- 03.07.2011, 20:04:01
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Thailands schöne Siegerin muss das Land versöhnen" (Von Daniel Kestenholz)
Ausgabe vom 04.07.2011
Graz (OTS) - Ob ihr das gelingt, hängt aber von ihrem Bruder ab.
Thailand kann auch anders als nur bluten und Straßenschlachten
führen. Das hat das Urlauberparadies gestern mit einem friedlichen
Wahlgang und Regierungswechsel unter Beweis gestellt. Dennoch kehrt
Thailand noch lange nicht zur Normalität zurück. Die Mehrheit des
Volkes hat sich klar für die Partei des 2006 weggeputschten
Populisten Thaksin Shinawatra ausgesprochen, die noch 2009 und 2010
hinter wilden Straßenschlachten und Aufrufen zur Revolution stand.
Der Sieg ist ein Triumph für die Rothemden. Dass ihre Partei das
Vertrauen der Mehrheit genießt, kann nur bedeuten, dass die Menschen
eher Thaksin trauen, die ersehnte Versöhnung herbeizuführen, als dem
Establishment, als dessen Frontmann der abgewählte Expremier Abhisit
Vejjajiva galt.
Thaksins Geniestreich bei diesen Wahlen war es, auf seine junge,
unverbrauchte Schwester Yingluck zu setzen, die mit ihren Rehaugen
die Nation begeistert. In einer Nation der Machos und Chauvinisten
schaffte sie es zur ersten Regierungschefin in der Geschichte
Thailands. Die schöne Frau an der Spitze lässt den Schmerz vergessen,
den Thailand während der schwierigen vergangenen fünf Jahre
durchlitten hat. Dabei stellte Thaksin klar: Er ist die Partei, sie
ist nur temporäre Platzhalterin, und bisher hält sie sich an das vom
Bruder vordiktierte Skript.
Dieser Bruder aber ist kaum die Lösung für Thailands Probleme. Die
alte Ordnung der Monarchie, Armee und Bürokratie schwächelt, die
Menschen wünschen den Wandel. Und Thaksin gibt sich als neue Ordnung
aus. Dabei hat er 2001 bis 2006 in seiner Zeit an der Macht bereits
bewiesen, dass er alles andere ist als der große Demokrat. Der
Populist verschaffte zwar der armen Landbevölkerung Zugang zu
billigem Geld und Sozialleistungen. Doch unter dem autoritären
Demagogen zog auch die Schuldenspirale an und im Land herrschte
Angst. Selbst als 2004 die Hühnerpest ausbrach, hatten Ärzte zu
lügen; aus Furcht, Thaksin würde sich rächen, weil sie dem Ruf seiner
Regierung schaden. Thaksin praktizierte eine Parlamentsdiktatur, die
nach Wunsch Gesetze erließ, die seinem Imperium dienten.
Unter dem cleveren Deckmantel seiner schönen Schwester versucht er
sich jetzt einen Weg zurück an diese Macht zu bahnen. Viele
Thailänder wünschen das offenbar, doch ebenso viele werden das nicht
dulden. Das Land ist weiterhin gespalten; von Yingluck wird erwartet,
dass sie das Land versöhnt. Man kann nur hoffen, dass ihr
polarisierender Bruder dazugelernt hat. ****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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