• 19.07.2011, 12:12:58
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Greenpeace: Österreichische Biospritpolitik unterwandert Regenwaldschutz

Europaweite Tests zeigen: Raps- und Soja in Biodiesel verursachen negative Klimabilanz

Amsterdam/Wien (OTS) - Ein großangelegter Dieseltest in neun
EU-Ländern der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt, dass
"Musterschüler" Österreich den höchsten Anteil an Biodiesel hat. Ein
Vorteil für die Umwelt ist das jedoch nicht. Denn auch wenn die
Rohstoffe hauptsächlich aus Europa kommen: Der Anbau von Raps oder
Soja für Biosprit in Europa führt anderswo zu "unerwünschten
Nebenwirkungen", wie etwa der Rodung von Urwäldern. Nichtsdestotrotz
will Österreich die Biospritbeimischung weiter erhöhen und wehrt sich
gegen strengere Umweltbestimmungen. "Aus Umweltgründen muss sich
Österreich von der bisherigen Biospritpolitik verabschieden und die
Beimischungsquote nach unten revidieren. Ziel ist es, die
Energieverschwendung im Verkehr verringern - zum Beispiel durch
sparsamere Autos", fordert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien
Westerhof.

Die Testergebnisse der Proben aus Österreich zeigen, dass hierzulande
neben Altspeiseöl vor allem Raps und Soja als Rohstoff für die
Biodieselproduktion verwendet werden. Diese Rohstoffe kommen zumeist
aus Osteuropa und bedeuten auf den ersten Blick keine besondere
Belastung für die Umwelt - im Gegensatz zum italienischen Biodiesel,
der zu 37 Prozent aus Palmöl stammt.

Auf den zweiten Blick sieht das anders aus: Der Kern des Problems ist
die "indirekte Landnutzungsänderung" (ILUC - Indirect Land Use
Change) als Folge der hiesigen Politik. Denn die Nachfrage nach
Agrarprodukten steigt, und die Agrarflächen, die für den
österreichischen Biospritbedarf verwendet werden, müssen anderswo
kompensiert werden. Oft bedeutet das, dass irgendwo auf der Erde
zusätzliche Flächen landwirtschaftlich genutzt werden, zum Beispiel
ehemalige Urwald- oder Savannenflächen. Das wirkt sich negativ auf
die Klimabilanz der Biotreibstoffe aus.

Um diese Auswirkungen quantifizieren zu können, werden die
sogenannten ILUC-Faktoren verwendet. Diese Faktoren sagen aus, wie
hoch die mit der Biosprit-Produktion verbundenen CO2-Emissionen sind.
Gerade beim für Österreich wichtigen Raps ist die Energieproduktion
pro Hektar eher gering. Das bedeutet, dass verhältnismäßig große
Kompensationsflächen gebraucht werden. "Wenn es darum geht, wie die
ILUC-Faktoren angerechnet werden sollen, entpuppt sich Österreich
erneut als Klimasünder und steht auf der Bremse. Das liegt wohl
daran, dass es in der Klimapolitik sonst kaum messbare Erfolge gibt",
vermutet Jurrien Westerhof.

Durch die Verwendung von Biosprit kommt es zu einer rechnerischen
Verlagerung der Emissionen, weg vom österreichischen Verkehrssektor
hin zur Landwirtschaft in jenen Staaten, wo die Rohstoffe
letztendlich produziert werden. "Für das Klima bringt das gar nichts
und dennoch klammert sich der österreichische Umweltminister
Berlakovich an diesen Strohhalm. Kein Wunder, sonst hat er in der
Klimapolitik auch nichts vorzuweisen", so Westerhof. "Die negative
Wirkung auf die Umwelt durch die Biospritpolitik muss mitgerechnet
werden. Es stellt sich heraus dass diese viel größer als vermutet
ist, und daher müssen wir die Beimischungsziele nach unten
korrigieren. Denn niemand will, dass Urwald gerodet wird, nur um
hierzulande Biodiesel tanken zu können."

Weitere Informationen: http://www.ots.at/redirect/biodiesel

Rückfragehinweis:
Greenpeace CEE
DI Jurrien Westerhof, Energiesprecher Greenpeace, 0664 612 67 01
Melanie Beran, Pressesprecherin Greenpeace, 0664 612 67 18
mailto:[email protected]
www.greenpeace.at

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