Stichworte: Kirchen, Medien, Missbrauch, Politik, Religion Channel: Politik
OTS0019   10. Juli 2011, 11:31

Missbrauchsvorwürfe in der r.k. Kirche: Dramatische Wendung Opfer überlebte nur knapp Selbstmordversuch

Abschiedsbrief: "Jedes Wort ist wahr."


Mit einer traurigen Wende endet vorerst der jüngste
Missbrauchsskandal der röm. kath. Kirche in Österreich: Mirjam
(Name geändert) - jene Frau, die Missio-Chef Leo Maasburg sexuellen
Missbrauch vorgeworfen hat und Kardinal Schönborn Mitwisserschaft -
wollte sich am vergangenen Donnerstag, den 7.Juli 2011, das Leben
nehmen. Auslöser für die Verzweiflungstat war die offizielle
kirchliche Reaktion ("Vorwürfe ohne Fundament") auf die Zurücklegung
der Anzeige, die Mirjam gegen die hochrangigen Kirchenvertreter bei
der Staatsanwaltschaft eingebracht hatte. Die Behörde hat wenige Tage
nach erfolgter Sachverhaltsdarstellung bekanntgegeben, dass sie die
Anzeige gegen den beschuldigten Geistlichen nicht weiter verfolgen
wird, da abgesehen von einer Verjährung der Tatbestand der sexuellen
Nötigung "schon objektiv nicht erfüllt sei." Die Betroffene wurde
davon bis heute nicht verständigt.

"Es gibt keine Gerechtigkeit"

Durch großes Glück und sofortigen Einsatz der behandelnden
Notfallärzte konnte das Leben der 45-jährigen Frau gerettet werden.
In einem Abschiedsbrief, der in ihrer Wohnung gefunden wurde,
bekräftigt sie die Vorwürfe gegen ihren (lt. ihren Angaben)
ehemaligen Beichtvater, Seelenbegleiter und zeitweisen
Dienstvorgesetzten Maasburg. Ebenso an Kardinal Schönborn, den sie
1994 in einem eineinhalbstündigen Gespräch über die Vorfälle
informiert hatte mit der dringenden Bitte, etwas gegen die sexuellen
Übergriffe zu unternehmen - was er ihr zwar versprach, aber nie tat.
"Es gibt keine Gerechtigkeit. Alles was ich über Maasburg gesagt
habe, stimmt. Vor Gott wird er das, was er mir angetan hat, nicht
verschweigen können. Auch Kardinal Schönborn wird sich verantworten
müssen, dass er mir nicht geholfen hat. Frau Klasnic und der
Kommission danke ich für die Therapie. Aber dass sie dann nicht
weiter zu mir gestanden sind, ist traurig", so die verzweifelte Frau
im Abschiedsbrief.

Zu seinen Taten stehen

Ausdrücklich bedankte sie sich für den Mut und Anstand von
Franziskaner-Pater Wolfgang H., der an ihr als 17-Jährige im Vatikan
und später auch in Österreich sexuelle Übergriffe getätigt hatte. Er
hatte ein handschriftliches Schuldeingeständnis verfasst und sich
ehrlich entschuldigt. Auch wenn dieser dann seine Entschuldigung in
einem neuerlichen Schreiben, verfasst auf dem Briefpapier der Diözese
Innsbruck, wieder zurücknahm. In einer ihrer letzen e-Mails vor der
Tat schrieb Mirjam: "Es ist ohnehin alles weitere sinnlos, denn jetzt
stehe ich noch als Lügnerin da und M (Anm. Msrg. Leo Maasburg) hat
seinen Triumph, obwohl er die Unwahrheit gesagt hat und zwar in allen
diesen Punkten. Er hat halt doch die ganze Macht der Kirche hinter
sich."

Tiefe Betroffenheit und Anteilnahme

Mirjam wollte nur Wahrhaftigkeit und eine Entschuldigung von Msrg.
Maasburg und Kardinal Schönborn. Dafür kämpfte sie viele Jahre
innerhalb der Kirche. Die beiden hochrangigen Kirchenvertreter
leugneten jedoch alles bis zuletzt. Das von Missio Austria/Leo
Maasburg beauftragte und in Folge medial kolportierte "Ferngutachten"
von Univ. Prof. Peter Hofmann, der bei der Betroffenen
Stalking-Tendenzen und ein Borderline-Syndrom diagnostizierte, ohne
sie je persönlich untersucht zu haben, hat Mirjam zutiefst verletzt.
Dieses "Gutachten" wird auch in Fachkreisen massiv kritisiert.
"Mirjam hat in dieser dramatischen Situation unsere ganze Anteilnahme
und Unterstützung. Wir hoffen, dass sie schnell genesen wird.
Ausdrücklich wollen wir uns bei den behandelnden Ärzten bedanken und
bei jenen Personen, die an der Rettung mitgewirkt haben", sagt Sepp
Rothwangl, Sprecher der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt.
Auch er hat seinerzeit als Folge seiner kirchlichen
Missbrauchserlebnisse einen Selbstmordversuch nur knapp überlebt.

Die mehrfach ausgezeichnete Journalistin Teresa Arrieta hat vor 2
Wochen ein Videointerview mit Mirjam gemacht, wo diese ihre
Leidensgeschichte und ihren Weg aus der Opferrolle schildert:
www.youtube.com/watch?v=lxkzgmGM-2k&feature=channel_video_title

www.betroffen.at

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0019 2011-07-10 11:31 101131 Jul 11 PUR0001 0579



plattform betroffener kirchlicher gewalt Zur Pressemappe

Rückfragehinweis: FJ PURKARTHOFER PR
Tel.: +43-664-4121491,
info@purkarthofer-pr.at

Aussendungen von plattform betroffener kirchlicher gewalt abonnieren: als RSS-Feed per Mail

Geokoordinaten:


Errechnete Personen: