• 03.08.2011, 11:58:41
  • /
  • OTS0094 OTW0094

Österreich verteidigt zweiten Platz im Umweltschutzvergleich der 27 EU-Länder

WKÖ-Schwarzer: "Energieeffizienz und Klimaschutz allein mit Zielproklamationen nicht zu bewältigen" - Umfrage: Bevölkerung stellt gutes Zeugnis bei Umweltstandards aus

Wien (OTS/PWK) - Im aktuellen WKÖ-Ranking zur ökologischen
Nachhaltigkeit hat Österreich seinen Spitzenplatz verteidigt. Hinter
Schweden gewinnt Österreich die Silbermedaille, gefolgt von Dänemark
und Deutschland. Damit gab es gegenüber 2009 keine Veränderungen auf
den vordersten Plätzen. Österreich verdankt seine hervorragende
Platzierung den Wer-tungen zum betrieblichen Umweltmanagement, zur
Luftreinhaltung, zum Modal Split im Gütertransport, zur Nutzung
erneuerbaren Energiequellen, zum Altglasrecycling, zum CO2-Ausstoß
pro BIP und zur biologischen Landwirtschaft.

Zu den Gründen, warum Österreich die Goldmedaille verfehlte, hob
Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und
Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), das
Abschneiden in der Klimaschutzwertung hervor. Denn bei den
Kyoto-Zielen belegt Österreich nur den vorletzten Platz, während
Schweden den 10. Platz erreicht: "Bekanntlich hat sich Österreich bei
seiner Zielfestlegung übernommen, statt einer hohen Absenkung gab es
sogar einen Anstieg der Emissionen. Schweden hat den umgekehrten
Ansatz gewählt: bescheiden bei der Festlegung seines Klimaschutzziels
und erfolgreich bei der Realisierung." Handlungsbedarf ortet
Schwarzer bei Energieverbrauch und Energieeffizienz in einzelnen
Sektoren sowie im Natur- und Artenschutz.

Das WKÖ-Ranking stützt sich auf eine Auswertung letztverfügbarer
Ländervergleichsdaten, welche von der Europäischen Kommission, der
Europäischen Umweltagentur und von Eurostat zu 52 Öko-Indikatoren aus
8 Umweltsektoren veröffentlicht wurden.

Was sagt die Bevölkerung?

Auch die österreichische Bevölkerung stellt dem Heimatland ein
gutes Zeugnis in Sachen Umweltstandards aus. Dies zeigt eine
brandaktuelle Studie des Market-Instituts im Auftrag der WKÖ vom Juli
2011. WKÖ-Nachhaltigkeitskoordinator Christoph Haller präsentiert die
Ergebnisse: Mehr als drei Viertel (76%) der Österreicher sind mit dem
heimischen Umweltschutz sehr zufrieden oder zufrieden, nur 23% sind
weniger oder gar nicht zufrieden. Mehr als ein Drittel der Befragten
(35%) sieht Österreich im europäischen Spitzenfeld, während nur 6%
unser Land für einen Nachzügler halten. "Als mustergültig sieht die
Bevölkerung vor allem die Wasserqualität, den Natur und
Landschaftsschutz, die Mülltrennung sowie die Sauberkeit auf
Gehsteigen, Straßen und in der Natur an", unterstreicht Haller.

Eine klare Mehrheit (55%) attestiert der Wirtschaft eine positive
Einstellung zum Umweltschutz. Eine satte Mehrheit von 91% meint, dass
das Umweltbewusstsein der Gesamtbevölkerung die wichtigste Stütze der
guten Umweltsituation in Österreich ist. Gute Zensuren erhalten auch
die Industrie (positiv bewertet von 80%) und kleine- und mittlere
Betriebe (77%). "Hierzulande gibt es keine Kluft zwischen Wirtschaft
und umweltbewusster Bevölkerung", analysiert Schwarzer.

Gebäudesanierung tritt auf der Stelle - Wirtschaft will
Fördermilliarde

Auf der Agenda der Energie- und der Klimapolitik sollte die
Sanierung der schlecht isolierten Gebäude der Nachkriegszeit an
oberster Stelle stehen, fordert die Wirtschaftskammer. So wird
bemängelt, dass Österreich von der angepeilten Sanierungsquote von 3%
noch "meilenweit" entfernt ist. "Trotz der Förderinitiative der
Bundesregierung, die 400 Mio. Euro bis 2014 (vier mal 100 Mio Euro
von 2011 -14) vorsieht, tritt Österreich bei der thermischen
Sanierung auf der Stelle. Denn die Bundesländer haben im selben
Ausmaß in dem der Bund fördert, ihre Förderbudgets zurückgefahren",
so Schwarzer, der eine Fördermilliarde pro Jahr für die thermische
Sanierung fordert. Haller verweist in diesem Zusammenhang auf den
Nutzen: "Jeder Förder-Euro vom Staat löst mindestens vier
Investitions-Euros von privater Hand aus." Denn gerade hier ist eine
hohe Bereitschaft der Bevölkerung zur Investition in den Klimaschutz
und das Energiesparen zu verzeichnen. 71% der Befragten wollen sicher
oder ziemlich sicher persönlich in Klimaschutzmaßnahmen investieren.
Um zur angestrebten Erhöhung zu kommen, sollten zudem die
Wohnbauförderung, die die Länder erhalten, an eine bestimmte
Sanierungsquote geknüpft werden.

Herausforderungen für Österreich - Umbau des Energiesystems

Die größte Herausforderung für die Zukunft ist der Umbau des
Energiesystems. Hier ist für die WKÖ-Experten auffällig, dass Länder
wie Deutschland im Zuge ihrer "Energiewende" wesentlich mehr Geld in
die Hand nehmen als Österreich. So dotiert Deutschland seinen
Energie- und Klimafonds mit den gesamten Erlösen aus den Verkäufen
von staatlichen Emissionszertifikaten. Das sind jährlich rund 3
Milliarden Euro. In Österreich fließen diese Erlöse dem staatlichen
Budget zu, das durch die Kyoto-Zielverfehlung mit
Kompensationszahlungen von bis zu 1 Mrd. Euro belastet ist. Die
Wirtschaftskammer fordert daher auch für Österreich eine Zweckwidmung
der Verkaufserlöse von Emissionszertifikaten für die Umsetzung der
Energiestrategie. "Nur so kann ein Trend gebildet werden, der uns zu
den Langfristzielen führt", so Schwarzer.

Klimaschutzgesetz geht zulasten von Wachstum, Beschäftigung und
Wohlstand

Immer deutlicher zeigt sich, dass Gewerbe und Industrie ihr
Produktionswachstum von den CO2-Emissionen entkoppelt haben. Ein
Tonne Stahl, Zement oder Papier ist heute mit rund einem Drittel
weniger CO2-Ausstoß verbunden als vor 20 Jahren. "Dies ist der
Beitrag, den die produzierende Wirtschaft leisten kann. Verlangt man
von ihr eine absolute Reduktion, so führt dies zu
Betriebsverlagerungen und geht zulasten von Wachstum, Beschäftigung
und Wohlstand", sagt Schwarzer. Deshalb lehnt die WKÖ den
vorliegenden Entwurf des Klimaschutzgesetzes ab, der der Wirtschaft
eine Verringerung der Emissionen um rund 40% abverlangt, was nach
einhelliger Expertenmeinung nicht leistbar ist. Anerkannt sei, dass
die österreichische Industrie bezüglich CO2-Minderung europa- und
weltweit zu den Technologieführern gehört: "Sie zu schwächen, schadet
daher auch dem Klimaschutz."

Energieeffizienzpolitik untergewichtet

Abschließend fordert Schwarzer: "Der im Nachhaltigkeits-Kontest
2011 ausgewiesene österreichische Spitzenplatz reflektiert die
Anstrengungen der Wirtschaft, der Bevölkerung und der Politik der
vergangenen zwanzig Jahre. Die neuen Herausforderungen werden aber
ohne zusätzliche staatliche Mittel nicht zu bewältigen sein. Mit
Zielproklamationen allein wird Österreich seine übernommenen
Hausaufgaben nicht erfüllen können." (AC)

Rückfragehinweis:

Wirtschaftskammer Österreich 
   Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik
   Univ. Doz. Dr. Stephan Schwarzer, Abteilungsleiter
   M: [email protected]
   T: 05 90 900/4195
   
   Mag. Christoph Haller, Nachhaltigkeitskoordinator
   M: [email protected]
   T: 05 90 900/4196

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel