- 04.08.2011, 12:21:57
- /
- OTS0103 OTW0103
ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz beantwortet Fragen der österreichischen Filmwirtschaft
Wien (OTS) - In einem Brief an den Fachverband der Film- und
Medienindustrie hat ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz heute,
am Donnerstag, dem 4. August 2011, zehn Fragen, die ihm von der
österreichischen Filmwirtschaft in einer Aussendung gestellt wurden,
beantwortet. In seinem Schreiben verweist der Generaldirektor auf
sein Bewerbungskonzept, das er dem Stiftungsrat übermittelt hat und
in dem klar festgehalten ist, dass der ORF im Bereich der
eigenproduzierten österreichischen Fiction eine besondere Rolle und
Verantwortung - sowohl als wichtiger Förderer und Auftraggeber als
auch als Plattform für die Verbreitung österreichischer Filme, Serien
und Dokumentationen - hat.
Weiters betont ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz, dass die
Zusammenarbeit zwischen ORF und Filmwirtschaft auch in den
vergangenen Jahren ein hohes Niveau halten konnte und zahlreiche im
Inland erfolgreiche und international mit bedeutenden Auszeichnungen
bedachte Produktionen hervorgebracht hat. Dr. Wrabetz weist in seinem
Schreiben auch darauf hin, dass die Grundsatzvereinbarung vom 19.
November 2009 zwischen dem ORF und Film Austria erfolgreich und in
beidseitigem Einvernehmen in die Tat umgesetzt wurde. Dasselbe gilt
für die Vereinbarung zwischen der österreichischen Musikwirtschaft
und dem ORF vom Jänner 2010.
Im Einzelnen beantwortet ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz
die übermittelten Fragen wie folgt:
Frage 1
Der kontinuierliche Ausbau der heimischen Produktionslandschaft ist
wesentlich von Planzielen des ORF mitbestimmt. Kann der positiv
eingeschlagene Weg der Vergabevolumina aufrecht erhalten werden und
die zuletzt gültige Grundlage von Euro 95 Mio. jährlich auf vorerst
weitere 2 Jahre zugesichert werden?
Antwort:
Der ORF wird auch in den Jahren 2012 und 2013 das in der Vereinbarung
für 2011 vorgesehene Mindestvolumen von 95 Mio. Euro pro Jahr
realisieren.
Frage 2
Die Terms of Trade, also die vertragsrechtliche Basis der
Zusammenarbeit mit der Filmwirtschaft, haben in Ihrer jetzigen
Amtszeit unter wesentlicher Mitwirkung des kaufm. Direktors Richard
Grasl eine Modernisierungs- und Anpassungswelle an deutschsprachige
Senderstandards gebracht. Die Filmwirtschaft sieht diese Entwicklung
sehr positiv, jedoch nicht als abgeschlossen an. Können Sie diesen
Anpassungsnotwendigkeiten weiterhin Ihre Unterstützung zusichern
(Stichwort Koproduktionsformen, Lizenzanteile, Musterverträge etc.)?
Antwort:
Die Terms of Trades sind in mehreren Gesprächsrunden behandelt worden
und befinden sich in der finalen Abstimmung. Selbstverständlich werde
ich mich bemühen, den Abschluss einer neuen Vereinbarung
raschestmöglich zu erreichen.
Frage 3
Der Fachverband der Film- und Musikindustrie schlägt dem ORF in
regelmäßigen - etwa dreimonatigen Intervallen - Treffen vor, die den
Zweck haben sollen, die laufenden Entwicklungen und Problemstellungen
- wirtschaftlich wie inhaltlich - aufzuzeigen. Wollen Sie sich
Ihrerseits von Seiten des ORF für eine solche Delegation mit
Entscheidungskompetenz einsetzen?
Antwort:
Ich halte es für sehr sinnvoll, zumindest drei Mal im Jahr in
kompetenter Runde zusammenzutreffen, um die laufenden Entwicklungen
und Problemstellungen zu erörtern. Seitens des ORF werden diese
Gespräche mit Generaldirektor bzw. TV-DirektorIn und Kaufmännischem
Direktor bzw. den betreffenden Hauptabteilungsleitern besetzt sein.
Frage 4
Im dokumentarischen Bereich erkennt die Filmwirtschaft
besorgniserregende Programmeinschränkungen - quantitativ wie
qualitativ. Denken Sie daran, dem offenkundigen Bedarf des heimischen
Publikums nachzukommen und zukünftig mehr Sendeplätze und Programm in
diesem Bereich zu finanzieren?
Antwort:
In meinem Bewerbungskonzept habe ich festgehalten, dass der
österreichischen Dokumentation in den kommenden Jahren besonderes
Augenmerk gegeben werden soll. Sowohl im Bereich "Universum" als auch
"Menschen & Mächte" soll das Niveau zumindest gehalten werden. Neben
der Fortsetzung der Dokumentation zur österreichischen Zeitgeschichte
(Aufarbeitung der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts) soll sich eine
eigene Dokumentations-/Dokumentarfilmreihe mit den großen "Themen der
Zeit" (z. B. "Energie", "Klima", "globale Finanzmärkte" etc.)
beschäftigen. Ein wichtiges Projekt wird weiters die
Dokumentationsreihe "Die Österreicher" sein. Diese Reihe soll die
Geschichte Österreichs von der Urzeit bis zur 2. Republik darstellen
und mit namhaften, aber auch jungen Historikern und Filmemachern
konzipiert und vorbereitet werden.
Zusätzlich werden die Sendeplätze für Dokumentationen aus dem Bereich
der Kultur, Religion und der Landesstudios in vollem Umfang
aufrechterhalten. ORF III wird österreichischen Dokumentationen eine
zusätzliche Plattform bieten.
Frage 5
In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach den
Themenabenden. Diese haben sich äußerst bewährt und die Relevanz des
ORF gegenüber den Privaten Sendeanstalten deutlich gemacht. Denken
Sie daran, diese wieder einzuplanen?
Antwort:
Die Strategie der Themenschwerpunkte und Themenabende soll
fortgesetzt und sogar noch ausgebaut werden. So sollen z. B. die
Dokumentationen zu den "Themen der Zeit" in eigene Themenabende
eingebettet werden.
Frage 6
Die Fernsehfilmproduktion ist künftig noch mehr Gradmesser für
Identität und Unverwechselbarkeit. In diesem Bereich ist die
Koproduktion nicht immer als Produktionsform geeignet. Bekennen Sie
sich daher auch in Zukunft in diesem Bereich zur 100%igen
Auftragsproduktion?
Antwort:
Selbstverständlich wird sich der ORF bemühen, schon aus ökonomischen
Gründen, das Instrument der Koproduktion insbesondere auch im
Zusammenhang mit der Nutzung von Förderinstrumenten optimal zu nutzen
und zu entwickeln. Allerdings wird es auch in Zukunft speziell
österreichisch gefärbte 100%ige Auftragsproduktionen als spezielles
Element zur Förderung der Unverwechselbarkeit und österreichischen
Identität unserer Programme geben.
Frage 7
Das Film-Fernseh-Abkommen konnte erfreulicherweise auf vier Jahre bis
2013 budgetär aufgestockt und gesichert werden. Der Erfolg
österreichischer Filme ist national und international ungebrochen.
Der ORF ist Teil dieser Entwicklung. Können Sie auch längerfristig
diese Partnerschaft zusichern?
Antwort:
Es ist mein Ziel, dass Film-Fernseh-Abkommen auch über das Jahr 2013
hinaus fortzusetzen. Ich habe in meinem Bewerbungskonzept dargelegt,
dass ich mich für eine ausreichende Sicherstellung der finanziellen
Rahmenbedingungen des ORF einsetzen werde. Konkret habe ich hier die
Fortsetzung der Refundierungsregelung über das Jahr 2013 hinaus und
gewisse Liberalisierungen im Bereich der Werberegeln angesprochen.
Ich bin zuversichtlich, dass es hier schrittweise gesetzliche
Regelungen im Einvernehmen mit den wesentlichen anderen
Marktteilnehmern geben kann und so die Basis für die langfristige
Sicherung des Film-Fernsehabkommens auch über den derzeit
festgelegten Zeitraum hinaus auf dem derzeitigen oder sogar erhöhten
Niveau möglich sein wird.
Frage 8
ORF III stellte gerade sein Profil vor. Teil dieses Profils könnte
auch ein Zugehen auf den heimischen Nachwuchs sein. Die
Sichtbarmachung von Nachwuchsarbeiten im dokumentarischen wie im
fiktionalen Bereich, die nicht vom ORF mitfinanziert/produziert
wurden, ist in Österreich eine große Hürde. Die privaten
Sendeanstalten denken derzeit nicht an eine angemessene
Lizenzabgeltung für Sendeprogramm, sonder eher an kostenlose
Bereitstellung. Wird der ORF hier Flagge zeigen und unter (sicherlich
moderater) Lizenzabgeltung Abschlussarbeiten der FAK und anderer
Ausbildungsstätten, Kurzfilme udgl. auf dem neuen Kanal zur
Aufführung bringen?
Antwort:
Natürlich sind die finanziellen Mittel von ORF III beschränkt, es
wird jedoch für spezielle Projekte, wie z. B. im Projekt "Artist in
Residence" Kostenbeiträge für Nachwuchsarbeiten geben.
Frage 9
Der ORF hat sich in einer gemeinsamen Erklärung mit der
Musikwirtschaft (Charta der österreichischen Musik) zur Anhebung des
Österreichanteils auf den öffentlich-rechtlichen Radiokanälen des ORF
verpflichtet. Können Sie sich längerfristig, d. h. über den
31.12.2011 hinaus, zu dieser Zusammenarbeit (inkludierend die
Förderung des Österreichischen Musikfonds) bekennen und ist eine
akkordierte Weiterentwicklung in quantitativer, vor allem aber in
qualitativer Hinsicht (Kernzeiten, Neuheitenanteil, gemeinsame
Entwicklung von spezifischen Formaten) beabsichtigt?
Antwort:
Die Vereinbarung über eine Österreichische Musikcharta hat sich aus
meiner Sicht bewährt und sollte auch über den 31.12.2011 hinaus
fortgesetzt werden. Die Förderung des österreichischen Musikfonds
sollte jedenfalls für die Dauer der Refundierung fortgesetzt werden.
Die Verhandlungen über eine akkordierte Weiterentwicklung der
Musikcharta sollten auf Basis der Erfahrungen 2010 und 2011 im Herbst
aufgenommen werden.
Frage 10
Die Zusammenarbeit des ORF mit den Unternehmen der Teamvermietung in
der redaktionellen Berichterstattung bringt nach wie vor Kosten-und
logistische Vorteile für den ORF auf Bundes- und Landesebene. Die
Aufhebung der garantierten Abnahmemengen und der Verzicht auf die
Abgeltung der KV-Erhöhungen haben dazu geführt, dass die Unternehmer
dieses Bereichs längst nicht mehr kostendeckend arbeiten können. Erst
die Abnahmeverpflichtungen machen eine ökonomisch sinnvolle
Kalkulation möglich. Sind Sie bereit, in Analogie zu den Terms of
Trade (siehe Frage 2) auch hier über verbindliche Vertragsbindungen
sicher zu stellen, dass diese Unternehmen, den arbeitsrechtlichen
(kollektivvertragsrechtlichen) Vorgaben entsprechend, nachhaltig
Dienstleistungen anbieten können? (AC)
Antwort:
Die Teampreise sind zwischen dem ORF und den Teamvermietern
verhandelt und nicht einseitige Vorgaben des ORF. Garantierte
Abnahmemengen standen in der Vergangenheit mit Technikinvestitionen
in Verbindung. Sind die Investitionen abgeschrieben, entfällt auch
der seinerzeitige Garantiegrund. Diese Praxis sollte auch für
zukünftige ähnlich gelagerte Fälle beibehalten werden.
Ich bin sicher, dass mit dieser dargelegten Strategie der
Filmstandort Österreich auch in den kommenden Jahren eine positive
Entwicklung zum Vorteil aller Beteiligten, insbesondere jedoch des
heimischen Publikums, nehmen wird.
Rückfragehinweis:
ORF-Pressestelle
Katharina Nürnberger
Tel.: (01) 87878 - DW 15201
http://presse.ORF.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | GOK






