OTS0298   30. Juni 2011, 14:04

Wirtschaftsparlament-Matznetter: "Krankengeld für Einpersonenunternehmen einführen, Selbstbehalt abschaffen"

SWV setzt höheres Wochengeld für Schwangere durch


"Mehr als die Hälfte unserer Mitglieder verdienen
weniger als 12.000 Euro pro Jahr, daher brauchen wir dringend ein
Krankengeld für Einpersonenunternehmen und ein höheres Wochengeld für
werdende Mütter", betonte Christoph Matznetter, Vizepräsident der
Wirtschaftskammer und Präsident des Sozialdemokratischen
Wirtschaftsverbandes (SWV) heute im Rahmen der Debatte im
Wirtschaftsparlament. Darüber hinaus forderte der SWV die Abschaffung
des 20 prozentigen Selbstbehaltes für die Versicherten der SVA
(Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft). Es sei eine
Errungenschaft des WKÖ-Präsidenten Leitl gewesen, dass Arbeitnehmer
und Selbstständige den gleichen Beitrag in die Sozialversicherungen
einbezahlen, die logische Folge wäre jetzt die gleiche Leistung dafür
zu erhalten. "Wir wollen gleiche Verhältnisse herstellen. Gleicher
Beitrag für gleiche Leistung", machte Matznetter deutlich. ****

Das System der SVA wurde für eine andere Zeit gemacht, denn die
Wirtschaftsstruktur sei damals eine andere gewesen. Die Mehrheit der
Selbstständigen zähle heute nicht zu den Bestverdienern. "Viele
leiden unter versteckter Armut, denn rechnet man sich den Stundenlohn
vieler Selbstständiger aus, liege der weit unter den gesetzlichen
Mindestlöhnen", erläuterte der Vizepräsident. Wenn dann ein
Einpersonenunternehmer krank wird, steht nicht nur das gesamte
Unternehmen, er oder sie müsse auch noch Selbstbehalte beim Arzt
zahlen. "Und wer glaubt, irgendwer habe Zeit sich zum Spaß zum Arzt
zu setzen oder ein Medikament zu kaufen, bringt unseren Mitgliedern
sehr viel Misstrauen entgegen", so Matznetter, der die
Steuerungswirksamkeit eines Selbstbehaltes in Frage stellte.

Erfreulich zeigte sich Matznetter, dass der Antrag des SWV für ein
höheres Wochengeld für werdende Mütter im Mutterschutz einstimmig
angenommen wurde. "Derzeit können sich viele selbstständige Mütter
die Einhaltung der gesetzlichen Schutzfrist einfach nicht leisten.
Bis zur Geburt arbeiten und kurz danach wieder, sind keine
Einzelfälle", führte Matznetter aus. Anträge zur Abschaffung des
Selbstbehaltes, zur Senkung der Mindestbeitragsgrundlage, sowie zur
Einführung des Krankengeldes für Einpersonenunternehmen wurden vom
Wirtschaftsbund abgelehnt.

Für ihn, Matznetter, sei es dennoch wichtig, dass in die Diskussion
rund um die soziale Absicherung von Selbstständigen endlich Bewegung
komme, der SWV werde sich weiterhin verstärkt dafür einsetzen.
(Schluss)

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OTS0298 2011-06-30 14:04 301404 Jun 11 WVO0001 0346



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