• 05.08.2011, 13:49:45
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Getreide-Weltmarkt: Versorgung bleibt trotz Rekordernte knapp

Auch in EU höhere Ernte erwartet - Globaler Verbrauch steigt weiter an

Wien (OTS/aiz.info) - In der EU wird dieses Jahr eine höhere
Getreideernte eingefahren. Sie wird mittlerweile auf rund 275 bis 278
Mio. t geschätzt. Das ist etwas mehr als im Vorjahr (274 Mio. t) und
entspricht aber im langjährigen Vergleich einer
unterdurchschnittlichen Menge. "Die Weltgetreideernte wurde vom
Internationalen Getreiderat (IGC) in London zuletzt um 9 Mio. t auf
den Rekordwert von 1,817 Mrd. t revidiert. Da der Verbrauchszuwachs
aber rasanter eingeschätzt wird und voraussichtlich 1,829 Mrd. t
erreicht, werden die globalen Getreidereserven einen weiteren Abbau
erfahren", berichtete heute Christian Gessl, AMA-Abteilungsleiter für
Marktordnungen und Marktberichte.

EU: Geänderte Marktsituation

Im abgelaufenen Getreidewirtschaftsjahr 2010/2011 hat sich die
Marktsituation in der EU stark verändert. Nach einer
unterdurchschnittlichen Ernte 2010 wurden die Lagerbestände abgebaut
und die staatlichen Interventionsbestände in der Höhe von rund 6 Mio.
t fast zur Gänze verkauft. "Die Getreideausfuhren wurden in den
letzten zwölf Monaten zusätzlich auf ca. 30 Mio. t gesteigert.
Ermöglicht wurde diese Erhöhung durch die stark reduzierten Exporte
aus der Schwarzmeerregion, hervorgerufen durch die verheerenden
Trockenschäden. Somit stellt sich die Versorgungslage mit Ende des
abgelaufenen Wirtschaftsjahres 2010/2011 in der EU knapper dar als im
Jahr davor, der Endbestand hat sich von 48 Mio. auf 40 Mio. t
reduziert", berichtete Gessl.

Ernteprognosen heuer laufend nach oben revidiert

Nach einem außergewöhnlich trockenem Frühjahr haben sich in der EU
die Niederschläge im Juni europaweit positiv auf die Erträge
ausgewirkt, sodass die Ernteprognosen laufend nach oben revidiert
werden mussten. Nur in den südlichen Teilen Europas konnten die durch
die Trockenheit entstandenen Schäden nicht mehr aufgeholt werden. Die
eingetretene Schlechtwetterperiode in weiten Teilen Europas hat den
Erntefortschritt teilweise gestoppt. Vor allem in Frankreich und
Deutschland sind die Druscharbeiten unterbrochen worden. "Die noch zu
erntenden Bestände werden daher qualitätsmäßig stark zurückfallen,
sodass davon ausgegangen wird, dass der Anteil an Getreide für die
Verfütterung und die Ethanolerzeugung höher sein wird", erläuterte
der AMA-Experte.

Seitens der EU-Kommission wurden bereits hohe Getreideimporte
bewilligt. In den ersten Juliwochen wurden allein bei Weizen 2,4 Mio.
t Importe genehmigt, was den Einfuhren des gesamten letzten
Wirtschaftsjahres entspricht. Da kein Rückgang des Verbrauches am
Binnenmarkt zu erwarten ist, die Exportmärkte aber weiterhin bedient
werden, bleibt die Versorgungslage in der EU weiterhin angespannt.

Schwarzmeerregionen konkurrieren verstärkt mit EU-Exporteuren

"Der Produktionsanstieg in der Schwarzmeerregion hat heuer nicht
nur Einfluss auf weltweite Ernteschätzungen, sondern auch auf den
internationalen Exportmarkt. Das Ausfuhrpotenzial der Länder
Russland, Ukraine und Kasachstan wird bei Weizen auf derzeit etwa 28
Mio. t für das neue Wirtschaftsjahr geschätzt - 2010/2011 waren es
noch 14 Mio. t. Diese Situation beeinflusst nicht nur die gestiegenen
Weizenimporte in die EU, sondern stellt auch eine starke Konkurrenz
zu den traditionellen Exportmärkten der EU dar", so Gessl. Spannend
werde die Vermarktungssaison vor allem aufgrund des Comebacks von
Russland als Getreideexporteur nach einjähriger Pause.

Die aktuellen Ernteerwartungen (höhere Erträge, geringerer Anteil
an Top-Qualitäten bei Weizen) spiegeln sich derzeit auch bei den
Preisentwicklungen an den wichtigsten Börsen wider. Während Mais
deutlich über den Notierungen im Vergleichszeitpunkt des Vorjahres
liegt, notiert Weizen in Paris derzeit mit rund EUR 200,-/t unter dem
Vorjahresniveau.

Weltmarkt: Rekordverbrauch prognostiziert

Der Internationale Getreiderat schätzt die weltweite Ernte im
heurigen Jahr auf 1,817 Mrd. t, was einer neuerlichen Rekordernte
entspricht. Der globale Verbrauch steigt jedoch wie in den letzten
Jahren kontinuierlich an und erreicht mit prognostizierten 1,829 Mrd.
t ebenfalls Rekordniveau. Somit übersteigt der jährliche Verbrauch
sowohl bei Weizen als auch bei Mais die Produktion. Gründe für den
weiter steigenden Bedarf sind laut Experten neben der ständig
wachsenden Weltbevölkerung auch der steigende Einsatz in der
Verfütterung.

Angesichts dieser Entwicklung dürften die Weltgetreidevorräte,
wenn auch geringfügig, reduziert werden. Letztendlich bleiben sie mit
rund 347 Mio. t weiterhin hoch. "Die Langzeitprognosen der FAO gehen
von kontinuierlichen Steigerungen beim Verbrauch in der Höhe von 1,2%
pro Jahr oder 22 Mio. t aus. Somit steigt der zusätzliche jährliche
Bedarf an Getreide trotz der Rekordernte weiter an, er entspricht
ungefähr dem derzeitigen Exportpotenzial der gesamten EU", berichtete
Gessl.
(Schluss) kam

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
mailto:[email protected]
www.aiz.info

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