• 14.07.2011, 10:31:33
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Der schwierige Weg zur Lehrstelle

Aktuelle AKNÖ-Studie zur Situation der Lehrlinge in Niederösterreich

Wien (OTS) - Die Konjunktur zieht an, die Zahl der Arbeitslosen
geht zurück,die Krise ist vorbei heißt es. Und schon wird wieder vom
Facharbeitermangel gesprochen. Doch ist der Mangel nicht auch
hausgemacht? Eine aktuelle Untersuchung der AKNÖ zeigt auf: Die
Lehrstellensuche ist für Jugendliche nach wie vor schwierig, denn
nicht immer fühlen sie sich von den Firmen herzlich aufgenommen.

Bewerbungen werden zur Hälfte ignoriert

Im Juni suchten laut AMS 789 Jugendliche eine Lehrstelle. 253 offene
Lehrstellen waren gemeldet. Damit hat Niederösterreich die größte
Lehrstellenlücke aller Bundesländer aufzuweisen. Doch ein Großteil
der Lehrstellensuche wird abseits des AMS über Bewerbungen von
Jugendlichen abgewickelt. Laut der repräsentativen Umfrage der AKNÖ
müssen sich Jugendliche bei ca. 10 Firmen bewerben, um endlich den
gewünschten Ausbildungsplatz zu ergattern. Die Mädchen sind sogar
noch fleißiger und schicken im Schnitt fast 15 Bewerbungen ab. Das
Engagement der Jugendlichen lassen die Betriebe bei der Beantwortung
von Bewerbungen leider vermissen. Denn weniger als die Hälfte der
angeschriebenen Betriebe findet es der Mühe wert, auf die Anfragen
der Jugendlichen zu reagieren. Mehr Fairness von Seiten der
Unternehmen fordert daher AKNÖ-Präsident Hermann Haneder: "Die
Jugendlichen bemühen sich, sie schreiben Briefe und stellen die
Bewerbungsunterlagen zusammen. Das machen sie nicht zum Spaß, sondern
sie zeigen, dass sie sich für eine Ausbildung interessieren und
einiges auf sich nehmen." Verschärft wird die Bewerbungsphase
zusätzlich dadurch, dass im Fall einer Beantwortung seitens der
Firmen oft keine Gründe für Absagen genannt werden. Jeder 4.
Lehrstellenbewerber wusste nicht, warum er für die Lehrstelle nicht
genommen wurde. "Es wäre fair von den Betrieben, den Jugendlichen
eine Antwort zukommen zu lassen und sie nicht in Unsicherheit zu
lassen", fordert Haneder.

Lehrstellensuche für Mädchen besonders schwierig

Das Rennen um den passenden Ausbildungsplatz belastet die
Jugendlichen. Laut AKNÖ-Studie berichtet knapp jeder dritte Lehrling
(31%) von Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Lehrstelle, jeder
zehnte gab an, dass die Suche sogar "sehr schwierig" war. Auffallend:
Für Mädchen ist es noch deutlich schwieriger, einen Lehrplatz zu
finden. 43% der Mädchen meinen, dass es "sehr" oder "eher" schwer
war, bei den Burschen finden das nur 25%. AKNÖ-Bildungsexperte Robert
Hörmann weiß warum: "Das hat mit den geschlechtstypischen
Berufswünschen der Mädchen zu tun. Sehr viele drängen hier in
besonders überrannte Lehrberufe wie Friseurin oder
Einzelhandelskauffrau. Das führt zu einem noch stärkeren Wettbewerb
in diesen Branchen. Dem kann entgegengesteuert werden, indem der
Berufsorientierungsunterricht in den Schulen und die Berufsberatung
mehr sensibilisieren." Nach Regionen betrachtet ist die
Lehrstellensuche für die Jugendlichen am schwierigsten im
Industrieviertel (40% meinen, es war "sehr" oder "eher" schwierig),
gefolgt vom Weinviertel (34%) und dem Zentralraum (27%). Am relativ
einfachsten war die Lehrstellensuche für diejenigen, die eine
bekommen haben, im Waldviertel (25%) und Mostviertel (22%).

Die Leiden der Lehrlinge

Das knappe Angebot an Ausbildungsplätzen und der Wettbewerb unter den
Lehrstellensuchenden schlagen sich auf das Gemüt der Jugendlichen.
Für zwei Drittel ist Lehrstellensuche eine belastende Situation, für
jeden vierten Lehrling in NÖ stellt dies sogar eine beträchtliche
Belastung dar. Auch hier zeigt sich wieder: Mädchen empfinden dies
als stärkere Belastung als männliche Lehrstellensuchende, dort
empfindet beinahe jede dritte (31,1%) die Lehrstellensuche als
"ziemlich" oder "sehr" belastend. "Die Ergebnisse der AKNÖ-Umfrage
sind ernüchternd", stellt Haneder fest. "Jetzt sind die Firmen am
Zug. Gerade jetzt, wo die Unternehmen in Niederösterreich über den
Wirtschaftsaufschwung jubeln, sind sie gefordert. Ich verlange von
ihnen mehr Fairness und Respekt gegenüber den Jugendlichen gerade in
der schwierigen Phase der Ausbildungsplatzsuche." Laut AKNÖ-Präsident
zeigt die Umfrage auch sehr deutlich, dass die Berufsorientierung in
den Schulen ausgebaut werden muss, besonders im Bereich der
Geschlechtersensibilisierung, damit Mädchen und Burschen umfassend
über ihre Ausbildungs- und Berufschancen informiert werden.

Rückfragehinweis:
AKNÖ
Robert Hörmann
01/58883/1890

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