- 30.06.2011, 10:12:29
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ÖGB-Präsident Foglar beim Wirtschaftsparlament: Fortschritt nur mit sozialer Gerechtigkeit
Einigkeit der Sozialpartner bei Zukunftsproblemen - über die Bewältigung dieser Herausforderungen müsse aber erst Konsens gefunden werden
Wien (OTS/PWK477) - Im Rahmen des heutigen
Wirtschaftsparlaments der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) betonte
der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Erich
Foglar, als Gastredner bei der Eröffnung, dass ein umfassender - auch
wirtschaftlicher - Fortschritt nur mit sozialer Gerechtigkeit
funktioniere: "Es muss ein Ziel sein, für die Weiterentwicklung aller
Menschen für eine sozial gerechte Verteilung zu sorgen - denn nur
dadurch ist auch sozialer Frieden gewährleistet. Wir Sozialpartner
sind daher gefordert, dementsprechende nachhaltige Strategien zu
entwickeln, und wir müssen auch den Mut haben, Überholtes zu
überdenken und zu adaptieren." Gerade durch die enge Verflechtung von
Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitk sei dieses Thema eine
große Herausforderung. "Dabei sind Verteilungsgerechtigkeit, soziale
Sicherheit, Chancengleichheit und Mitbestimmung die wichtigsten
Themen", so Foglar.
Angesichts der aktuellen Griechenlandproblematik plädierte Foglar
an die europäische Solidarität, um diese erste große Bewährungsprobe
der Europäischen Union seit der EU-Erweiterung gemeinsam zu lösen.
Eine Gefahr sei derzeit, dass trotz des beobachtbaren Aufwärtstrends
in der Wirtschaft nach den Krisenjahren nicht vergessen werden dürfe,
dass die Krise in manchen Bereichen erst verspätet ankomme. Nur auf
Kürzungen bei Löhnen, Pensionen oder Sozialleistungen zu setzen, wäre
jetzt das falsche Signal. Österreich brauche in diesem Zusammenhang
eine vereinfachende, faire Steuerreform, bei der es aber keinesfalls
um Klassenkampf oder eine Neiddiskussion gehe.
Bezugnehmend auf die derzeitige Bildungsdebatte, wies Foglar
darauf hin, dass die weitere wirtschaftliche Entwicklung Österreichs
auch von der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften und den
entsprechenden Ausbildungsangeboten abhängig sei. Daher müsse ein
Schwerpunkt der Bildungsreform auch in der Aufwertung der Dualen
Ausbildung liegen. Der diesbezügliche Bildungsdialog der
Sozialpartner mit den zuständigen Ministerien sei ein wichtiger
Schritt in die richtige Richtung. "Chancengleichheit ohne soziale
Selektion ist das Ziel. Die gegenseitige Anrechenbarkeit von dualer
Lehr- und berufsbildender Schulbildung muss verbessert werden, damit
Barrieren zwischen Schule und Lehre sowie zwischen Lehre und
Universität beseitigt werden", so Foglar. Das System 'Lehre mit
Matura' soll künftig kein Angebot für wenige sein, sondern der
Regelfall.
Zuletzt ging Foglar auf die Pensionsproblematik ein. Dabei
herrsche zwischen den Sozialpartnern Übereinstimmung, dass das
faktische Pensionsantrittsalter in Österreich erhöht werden müsse.
Uneinig sei man noch darüber, wie das erreicht werden soll.
Abschließend erinnerte der ÖGB-Präsident an die lange und gute
Tradition der österreichischen Sozialpartnerschaft: "Wir dürfen nicht
vergessen, dass die Basis des sozialen Friedens in Österreich in der
zweiten Republik auch in der guten Kooperation der
Sozialpartnerschaft verankert ist. Diese Tradition sollen und wollen
wir auch in der Zukunft fortsetzen." (BS)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse
Mag. Bernhard Salzer
Tel.: T:(+43) 0590 900-4464, F:(+43) 0590 900-263
mailto:[email protected]
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