- 30.06.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schade um dieses Unternehmen - von Robert Lechner
Am Flughafen Wien zählen keine Ausreden mehr
Wien (OTS) - Es gibt in wirtschaftlich stürmischen Zeiten kaum ein
besseres Geschäft als jenes mit Infrastruktur. Das gilt im Großen und
Ganzen auch für Flughäfen. Das Wirtschaftssystem müsste schon
kollabieren, um einen Airport in seiner Existenz zu gefährden. Der
Bedarf zu fliegen wird kaum unter ein gewisses Niveau sinken. Um das
stabile Business-Modell erfolgreich zu nutzen, müssen aber zumindest
einige Grundregeln guter Unternehmensführung eingehalten werden.
Leider gibt es ausgerechnet in Österreich mit dem Flughafen Wien
einen wichtigen Infrastruktur-Player, wo so ziemlich alles von allen
Beteiligten falsch gemacht wird. Mittlerweile wird der Dauer-Murks in
Schwechat schon zum gewaltigen finanziellen Schaden für Investoren.
Seit dem diesjährigen Jahreshöchstkurs von 52 Euro im Jänner ging es
bis zuletzt 33 Prozent bergab. Alle drei Analysten, die sich den
Flughafen zuletzt angesehen haben, reduzierten entweder das Kursziel
oder ihre Empfehlung. Gekommen sind die Rückstufungen nicht von
irgendwem, sondern von Erste Bank, Citigroup und HSBC. Das alles mit
entsprechendem internationalen Echo.
Ausreden auf das allgemein schlechtere Umfeld für Aktien gelten
nicht: Der ATXPrime-Index, in dem die VIE-Papiere notieren, verlor im
gleichen Zeitraum nicht einmal zehn Prozent.
Gleichzeitig wird die strategische Lage immer prekärer. Der
Hauptkunde AUA sitzt in der Zwickmühle zwischen
Lufthansa-Konzerninteressen und Subventions-Airlines aus dem Nahen
Osten. Das Immobiliengeschäft dümpelt in Schwechat dahin, während
andere Airports es längst zum zweiten wichtigen Standbein gemacht
haben.
Derweil schaltet das Management auf Auto-Pilot. Der Chef arbeitet
seit Monaten auf den Posten eines Verfassungsrichters hin. Die beiden
anderen Vorstände sind durch Grabenkämpfe so angeschlagen, dass im
Unternehmen niemand mehr auf sie hört. Dass sich trotz dieser
Umstände mehr als 100 Top-Leute für Jobs im künftigen
Flughafen-Vorstand beworben haben, gilt als einer der wenigen
Lichtblicke.
Den für die Misere verantwortlichen Haupteigentümern Wien und
Niederösterreich bleibt nur eine Chance. Die neuen Manager müssen
frei arbeiten dürfen. Andernfalls wäre eine Re-Verstaatlichung die
bessere Alternative.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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