sind mittlerweile mit
zahlreichen Meeresorganismen bewachsen und in das natürliche Riff
integriert.
Das Gebiet gilt als die deutsche "Schweinswal-Kinderstube". Es ist
eines von zehn "NATURA 2000"-Meeresschutzgebieten, die Deutschland an
die Europäische Union gemeldet hat. Die Gemeinsame Fischereipolitik
der Europäischen Union durchläuft zurzeit einen Reformprozess, der
Ende 2012 abgeschlossen sein soll. Greenpeace fordert den Abbau der
riesigen Überkapazitäten in der Fischfangflotte,
wissenschaftsbasierte Fangquoten und die Ausweisung großflächiger
Meeresschutzgebiete, in denen keine Fischerei stattfindet. Nur so
können sich die überfischten Bestände und die Meeresnatur erholen.
Weitere Informationen:
Das Rechtsgutachten finden Sie unter
http://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/dokumente/Studien/Me
ere-Rechtsgutachten_Schutzgebiete_2011.pdf
Das Greenpeace Web-Magazin zu Fischerei und Schutzgebieten finden Sie
unter http://www.greenpeace.at/sos-oceans
Rückfragehinweis:
Antje Helms Meeresbiologin Greenpeace Tel.: +43 (0)664 2148952 mail to: [email protected] Melanie Aldrian Pressesprecherin Greenpeace Tel.: +43-664-6126725 mailto: [email protected] www.greenpeace.at
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