OTS0191   7. Juli 2011, 13:00

Handelsverband legt bis September neuen Handelskollektivvertrag vor

Stefan Mumelter: Es geht um die Attraktivität der Arbeitsplätze im Handel!


"Es war und ist zweifellos pragmatisch und richtig,
konkrete Tarifverhandlungen nicht mit allen anstehenden Fragen einer
Reform des Kollektivvertragsrechts zu überladen", erklärt Dr. Stefan
Mumelter, Generalsekretär des Österreichischen Handelsverbandes. In
diesem Zusammenhang sei aber an das Versprechen von Wirtschafskammer
und Gewerkschaft erinnert, bis zur nächsten Lohnrunde eine Reform des
völlig zersplitterten und in der Praxis kaum mehr administrierbaren
Kollektivvertrages vorzulegen. "Seitdem ist substanziell nichts mehr
passiert, wie im übrigen auf Basis wortgleicher Versprechungen auch
schon all die Jahre zuvor", mahnt Mumelter. "Der Handelsverband ist
nun nicht mehr bereit, dem Stillstand länger zuzusehen und erarbeitet
über den Sommer den Entwurf für einen völlig neuen, modernen
Kollektivvertrag für den österreichischen Handel", erklärt Mumelter
und kündigt an: "Wir werden den beschlussfertigen Vorschlag im
September vorlegen und erwarten uns einen konstruktiven Dialog
zwischen Arbeitnehmer/innen- und Unternehmensvertreter/innen, der
letztlich in einen zeitgemäßen und vor allem gerechteren
Kollektivertrag münden soll." Auf dieser generalsanierten Basis
könnten dann im November die Lohnverhandlungen geführt werden.

Die Anforderungen an solch einen zeitgemäßen arbeitsrechtlichen
Rahmen liegen indessen auf dem Tisch. Der Handelsverband hat seine
Forderungen zuletzt im Herbst 2010 formuliert und vorgelegt. Im Kern
geht es um die radikale Vereinfachung des Über- und
Mehrstundenzuschlagswesens, um die Abschaffung unsinniger
Sonderbestimmungen wie für den 8. Dezember, der gleich dreifach
vergütet wird (Gehalt, 100% Zeitausgleich und 100% Gehaltszuschlag)
und letztlich um eine gerechtere Einkommenskurve. Dabei soll in der
Substanz niemandem etwas weggenommen werden. Den im Handelsverband
organisierten Unternehmen ist durchaus bewusst, dass solch eine echte
Reform des Kollektivvertrags insbesondere in der Umstellungsphase
sogar zu Mehrkosten führen wird. "Das ist es aber wert, wenn wir
dafür ein unbürokratischeres und gerechteres Kollektivvertragsrecht
schaffen", bekräftigt Mumelter das Angebot der Branche.

"Wir müssen unser besonderes Augenmerk endlich auch auf die Jungen
legen", erklärt Mumelter. Denn der Handel hat in den nächsten 10
Jahren ein strukturelles Problem: Zum einen findet er immer weniger
bzw. schwerer Lehrlinge, und zum anderen ergibt sich zusehends ein
Problem mit den überproportional kostenwirksamen Einkommen in der
oberen Alterstufe, auf deren Erfahrung und Expertise der Handel aber
keinesfalls verzichten könne und wolle. In dem Zusammenhang weist
Mumelter darauf hin, dass der Handel der zweitgrößte Anbieter von
Lehrstellen in Österreich sei: "2009 hat der Handel ca. 20.000
Lehrlinge ausgebildet, im Jahr 2015 wird er aber im 'war for talents'
um 2.500 Nachbesetzungen kämpfen müssen."

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. So zählt die Statistik
Austria 2009 in Österreich in der für die Lehrlingsausbildung
relevanten Gruppe der 14- bis 17jährigen noch 394.000 Personen. Aber
bereits 2015 wird sich diese Gruppe auf 349.000 (-12,5%) und 2020 gar
auf 345.000 (-13%) verringern (Demographisches Handbuch der Statistik
Austria).

Dem entsprechend betrifft eine der zentralen Forderungen des
Handelsverbands schon seit Jahren die neue Definition der
Lebenseinkommenskurve im Sinne einer Abflachung: Bei Zahlung höherer
Einstiegsgehälter soll der Anstieg der Löhne und Gehälter mit
fortgeschrittenem Dienstalter deutlich langsamer erfolgen. Mumelter
bekräftigt vor diesem Hintergrund noch einmal: "Den
Mitgliedsunternehmen des Handelsverbandes ist durchaus bewusst, dass
eine solche Reform insbesondere in der Übergangszeit mit erhöhtem
Aufwand für Personal verbunden wäre." Doch der Handel stehe dazu,
weil er die Kaufkraft steigern und die Attraktivität des
Arbeitsplatzes Handel heben wolle.

Der Handelsverband wurde vor neunzig Jahren gegründet und ist
heute eine freiwillige Interessenvertretung von mehr als 150 großen
Handelsbetrieben in Österreich. Er nimmt die Funktionen eines
Wirtschafts-, Berufs- und Arbeitgeberverbandes wahr. Darüber hinaus
versteht sich der Verband als handelsorientiertes
Dienstleistungszentrum und als branchenübergreifendes
Wirtschaftsforum sowie Plattform für den politischen, rechtlichen und
technologischen Dialog und Informationstransfer. Mit Richtlinien,
Kennzeichen und Gütesiegeln setzt der Handelsverband Standards und
fördert das Qualitätsbewusstsein und Vertrauen der Konsument/innen
zum Handel.

HANDELSVERBAND
Präsident: Dr. Stephan Mayer-Heinisch,
Generalsekretär: Dr. Stefan Mumelter
A-1080 Wien, Alser Straße 45, Tel +43 (01) 406 22 36, Fax +43 (01)
408 64 81, office@handelsverband.at, www.handelsverband.at,
www.versandhandel-online.at,

Mitglied bei DSE (Direct Selling Europe) und EMOTA (European Distance
Selling Trade Association)

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0191 2011-07-07 13:00 071300 Jul 11 HVB0001 0658



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