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Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Leere Throne"
Ausgabe vom 30. Juli 2011
Wien (OTS) - Auf der Suche nach dem mächtigsten Mann respektive
Frau dieses Planeten wird man derzeit nicht leicht fündig.
US-Präsident Barack Obama kann einem anderen Staat ganz alleine den
Krieg erklären, bei der Umsetzung seiner politischen Überzeugungen
kommt er jedoch kaum über die Türschwelle des Weißen Hauses hinaus.
Wen Jiabao wäre ein heißer Kandidat für den Titel, immerhin steht er
an der Spitze von Chinas Wirtschaftsmacht. Allerdings weiß niemand
mit Sicherheit zu sagen, wie Entscheidungsprozesse im Reich der Mitte
und in der Kommunistischen Einheitspartei tatsächlich ablaufen. Vor
Wladimir Putin, ohnehin formal nur Russlands Nummer zwei, werfen sich
allenfalls mitteleuropäische Kleinstaaten vorsorglich in den Staub.
Und Terrorpate Osama bin Laden ist aus dem Rennen, weil nicht mehr
unter den Lebenden.
Das protzige Machtgehabe der Finanzmagnaten hat sich ebenfalls seit
Ausbruch der globalen Finanzkrise als jämmerliche Pose
herausgestellt. Wer gesehen hat, wie die mächtigsten Banker der Welt
die Politik um Rettung ihrer Luftschlösser angefleht haben, wird sich
wohl nicht so schnell wieder von solchen Eliten die Welt erklären
lassen.
Bleiben noch die Masterminds der globalisierten
Informationsgesellschaft. Medientycoon Rupert Murdoch erlebt in
Großbritannien gerade seine Höllenfahrt, weil er sein Imperium für
unantastbar hielt. Bill Gates (Microsoft), Steve Jobs (Apple), Mark
Zuckerberg (Facebook) und all die anderen smarten Nerds haben unseren
Alltag zweifellos bleibend beeinflusst, aber über Macht im
eigentlichen Sinne verfügen sie nicht. Ihre virtuellen Imperien sind
nicht für die Ewigkeit gebaut, das hat das Platzen der ersten
Internetblase gezeigt.
Zu verkünden ist also der Tod der starken Männer. Nun greift in
Ermangelung eines Hegemons mitunter eine Oligarchie entschlossen nach
dem Steuerruder. Tatsächlich experimentieren die entmachteten
Staatenlenkern durchaus mit dieser Idee - in der UNO nur zu fünft,
ansonsten am liebsten als G8 oder G20. Die Erfolge halten sich in
bescheidenen Grenzen.
Irgendwie scheinen unsere Vorstellungen von Führung - sei es von
Einzelnen, sie es von Gruppen - nicht kompatibel zu sein mit den
politischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen unserer Zeit.
Höchste Zeit für neue Ideen. Anregungen werden gerne
entgegengenommen.
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