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Kleine Zeitung Kommentar: "Heimat, bist du großer Heuchler" (Von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 14.7.2011

Graz (OTS) - Wenden wir uns nun den echten Frauenproblemen zu.
Hamma keine anderen Probleme? Was sagt es über die österreichische
Politik aus, wenn über ein Wort in der Bundeshymne gestritten wird,
während es rundherum in Europa nur so kracht? Bezeichnenderweise war
etlichen Kommentatoren dieser Vorwand viele, viele Zeilen wert. Mit
dem Argument kann man jede Diskussion, bei der es nicht um Leben und
Tod geht, abwürgen Das Parlament befasst sich aber auch
leidenschaftlich mit Themen wie der Zuchtsauverordnung.
Hätten die männlichen Abgeordneten damals mitgestimmt, die Debatte
über die Hymne wäre in den 70ern im Keim erstickt. Das hätte uns in
der Tat eine unnötige Diskussion erspart - unnötig war nicht das
Anliegen der Politikerinnen, sondern der Widerstand der (ÖVP)-Männer
dagegen. Es ist Bundesobmann Michael Spindelegger hoch anzurechnen,
dass er wenigstens jetzt kurzen Prozess macht.
Aber was haben die Frauen im Alltag davon, wenn sie besungen werden?
Zugegeben, wenig. Aber die Sache lässt sich schnell, nahezu gratis
erledigen, das geht nicht auf Kosten von Frauenhäusern, Kindergärten
oder Mädchenberatungen.
Herzig ist der Einwand, die Töchter würden den Text verhunzen. Bei
allem Respekt vor der Arbeit der großen Tochter Paula Preradovic,
Weltlyrik ist das keine. Das Volk, begnadet für das Schöne, wird die
richtigen Worte finden.
Aber wo kommen wir denn da hin? Werden im Land der Dome bald Moscheen
besungen oder alle religiösen Bezüge gestrichen? Spannender Gedanke!
Da geht es plötzlich ans Eingemachte. So egal ist es einigen dann
plötzlich doch nicht, was die Fußballer vor dem Ländermatch da
grölen.
Gesellschaften entwickeln sich weiter, erstreiten sich ein neues
Selbstverständnis - glücklicherweise mitunter ohne Krieg, Revolution
oder Naturkatastrophe. Da ist es nur logisch, dass sie die Symbole
ihrer Gemeinschaft dem Wandel der Zeiten anpassen.
Nun dann, geschätzte Politiker, werte Sprachwissenschaftler, liebe
Kommentatoren, nachdem die Sache endlich vom Tisch ist:
Benachteiligung bei der Arbeit, Gewalt in der Familie,
Dreifachbelastung - gehen wir die wirklich wichtigen Themen mit
demselben Schwung an, mit dem ein läppisches Wort diskutiert wurde!
Wenn die Sorgen über die "echten" Probleme der "normalen" Frauen
nicht geheuchelt waren, werden die vielen neuen, selbst ernannten
Frauenrechtler ihren Forderungen ja Taten folgen lassen und bald für
Gleichstellung gesorgt haben. Zukunftsreich! ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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