- 30.06.2011, 10:00:24
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Dorner zur E-Medikation: Inhaltliche Mängel und Blockaden
Nicht praxistauglich - hoher Zeitaufwand - Verhinderung von Verschreibungen
Wien (OTS) - Gravierende inhaltliche Mängel des zurzeit laufenden
E-Medikations-Pilotversuches zeigte Donnerstag der Präsident der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, nach einem Bericht
im ORF-Inlandsreport auf. Nach Rückmeldungen sei das System nicht
praxistauglich, erfordere einen extrem hohen Zeitaufwand und
verhindere die Verschreibung notwendiger Medikamente, so der
Ärztechef in einer Aussendung.
Dorner: "Der bisherige Testlauf zeigt, dass die E-Medikation auf die
täglichen Erfordernisse einer ärztlichen Praxis keine Rücksicht
nimmt." Testärzte würden über den hohen Zeiteinsatz klagen, der mit
der Handhabung des Pilotprojektes im Einzelfall verbunden sei. Sie
bräuchten zeitweise dreimal so lange wie bei einer bisherigen
Interaktionsprüfung, um die vom EDV-System geforderten Eintragungen
vorzunehmen und die beabsichtigte Verordnung auf Wechselwirkungen zu
überprüfen. Zusätzlich weise das System Blockaden auf. Offensichtlich
seien gewisse Hürden eingebaut, um die Rezeptur von Medikamenten in
besonderen Fällen zu verhindern, obwohl es keinerlei unerwünschte
oder negative Wechselwirkungen mit bereits vorhandener Medikation
gebe. "Die E-Medikation ist als wichtiges Informationssystem geplant
und soll keinesfalls die Verschreibung notwendiger Medikamente
verhindern", sagte der Ärztepräsident.
Dorner wies auch auf die rechtswidrige Auftragsvergabe an die
Software-Firmen durch den Hauptverband hin. "Im Sinne der Wichtigkeit
dieses Projektes wäre es jetzt dringend erforderlich, dass das
Gesundheitsministerium und der Hauptverband umgehend dafür sorgen,
dass der Testbetrieb der E-Medikation unter sauberen, rechtlich
einwandfreien Bedingungen weiterlaufen kann", forderte der
Ärztepräsident. Im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe hob Dorner
"den Dschungel der Vertragskette" hervor. So habe die
Bundesgesundheitskommission den Hauptverband der Sozialversicherungen
mit der Projektleitung betraut, mit der Umsetzung des Gesamtprojektes
E-Medikation wurde die Tochterfirma des Hauptverbandes SVC befasst.
Weitere Verträge wurden mit zwei Arzt-Softwarefirmen und mit der
pharmazeutischen Gehaltskasse abgeschlossen. Diese hat wiederum ein
Vertragsverhältnis mit dem Apothekerverlag und der Firma Siemens.
Hier müsste laut Dorner Transparenz hinsichtlich der Interessenslagen
der involvierten Organisationen und Unternehmen geschaffen werden.
(ms)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 513 18 33-14
Mail: [email protected]
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